LITERATUR: Flucht von der Toteninsel

Norbert Jacques, Erschaffer des Dr. Mabuse, personifiziert das Dilemma des Luxemburger Literaten zwischen der Enge der Heimat und der politischen Vereinnahmung durch Nazi-Deutschland.

Bekannt vor allem durch seine Dr. Mabuse-Krimis, machte sich Norbert Jacques auch durch Tropen- und Reiseliteratur einen Namen. Seine neu aufgelegten Memoiren zeichnen das Schicksal eines Künstleremigranten, für den finanzielle Sicherheit künstlerischen

Er gehört zur Kategorie der Nestbeschmutzer, die in Luxemburg meist mit der ungemein effizienten Waffe des Schweigens eliminiert werden: Norbert Jacques, der Erschaffer des „Dr. Mabuse“. Umso effizienter, als der 1880 geborene Jacques wahrscheinlich immer noch der im Ausland mit Abstand erfolgreichste Luxemburger Schriftsteller ist. Von den Verkaufszahlen seiner zahlreichen Exotikromane, Krimis und Reisereporte können zeitgenössische AutorInnen nur träumen. mehr lesen / lire plus

MICHAEL MOORE: Fahrenheit 9/11

Ein humorvoll gemachter Dokumentarfilm, der den kriegführenden Präsidenten Bush und seine Regierung aus einer etwas anderen Perspektive unter die Lupe nimmt. Der Film soll dazu beitragen sein amerikanisches Publikum davon abzuhalten Bush wiederzuwählen und warnt vor allem die Jugend aus den ärmeren Gegenden der USA, vor dem „sicheren“ Job in der Armee.
Doch kann man auch jene verstehen, die gegen die Auszeichnung des Films auf dem Filmfestival in Cannes waren. Dieser politische Propagandafilm mag noch einen guten Zweck verfolgen, der nächste der für eine Teilnahme an diesem Festival ansteht, hat vielleicht zweifelhaftere Absichten.

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FRANK OZ: Barbie im Wunderland

Bitterböse und unentschlossen: Frank Oz‘ Remake von „The Stepford Wives“ oszilliert zwischen Komödie und moralischer Fabel.

Schneewittchen bei den fiesen Zwergen: Nicole Kidman kommt die heile Welt von Stepford nicht ganz geheuer vor.

Erinnert sich noch jemand an den Clip zum Soundgarden-Song „Black Hole Sun“? In greller Kulisse gefror dort schönen Menschen das Grinsen auf den Gesichtern, Barbies brutzelten auf Barbecuegrills vor sich hin und die Band sorgte für eines der gruseligsten Musikvideos aller Zeiten. Ähnlich schön schauerlich hätte „The Stepford Wives“ auch werden können, wäre Regisseur Frank Oz nur klar gewesen, was für einen Film er denn eigentlich machen wollte. mehr lesen / lire plus

HOMMAGE AUX ARTISTES LUXEMBOURGEOIS: Made in Luxembourg

Nicht erschrecken, wenn sich Alex Gilberts Skulptur plötzlich knarzend in Bewegung setzt und die unheimliche Stille in der Galerie „Am Tunnel“ durchbricht. Hinter den Überwachungskameras wird sich wahrscheinlich schlapp gelacht über die zusammenzuckenden BesucherInnen der Ausstellung „Hommage aux artistes luxembourgeois“. Bereits zum achten Mal präsentieren sich hier luxemburgische oder in Luxemburg schaffende KünstlerInnen Seite an Seite, die so eigentlich gar nicht recht zusammenpassen. Ihre einzige Gemeinsamkeit ist das Geburtsjahr: Alle feiern dieses Jahr einen runden Geburtstag, ob nun Gust Graas (Jahrgang 1924) oder die erst 30-jährige Nancy Weiland. Diese Vielfalt führt dazu, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ob nun Max Kohns entspannte Damen oder Rico Sequeiras Collagen, Laurent Nunziatinis eigenwillige Werke oder Fernand Bertemes großformatige figurative Kompositionen. mehr lesen / lire plus

FLÜCHTLINGE: Lauter Präzedenzfälle

Einheit nur in der Ablehnung: Die italienische Regierung kriminalisiert Flüchtlingshelfer, und die deutsche blockt ab, indem sie auf die Drittstaatenregelung verweist. Derweil schiebt Luxemburg weiter AsylbewerberInnen ab.

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit Cap Anamur mehr als zehntausend vietnamesische Flüchtlinge im südchinesischen Meer rettete. Erst kürzlich setzte die Flüchtlingshilfsorganisation ein neues Rettungsschiff ein. Im Juni nahm dieses im Mittelmeer 37 Flüchtlinge aus dem Sudan auf. Die dreiwöchige Odyssee der neuen „Cap Anamur“ endete erst vor wenigen Tagen.

Einen „gefährlichen Präzedenzfall“ hätten die Flüchtlingshelfer damit geschaffen, sagte Italiens Justizminister Roberto Castelli. Schließlich gilt den EU-Staaten die italienische Küste ob ihrer Durchlässigkeit für unerwünschte ImmigrantInnen als heikel, weshalb die Regierung in Rom besonders bemüht ist, die Grenzen ihres Landes dicht zu halten. mehr lesen / lire plus

DNA-DATENBANK: Von Geburt an verdächtig

Der genetische Fingerabdruck wird gern als Wunderwaffe der modernen Strafverfolgung gehandelt. Wer dagegen ist, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit Schuld daran zu sein, dass Kindermörder weiter freiherumlaufen.
Auch in Luxemburg soll nun mit DNA-Profilen gearbeitet werden.

Wer nichts auf dem Kerbholz hat, braucht auch nichts zu befürchten. Schön wärºs. Dank Gentechnik in der Strafverfolgung tun künftig auch unbescholtene BürgerInnen gut daran, sich nicht allzu sehr in Sicherheit zu währen. Am 5. und 6. Juli trafen sich die fünf größten der EU, die „big five“, unter anderem um über die Zusammenarbeit in Sachen DNA-Datenbanken zu reden. Das Thema steht nächsten Montag auf dem Treffen der Innen- und Justizminister der 25 EU-Staaten auf der Tagesordnung. mehr lesen / lire plus