Zum Tod von Guy W. Stoos: Treuer Begleiter

Seine Zeichnungen trafen mitten ins Schwarze. Als Karikaturist hat Guy W. Stoos unserer Zeitung jahrzehntelang seinen Stempel aufgedrückt. Nun ist er im Alter von 71 Jahren gestorben. Damit geht ein Kapitel der woxx zu Ende.

Der Strich war fein, aber die Aussage spitz wie ein Pfeil. Der Karikaturist Guy W. Stoos war schon für seine sarkastischen Darstellungen der Luxemburger Politikszene bekannt, als 1988 die erste Ausgabe unserer Zeitung erschien, damals noch unter dem Namen „GréngeSpoun“. Für ein kleines Pressemedium aus der grün-alternativen Ecke war es eine Herausforderung, ein halbwegs ansprechendes Layout zu gestalten: Fotos von politischen Ereignissen oder von wichtigen Persönlichkeiten konnten wir uns nicht leisten, Illustrationen wurden sogenannten Schnippelbüchern entnommen oder einfach aus anderen Veröffentlichungen kopiert. Dass Guy von Beginn an bei der Zeitung einstieg, war also nicht nur wegen seiner pointierten Darstellungen zu Themen wie Cattenom, dem CASA-Umweltskandal oder der sich bald ankündigenden Spaltung im grünen Lager ein Gewinn, sondern auch, weil er in dem optisch öden „GréngeSpoun“ zeichnerisch für Lichtblicke sorgte.

Für „Timberen“ gab es Schelte.

Guy W. Stoos trug auf diese Weise aktiv dazu bei, den Erfolg unserer Zeitung zu steigern. Als er dann 1989 mit dem anderen „Guy“, nämlich Guy Rewenig, begann, unter dem Titel Recto Verso eine regelmäßige Kolumne zu gestalten, wurde diese Seite ein regelrechter Publikumsmagnet – in einer Zeit, in der politische Satire in anderen Blättern noch Seltenheitswert hatte. Von Anfang an betonten die „United Guys“ jedoch zwei Punkte: Erstens, dass ihnen editoriale Freiheit zuzugestehen sei, und zweitens, dass sie gegen Bezahlung arbeiteten. Damit setzten sie professionelle Standards, die bis dahin im „GréngeSpoun“ fehlten. Noch bevor die Zeitung 1992 staatliche Pressehilfe beantragte, musste sie sich dadurch erstmals mit journalistischen Grundsätzen befassen. Auch dass man Karikaturen nicht als Lückenbüßer benutzt, sondern sie in der Gestaltung der Zeitung eine wichtige Rolle spielen, war ein Lernprozess für die ungeschulten Layouter*innen der ersten Stunde. Die schlechte Angewohnheit, seine Zeichnungen in der Größe zu reduzieren, statt überlange Texte zu kürzen, trieb Guy uns bald aus: für „Timberen“, wie er es nannte, gab es Schelte.

Guys Einsatz geschah aber nicht einfach aus Hilfsbereitschaft, sondern weil er sich für die politische Sache einsetzte, ob bei União und Asti, Mouvement écologique oder in anderen linken und alternativen Medien. Zeichnen war sein Ausdruck für Opposition zum System. Von Beginn an erhielten die politischen Persönlichkeiten, gegen die er anzeichnete, Schweinsohren: eine deutliche Darstellung seiner oft grundsätzlichen Einschätzung, die keine Zwischentöne zuließ. Irgendwann erhielten dann auch grüne Politiker*innen dieses Attribut, ein Zeichen, dass er, der mit der neuen Strömung anfangs eine politische Hoffnung verbunden hatte, sich enttäuscht abwandte. Später fand er eine Heimat bei „Déi Lénk“, für die er sich als Gemeinderat in der Stadt Luxemburg erstmals selbst in die politische Arena begab.

Guys Einbindung ins woxx-Projekt wurde mit der Zeit loser, zum Teil wegen seines Engagements bei der von ihm mitinitiierten Satirezeitung „Den neie Feierkrop“. Dennoch blieb er der woxx treu, auch als eine chronische Krankheit ihm das Leben zunehmend schwer machte. „Dir denkt jo un de Guy?“ – So mahnte Richard Graf das Redaktionsteam allwöchentlich, unseren Karikaturisten auch ja rechtzeitig über das jeweils gewünschte Thema zu informieren. Kaum ein Satz bringt Guys Rolle in der woxx in den letzten Jahren besser auf den Punkt als diese halb ernstgemeinte, halb augenzwinkernde Formel: Er war unser stets gegenwärtiger, uns immer zuverlässig beliefernder Satellit. Woche für Woche schickten wir ihm den Artikel zu unserem „Thema“, das uns besonders unter den Nägeln brannte. Und warteten gespannt darauf, wie er das von uns journalistisch Bearbeitete mit seinen künstlerischen Mitteln interpretierte. Punktgenau wusste er mit seinem Zeichenstift aufzuspießen, was uns bisweilen eher mühsam zu umschreiben gelang. Selbst die dienstältesten Redakteur*innen können sich dabei an nur wenige Gelegenheiten erinnern, an denen je ein Ersatz organisiert werden musste: Guy und seine Karikaturen hatten in der woxx ihren festen, nicht austauschbaren Platz. „Dir denkt jo un de Guy?“ Ja – und er fehlt.


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