Die demokratischen Kandidaten: Präsidentschaft oder Prinzipien


Während Hillary Clinton im Ruf steht, dem Geld zu folgen, orientiert sich Bernie Sanders vor allem an seinen Überzeugungen. Doch ob damit der Kampf ums Weiße Haus zu gewinnen ist?

Zwischen den demokratischen Kandidaten ist der Kampf noch nicht entschieden: Hillary Clinton liegt nach den bisherigen Vorwahlen zwar vorn, doch könnte Bernie Sanders auch von Clintons E-Mail-Affäre noch profitieren. (Foto: Disney / ABC Television Group / Flickr)

Zwischen den demokratischen Kandidaten ist der Kampf noch nicht entschieden: Hillary Clinton liegt nach den bisherigen Vorwahlen zwar vorn, doch könnte Bernie Sanders auch von Clintons E-Mail-Affäre noch profitieren. (Foto: Disney / ABC Television Group / Flickr)

Nach dem „Super Tuesday“ könnte es schwierig werden, Hillary Clinton noch zu stoppen. Schwierig, aber nicht unmöglich. Sanders jedenfalls denkt nicht ans Aufgeben, immerhin hat er bereits einige Staaten für sich gewonnen, darunter auch Vermont. Das gehört sich so, denn dort wohnt er und vertritt den Staat seit 25 Jahren im US-Senat.

In Vermont kennt man ihn, dort liebt man ihn. Dort fing auch seine politische Karriere an. Sanders wurde am 8. September 1941 in Brooklyn geboren und seine Wertvorstellungen wurden von seinem damaligen Umfeld ganz wesentlich geprägt. Brooklyn in den Vierzigern war ein Migrantenviertel, die Einwandererfamilien halfen sich gegenseitig, politisch stand man links, manchmal sogar sehr weit.

Als Student an der University of Chicago wurde Sanders Mitglied einer sozialistischen Vereinigung, der Young People’s Socialist League (YPSL). Er war an politischen Protesten gegen die Benachteiligung der Afroamerikaner beteiligt und kämpfte an vorderster Front für die Ideale der Bürgerrechtsbewegung. Auch in einem israelischen Kibbuz war Sanders eine Weile aktiv.

Als es ihn jedoch ins ländliche Vermont verschlug, mäßigte er seine Weltanschauung, ohne dies offen zur Schau zu stellen. In der Hauptstadt Burlington trat er zur Bürgermeisterwahl an, und gewann diese auch, wenngleich auf wahnwitzige Art und Weise – denn die Wahlen im korrupten Burlington wurden normalerweise von der vorherrschenden Elite manipuliert. Sanders jedoch roch Lunte. Er ließ die Wahlzettel versiegeln und bewachen, bevor das politische Establishment sie in die Finger bekam.

Schon damals beschimpfte die Opposition Sanders als einen Kommunisten, doch er war ein effizienter Bürgermeister, der die Gunst der Bürger für sich zu gewinnen verstand. Er ließ die Straßen und Abwasserkanäle erneuern, brachte die Stadt auf Vordermann und verdiente sich so das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger.

Sanders kommt besonders bei weißen Wählern sehr gut an, bei Afroamerikanern und Latinos ist er bei weitem nicht so beliebt.

Vor allem aber war Sanders moderat. Seine sozialistische Vergangenheit hatte er weit hinter sich gelassen, er regierte von der linken Mitte aus. So hielt er es auch im US-Senat, in den er 1991 einzog. Obwohl er nicht offiziell zur Demokratischen Partei gehörte, war sein Wahlverhalten in wichtigen Fragen von dem der Demokraten nicht weiter zu unterscheiden. Doch was manche an Sanders zweifeln lässt, ist die Tatsache, dass er mit Ausnahme seines Bürgermeisteramts Anfang der Achtzigerjahre keinerlei exekutive Erfahrung hat.

Hillary Clinton hingegen pocht auf ihre langjährige Erfahrung, sie sei, so sagt sie immerfort, gestählt und krisengehärtet. Sie kam am 26. Oktober 1947 als Hillary Rodham in Chicago zur Welt, ihr Vater war erfolgreicher Besitzer einer kleinen Textilfirma und so wuchs sie wohlbehütet im Mittelstand auf. Der Vater war erzkonservativ und sie eiferte ihm nach. Als Volontärin ging sie für Richard Nixon auf die Straße.

