Vlaams Belang doch rechtsradikal

von | 23.05.2024

„Unsere Menschen zuerst“: Vlaams Belang versuchte schon in den belgischen Parlamentswahlen im Mai 2019 mit rechtspopulistischen Parolen zu punkten.

Keinem Journalisten werde der Nachweis gelingen, dass der „Vlaams Belang“ (VB) auch heutzutage noch rechtsradikal sei. Das hatte Georges-Louis Bouchez, Parteivorsitzender der belgischen liberal-konservativen Partei „Mouvement réformateur“, vergangenen Monat gegenüber der Zeitung „Le Soir“ gesagt. Nun hat sich im Auftrag des Blatts ein Forscher der Universität Liège daran versucht. Der Politikwissenschaftler François Debras bescheinigt dem VB nach Durchsicht von dessen Wahlprogramm, alle wesentlichen Elemente rechtsextremer Rhetorik zu bedienen. Im Belgien wird am 9. Juni sowohl für das Europaparlament als auch für das Föderal- sowie die Regionalparlamente gewählt. Dem VB werden in Flandern bis zu 30 Prozent der Stimmen fürs gesamtbelgische Parlament prognostiziert. Damit käme man landesweit auf über 15 Prozent und hätte somit die meisten Sitze. Bislang gilt in Belgien das Prinzip des „Cordon sanitaire“, eine Selbstverpflichtung aller übrigen Parteien, keine Regierungskoalition mit den extremen Rechten zu bilden. Im Europaparlament gehört der VB zur Fraktion „Identität und Demokratie“ (ID), dem neben dem französischen „Rassemblement National“ (RN) auch die „Alternative für Deutschland“ (AfD) angehört. Der RN hat am Dienstag allerdings mit der AfD gebrochen, nachdem deren Spitzenkandidat für die Europawahl, Maximilian Krah, mit relativierenden Äußerungen über die nationalsozialistische SS an die Öffentlichkeit getreten war. Ob die AfD nun aus der Fraktion fliegt, liegt auch in der Verantwortung des VB.

*Nachtrag am 24. Mai 2024, 9 Uhr: Nach einer fraktionsinternen schriftlichen Abstimmung ist die AfD am Donnerstagnachmittag aus der ID-Fraktion im Europaparlament ausgeschlossen worden. Laut der Nachrichtenagentur dpa stimmten neben RN und VB auch die italienische„Lega“, die „Dänische Volkspartei“ sowie die tschechische Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ dafür. Die Dänische Volkspartei stimmte Fraktionsangaben zufolge passiv zu, indem sie keine Antwort schickte. Nach den ID-Fraktionsregeln wird dies ebenfalls als Zustimmung gewertet. Tiefgreifende Konsequenzen hat die Entscheidung indes nicht, denn nach den Wahlen werden die Fraktionen ohnehin neu zusammengesetzt.

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

Weibliche Genitalverstümmelung in Luxemburg

Im Nachgang einer UNICEF-Studie zu weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) in Luxemburg, die im April 2026 veröffentlicht wurde, hatten die LSAP-Abgeordneten Claire Delcourt und Mars Di Bartolomeo eine parlamentarische Anfrage zum Thema gestellt. Vergangenen Montag erfolgte die Antwort, der sich neben den drei adressierten Minister*innen der...

NEWS

Wenn „ChatGPT“ parlamentarische Fragen beantwortet

Am vergangenen Montag veröffentlichte die Chamber die Antwort des Außenministers Xavier Bettel (DP) auf eine parlamentarische Frage der beiden LSAP-Abgeordneten Mars Di Bartolomeo und Yves Cruchten. Thema war der „Luxemburgplan“, den die saarländische Regierung Anfang Mai veröffentlichte. Die Antworten sind relativ nichtssagend und unkonkret –...

POLITIK

Tripartite : État providence !

L’accord tripartite conclu le 4 juin contente tout le monde : les salarié·es, les entreprises, les fonctionnaires, les agriculteurs et Luc Frieden. Face à la hausse des coûts de l’énergie, le premier ministre CSV a trouvé le chemin du dialogue social à grand renfort d’argent public.

NEWS

Foot, fric et répression

Le coup d’envoi de la Coupe du monde de foot 2026 a été donné ce 11 juin au stade Azteca de Mexico, pour une édition « qui s’annonce la plus lucrative jamais vue », selon Amnesty International. La FIFA prévoit de réaliser 11 milliards de dollars de recettes au fil des 104 matchs qui se joueront pendant six semaines aux États-Unis, au Mexique...