RENTREE 2004: K(l)eine Uni

Die Luxemburger Universität wird privatisiert, noch ehe es sie wirklich gibt.

Braungebrannt und sichtlich mit neuer Energie geladen: Der Oekofoire-Termin, just vor dem Schulanfang gelegen, ist auch immer ein Stelldichein für zahlreiche LehrerInnen. Dass es dieses Jahr dennoch auffallend viele doch eher betretene Gesichter auf der Umweltmesse gab, insbesondere bei der Riege der Post-Sekundar-ProfessorInnen, hatte allerdings weniger mit dem schlechten Wetter zu tun, als mit dem Umstand, dass die noch vor Jahrefrist vorherrschende Aufbruchstimmung in Sachen Uni-Luxemburg sich spätestens seit der Umbildung der Regierung in tiefe Enttäuschung und teilweise Wut gewandelt hatte – Depressionen und Demissionen inbegriffen.

„Sprich nicht davon! Verdirb mir nicht mein Wochenende!“ – die (für einen einjährigen Luxemburg-Abstinenzler) überraschende Reaktion der Betroffenen ist eindeutiger, als die Schönfärberei der politischen VerantwortungsträgerInnen. Diese haben nicht nur im Februar den unerwartet verstorbenen Rektor, sondern wenig später auch das Projekt, sowie es einmal angedacht, zu Grabe getragen.

In der Regierungserklärung findet die Uni Luxemburg lediglich als Nebensatz statt – im Kapitel Kompetitivität und Modernität. Dass die Legislaturperiode 2004-2009 genau den Zeitraum umfasst, der für den Aufbau der Uni Luxemburg einmal als geradezu entscheidend eingestuft wurde, war Premierminister Juncker keine Erwähnung wert.

Im Koalitionsabkommen geht zwar von der Bereitstellung der nötigen Mittel, um eine Basisfinanzierung zu gewährleisten, die Rede, doch nicht ohne zu erwähnen, dass ein Großteil der Geldmittel in Zukunft vom Privatsektor beigesteuert werden soll – durch Sponsoren und durch die StudentInnen selbst, nach „noch festzulegenden Modalitäten“.

Bekannt ist, dass die direkten Haushaltsmittel, die im nächsten Jahr der Uni Luxemburg zugedacht werden, weniger als ein Drittel dessen ausmachen, was einer voll ausgestatteten Universität ähnlichen Ausmaßes im europäischen Ausland zugestanden wird, sind die Konsequenzen abzusehen: „Downsizing“ nennt es der Chefredakteur des „Lëtzeburger Land“, der auch von übertriebenen Ambitionen und einem selbst verschuldeten Scherbenhaufen redet.

Natürlich hat es an Konkurrenzneid und gegenseitigem Schlechtmachen nicht gefehlt. Die „communauté académique“, wenn es sie denn geben sollte, hat in den kruzialen Phasen kaum an einem Strang gezogen. Sie hat den ZweiflerInnen am Ende somit die Argumente geliefert, die Hochschulministerin, samt ihres ambitiösen Projektes, hochgehen zu lassen. Allerdings kann das, was uns jetzt erwartet, nur Angst machen: Wenn ein erheblicher Teil der Lehr- und Forschungsarbeit privat finanziert werden muss, dann ist leicht vorstellbar, welche Fakultäten der Uni-Luxemburg überhaupt eine Überlebenschance haben werden. Während andere Länder – aus reiner Finanznot – in den vergangenen Jahren Teile des Hochschulbetriebs gezwungenermaßen dem freien Spiel der Kräfte ausliefern mussten, soll in Luxemburg das Stadium einer staatlich getragenen Uni gleich übersprungen werden.

Zumindest im hier angesprochenen Bereich der Hochschulpolitik scheint sich also Schwarz-Rot dem Pragmatismus stärker verschrieben zu haben als die christlich-liberale Vorgängerregierung. Für die ursprünglich Idee einer vollwertigen Uni fehlt demnach der politische Wille der EntscheidungsträgerInnen. Hingegen dürfte es für das nun vorliegende privatisierte Modell angesichts der immer stärker werdenden ausländischen Konkurrenz und des wenig erfreulichen Wirtschaftsumfelds wenig Überlebenschancen geben.

Luxemburg kann auch ohne Universität (über-)leben. Es fragt sich nur weshalb ein solcher Aufwand betrieben und so viele Hoffnungen geschürt werden mussten, wenn am Ende außer einer gemeinsamen Homepage und einem einheitlichen Logo nichts übrig bleibt, von dem, was einmal „innovativ und relevant für die Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts“ beitragen sein sollte – so die gegangene Hochschulministerin in einem Pamphlet an die „stakeholder community“.


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