Willis Tipps: August 2019

Neues vom Mali-Rocker

Nach zwei ausgezeichneten Live-Alben in Folge hat Oumar Konaté sein drittes Studioalbum I Love You Inna veröffentlicht. Dem jungen Sänger und Gitarristen aus Gao in Nordmali und seiner Band ist es bestens gelungen, die hitzige Atmosphäre seiner Liveauftritte auch ins Studio zu bringen. Konaté, auch ein starker Sänger, zeigt wieder seine bemerkenswerten Gitarrenkünste zwischen virtuoser Akustik und rockiger, teilweise mit Wah-Wah-Effekten verstärkter Elektrik. Bass und Drums schaffen eine kraftvolle Basis und bei vielen Stücken sorgen traditionelle Instrumente, wie die Kamele Ngoni und Kalebassen, aber auch eine gelegentliche Violine für zusätzliche westafrikanische Erdung. Auch ohne das totgedudelte 12-taktige Schema hat Konaté eine bluesige Stimmung, weil diese in Mali traditionell verwurzelt ist. Bester, originärer Mali-Rock – mal leise, mal laut und stets energiegeladen!
Oumar Konaté – I Love You Inna (Clermont Music)

https://www.youtube.com/watch?v=INuVHYbk8kQ

Der serbische Roma-König ist zurück

Das Boban Markovic Orkestar ist neben der rumänischen Fanfare Ciocarlia das Urgestein der Roma-Blasmusik. Das letzte hier erhältliche Album erschien 2013 und war, wie viele Alben vorher, entstanden unter Mitwirkung des Sohnes von Boban Markovic, Marko. Der hatte moderne Elemente eingebracht und sollte eigentlich die Leitung der Band übernehmen. Insider*innen berichten, dass es zwischen Vater und Sohn in künstlerischer und familiärer Beziehung Streit gab. Für eine anstehende Tour haben sie sich aber wohl wieder zusammengerauft. Jetzt ist jedenfalls der Vater wieder mit einer eigenen Platte da und zwar in alter Frische. Das Album heißt MRAK, ist beim ungarischen Fonó Label erschienen und ist genauso feurig wie schon das erste in Westeuropa erhältliche Album von 2002. Heiße Bläsersätze, mitreißender Rhythmus und toller Gesang; alles ohne besondere Studiotricks, auch wenn hier und da mal ein bisschen experimentiert wird. Wie schön, dass sich Boban Markovic mit diesem ausgezeichneten Album mit serbischer Roma-Musik zurückmeldet!
Boban Markovic Orkestar – MRAK (Fonó Budai Zeneház)


Von Iran bis Senegal

Mit ihrem bereits siebzehnten Album Traversées hat die in Kanada beheimatete, 1998 gegründete Gruppe Constantinople erneut ein Meisterwerk geschaffen. Die Gruppe wird von dem aus Iran stammenden Kiya Tabassian geleitet, der singt und die persische Setar-Laute spielt. Pierre-Yves Martel spielt die Viola da Gamba und Patrick Graham ist für die Perkussion zuständig. Erneut ist der sengalesische Sänger und Kora-Spieler Ablaye Cissoko an der Einspielung beteiligt. Die Gruppe verortet ihre Musik zwischen Renaissance, Barock, persischer Tradition sowie Weltmusik und mit Cissoko kommt ein deutlicher afrikanischer Schwerpunkt hinzu. Der Name der Gruppe ist Programm, denn das historische Konstantinopel kann als Zentrum eines kulturellen Kontinuums von Ostasien bis zum westlichen Mittelmeer verstanden werden. Der Gruppe gelingt es, genau so zu klingen, nämlich als Ensemble mit einer bruchlosen, harmonischen Verbindung verschiedener, aber sich auch überlappender musikalischer Stile. Das Album hat große Tiefe und ist melodisch wie technisch wunderbar.
Constantinople & Ablaye Cissoko – Traversées (Ma Case)

August – Top 20

1. Angelique Kidjo – Celia (Verve/Universal) Benin
2. Mara Aranda – Sefarad en el Corazón de Turquía (Mara Aranda) Spanien
3. Minyo Crusaders – Echoes of Japan (Mais Um) Japan
4. Cimarrón – Orinoco (Cimarrón Music) Kolumbien
5. Refugees for Refugees – Amina (Muziekpublique) Syrien/Irak/Afghanistan/
Pakistan/Tibet/BE
6. Oumar Konate – I Love You Inna (Clermont Music) Mali
7. Boban Markovic Orkestar – Mrak (Fonó) Serbien
8. AKA Trio – Joy (Bendigedig) Senegal/Brasilien/Italien
9. Mísia – Pura Vida (Banda Sonora) (Galileo) Portugal
10. Kronos Quartet, Mahsa & Marjan Vahdat – Placeless (Kirkelig Kulturverksted) USA/Iran
11. Dizzy Mandjeku & Alé Kumá – De Palenque à Matongé (Zephyrus) Kongo/Kolumbien
12. Altın Gün – Gece (Glitterbeat) Türkei/NL
13. Park Jiha – Philos (Tak:til/Glitterbeat) Südkorea
14. Yolla Khalife – On the Road (Nagam) Libanon
15. Aziz Sahmaoui & University of Gnawa – Poetic Trance (PIAS) Marokko
16. Gaiteiros de Lisboa – Bestiário (Uguru) Portugal
17. Dona Onete – Rebujo (Mais Um) Brasilien
18. Kaumaakonga – Taoba (Wantok Musik) Salomonen
19. Tuuletar – Rajatila / Borderline (Bafe’s Factory/Nordic Notes) Finnland
20. The Gloaming – 3 (Real World) Irland/USA

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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