In ihrer Jugend legte Clinton ihren Konservatismus zunehmend ab. Sie studierte Jura und wurde Anwältin beim Children’s Defense Fund, einer gemeinnützigen Vereinigung, die sich vorwiegend mit der Bekämpfung von Kinderarmut befasst. Durch ihre Ehe mit Bill Clinton wurde sie erst zur First Lady des US-Bundesstaats Arkansas, und später des ganzen Landes.

Von 2001 bis 2009 vertrat Hillary Clinton den Bundesstaat New York im US-Senat, dann trat sie erfolglos als Präsidentschaftskandidatin gegen Barack Obama an. In seiner ersten Amtszeit machte dieser sie zu seiner Außenministerin, was sie anfänglich nicht wollte, doch schließlich konnte er sie überreden – indem er ihr anbot, ihre Schulden vom Wahlkampf zu begleichen.

Zu Geld konnte Clinton noch nie Nein sagen, was auch Sanders großer Vorwurf gegen sie ist. Ihre Wahlkampagne sei von Wall Street finanziert. Clinton haftet der subtile aber stete Geruch der Korruption an. Sie bekam Hunderttausende von Dollar für kurze Reden, die sie vor reichen Wall-Street-Händlern hielt. Sie reiste mit ihrem Mann um die Welt, um Millionenspenden für die eigenartige Clinton Foundation aufzutreiben. Dabei handelt es sich angeblich um eine wohltätige Vereinigung, die laut den Clintons wahnsinnig viel gegen Armut und Krankheit in der dritten Welt tut. Ihren Gegnern zufolge dient sie jedoch eher als eine Art Sparschwein der Clinton-Familie, an dem man sich nach Belieben bereichern kann.

Hier streut Sanders erbarmungslos Salz in die Wunde, und eine Weile sah es für ihn deshalb auch ganz gut aus. Doch nach dem Super Tuesday hat Clinton einen erheblichen Vorsprung an Delegierten. Sanders kann zweifellos noch eine Weile mitmachen, aber er muss sich fragen, ob er nur für seine Prinzipien kämpfen oder tatsächlich Präsident werden will.

Sanders kommt besonders bei weißen Wählerinnen und Wählern sehr gut an, aber bei Afroamerikanern, und in einem geringeren Maße auch bei Latinos, ist er bei weitem nicht so beliebt. Warum eigentlich?

Die Clinton-Regierung war für Afroamerikaner kein Zuckerschlecken. 1994 unterschrieb Präsident Bill Clinton eine Strafrechtsreform, die gerade Afroamerikaner hat traf, mit dem Resultat, dass im Jahr 2000 immerhin 26 mal so viele Schwarze wie Weiße in amerikanischen Gefängnissen saßen, bei etwa gleichen Verbrechensraten in beiden Gruppen. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenrate unter Schwarzen astronomisch an, die von Bill Clinton geförderten Handelsabkommen trafen die niedrigen Einkommensklassen sehr hart. Bernie Sanders war immer dagegen. Dazu ist er immerhin ein Veteran der Bürgerrechtsbewegung. Doch die Clintons sind bei der Black Community seit Jahrzehnten bekannt und beliebt, während Sanders in erster Linie der Kandidat von wohlhabenderen Weißen und College-Studenten ist.

Die Sanders-Aufkleber sieht man daher vor allem auf teuren Elektroautos in Manhattan und Beverly Hills, es sind vor allem diejenigen, die sich um ihr Einkommen keine allzu großen Sorgen machen müssen, die von Sanders revolutionärem Gerede begeistert sind. Sanders verspricht eine politische Revolution, Clinton verspricht einen ermüdenden Straßenkampf. Sanders tritt für ein Gesundheitssystem nach europäischem Vorbild ein, er will Studiengebühren abschaffen und die USA aus internationalen Verstrickungen raushalten.

Man kann durchaus darüber diskutieren, ob das für die USA der richtige Weg sein könnte, aber eines ist klar: In einem so konservativen Land wie Amerika werden seine Ideen zumindest in den nächsten Jahren nicht durchzusetzen sein. Immerhin wird der Kongress voraussichtlich weiterhin in republikanischer Hand bleiben, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Republikaner mit Sanders liebevoller umgehen werden, als sie es momentan mit Obama tun.

Siehe auch Der aussichtsreichste republikanische Kandidat: Skrupellos im Dienst der Nation und Vorwahlen in den USA
: Warm-up für 
die Titanenschlacht.

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