Lunex: Nepalesische Physios ohne Praxiskenntnisse?

Scouts rekrutieren im Ausland Studierende für die Lunex-Universität; in den Gebäuden herrschen Sicherheitsmängel und den Physiotherapie-Student*innen fehlt es an Praxis – Gerüchte oder Tatsache?

Bildquelle: Lunex

„Uns wurde berichtet, dass sich letztes Jahr 32 nepalesische Studierende an der Lunex eingeschrieben haben“, verrät der CSV-Abgeordnete Georges Mischo dem Hochschulminister Claude Meisch (DP) in einer parlamentarischen Anfrage. „Kann der Minister diese Informationen bestätigen? Wenn ja, wie viele von diesen Studierenden sind noch an der Lunex eingeschrieben?“ Warum es wichtig ist, wo ausgerechnet nepalesischen Student*innen abgeblieben sind, ergibt erst im Zusammenhang mit den anderen Fragen, die Mischo aufwirft, ansatzweise Sinn.

Angeblich setzt die Lunex, eine private Sport-Universität in Differdingen, Scouts auf potentielle Studierende aus dem Ausland an. Meisch bestätigt Mischos Annahme und präzisiert in seinem Schreiben, das sei eine gängige Praxis privater Hochschulen. Das Prozedere sei mit dem Auftritt der Hochschulvertreter*innen auf Studierendenmessen vergleichbar. Dass der Vergleich hinkt, zeigt sich im Fall der nepalesischen Student*innen: Die Lunex schloss Verträge mit Rekrutierungsagenturen im Nepal ab, um gezielt ortsansässige Studienbewerber*innen nach Luxemburg zu locken. Bei Studierendenmessen läuft das Spiel anders. Die Verträge mit Nepal wurden inzwischen aufgrund schlechter Erfahrungen im Studienjahr 2018/2019 aufgelöst. Im vergangen Jahr hatten sich 13 Studierende aus Nepal für den Physiotherapie-Bachelor und 15 für den Bachelor-Studiengang „International Sport Management“ eingeschrieben. Die Studiengebühren für das Sportmanagement belaufen sich übrigens auf 750 Euro im Monat. Im Sommersemester 2019 studierten insgesamt noch 11 Personen aus Nepal in Differdingen. Wieviel Geld generell in die Rekrutierungsmaßnahmen fließt, ist nicht gewusst.

Die nepalesischen Student*innen existieren demnach. Die Gerüchte um die fehlenden Praxis-Module im Bachelorstudiengang „Physiotherapie“ sind hingegen falsch. Im Studium sind neun Praxis-Module vorgesehen, in denen die Studierenden in Gruppen von 20 Teilnehmer*innen unter Aufsicht der Lehrkräfte die praktischen Aspekte des Berufs kennenlernen. Darüber hinaus müssen die Studierenden sowohl im Bachelor als auch im Master Praktika im Berufsfeld absolvieren. Um zum Bachelor-Studium zugelassen zu werden, müssen die Studienbewerber*innen einen Test bestehen. Der setzt sich aus einem schriftlichen Teil (Kenntnisse der Naturwissenschaft und der englischen Sprache) sowie einer mündlichen Prüfung der Sozialkompetenzen und besagter Englischkenntnisse zusammen. Einen Numerus-Clausus gibt es, im Gegenteil zu Universitäten im Ausland, nicht.

Über die von Mischo angesprochenen Sicherheitsmängel in den Unterrichtsräumen will Meisch nichts wissen. Allgemein fällt auf, dass der Hochschulminister auf Distanz zur Lunex geht. Er betont mehrfach, dass die Hochschule über eine „weitreichende akademische, administrative und finanzielle Autonomie“ verfüge. Aus diesem Grund habe das Hochschulministerium auch keinen unmittelbaren Zugang zu bestimmten Interna der Institution. Das relativiert die Authentizität der Antworten, die Meisch größtenteils aus zweiter Hand an Mischo weitergibt.

Die Privatuniversität ist seit 2015 als „établissement d’enseignement supérieur spécialisé“ akkreditiert. Das stellt die Anerkennung nationaler und internationaler Diplome sicher, die im Rahmen der angebotenen Studiengänge erlangt werden können. Die Akkreditierungsprozedur verläuft nach einem konkreten Schema und erfolgt über mehrere Stufen. Die endgültige Akkreditierung ist jeweils fünf Jahre gültig. Der Master-Studiengang in der Physiotherapie an der Lunex wurde 2019 unter bestimmten Voraussetzungen akkreditiert, die bis zum 15. September 2020 erfüllt sein müssen. Dazu gehört unter anderem der Nachweis darüber, dass die Infrastrukturen an die Anzahl der Studierenden angepasst sind und einen sicheren Aufenthalt in den Räumlichkeiten ermöglichen. Ob vielleicht doch was an den Gerüchten um die Sicherheitsmängel dran ist, zeigt sich also erst nächstes Jahr.


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