Wahl-Forderungen: Die grĂŒne Revolution

von | 19.05.2018

Nein, es geht nicht um das Wahlprogramm der GrĂŒnen, sondern um die Forderungen des Mouvement. Statt fĂŒr kleine Kurskorrekturen macht sich die NGO fĂŒr einen richtigen Kurswechsel stark.

Gute Nachrichten zur nachhaltigen Entwicklung Luxemburgs gibt es genug. Dass die woxx nicht ĂŒber alle berichtet, liegt nicht nur an der kurzen Personaldecke. Viele Nachrichten erweisen sich beim genaueren Hinsehen als nicht so gut, wie sie zunĂ€chst erscheinen. Und manche werden auch –  gemessen an den vielen Problemen, die im gleichen Bereich bestehen – einfach ĂŒberbewertet.

„Kooperativen und GemeinschaftsgĂ€rten sprießen aus dem Boden, der Ausbau der Infrastrukturen im Bereich öffentlicher Transport geht voran, eine Debatte ĂŒber das anstrebenswerte Wachstum wurde begonnen“, stellt der Mouvement Ă©cologique in der Einleitung zu seiner BroschĂŒre mit Forderungen fĂŒr die Wahlen fest. Und zweifelt zugleich: „Sind die positiven Initiativen nur zaghafte AnsĂ€tze, die an der Gesamtentwicklung unserer Gesellschaft kaum etwas zu Ă€ndern vermögen?“ Und konstatiert verzweifelt: „Die RĂŒckkehr des Wolfes mag als wichtiges Symbol im Naturschutzbereich angesehen werden, aber die dramatische Abnahme der BiodiversitĂ€t, im Besonderen in der Kulturlandschaft, ĂŒberwiegt bei Weitem.“

Mouvement Ă©cologique … et social

Angesichts der ökologischen und sonstigen Herausforderungen will sich die NGO nicht damit begnĂŒgen, „an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen“, sondern verlangt einen Paradigmenwechsel. „Ein grundlegender sozial-ökologischer Umbau des Gesellschafts- und Wirtschaftssystems ist unumgĂ€nglich, wenn allen Menschen in unserer Gesellschaft und weltweit ein Leben in WĂŒrde ermöglicht werden soll – fĂŒr heutige und kĂŒnftige Generationen.“ Und so enthĂ€lt das Dokument neben den umweltschĂŒtzerischen auch soziale, wirtschaftliche und institutionell-politische Forderungen.

Den ersten Teil der 84 Seiten starken BroschĂŒre bilden „neun zentrale Anregungen fĂŒr die Zukunft“, die es in sich haben. Das ist umso bemerkenswerter, als die bisherige Mouvement-Kritik an der Regierungsarbeit recht zahm ausfiel. Allerdings wird im Rahmen des Mecoskop nur die Umsetzung des Regierungsprogramms – also einer höchst bescheidenen Zielvorgabe – gemessen. WĂŒrde man als Maßstab fĂŒr die Leistungen der ersten Regierung mit grĂŒner Beteiligung die jetzt vom Mouvement vorgelegten Forderungen nehmen, so wĂ€re das Ergebnis wohl eher beschĂ€mend.

Wohnen statt tanken

Unter den zahlreichen Unterpunkten der „Anregungen“ findet man radikale Forderungen, wie die nach einer „Suffizienzstrategie“, also einem wachstumskritischen Modell fĂŒr „[ein] – auf gemeinschaftlicher und individueller Ebene – gutes Leben morgen mit weniger Konsum“. Der fĂŒr notwendig erachtete „konsequentere Ausstieg aus dem Tanktourismus“ dĂŒrfte ebenfalls nicht jedem schmecken. Was wĂŒrde bleiben, wenn Luxemburg aus Wachstum und Schmarotzertum ausstiege? Unter anderem die Agrarwirtschaft, fĂŒr deren Umbau man klare PrioritĂ€ten setzen muss: „Förderung des Biolandbaus sowie einer ‚flĂ€chengebundenen‘ Landwirtschaft, d.h. einer Landwirtschaft (weitgehend) ohne Futtermittelimporte“.

Die Umwelt-NGO zögert auch nicht, in sozialen Fragen weiter zu gehen als so manche „soziale“ Partei: Sie schlĂ€gt vor, „das Recht auf Wohnen in der Verfassung zu verankern, ebenso wie den Vorrang von Interessen der Allgemeinheit gegenĂŒber Privatinteressen, dies nach klar umrissenen und begrenzten Kriterien“. Und sie fordert, weniger ĂŒberraschend aber nicht minder radikal, „eine absolute Priorisierung aller Finanzmittel auf den weiteren Ausbau der aktiven MobilitĂ€t sowie des öffentlichen Transports – ein Stopp aller (geplanten) Umgehungsstraßen und grĂ¶ĂŸeren Straßenbauprojekte“.

Wahlprogramm mit Visionen

Angesichts der zu erwartenden Schwierigkeiten eine Akzeptanz fĂŒr einen Kurswechsel zu schaffen, darum geht es bei der Anregung Nummer 9: „Eng Biergergesellschaft als Viraussetzung fir eng zukunftsfĂ€eg Gesellschaft … amplaz e Modell wat ze staark um Prinzip vun enger reprĂ€sentativer Demokratie basĂ©iert“.

Noch viel mehr Forderungen – und detaillierte AusfĂŒhrungen dazu – findet man in den 15 Kapiteln, die den grĂ¶ĂŸten Teil der BroschĂŒre einnehmen. Die VorschlĂ€ge reichen von „Globale Verantwortung ĂŒbernehmen“ (gemeint ist die Neuordnung des Welthandels), ĂŒber „Holzcluster als Instrument der regionalen Wertschöpfung vorantreiben!“ bis hin zu „Hormonelle Schadstoffe stĂ€rker regulieren und Nanotechnologie besser kontrollieren“. Parteien, die noch an ihrem Wahlprogramm arbeiten, finden hier mehr als genug Anregungen – sofern sie sich denn ernsthaft fĂŒr ökologische und soziale Nachhaltigkeit einsetzen wollen.

BroschĂŒre „Nationalwalen 2018: Zukunft nohalteg gestalten – ekologesch, sozial a gerecht“

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