INSTALLATION: Klein – aber global

„Global Multitude“ – der Titel der zurzeit in der Rotonde 1 gezeigten Ausstellung erscheint zunächst großspurig, angesichts des nur spärlich mit Kunst gefüllten Raumes.

Dennoch haben es die einzelnen Exponate – von der Videoinstallation bis hin zur Monumentalskulptur – in sich: Acht internationale Künstler wurden zu dem Projekt eingeladen, sie sollten sich kritisch mit dem Thema der globalen Vielfalt befassen. Gemeinsam ist den einzelnen KünstlerInnen, dass sie nicht aus Europa stammen, sich jedoch im Laufe der Zeit hier niedergelassen haben. In ihren Werken konfrontieren sie denn auch die eigene Herkunft und Kultur mit der eurozentrischen Realität hierzulande.

Eine Installation, die sofort ins Auge springt, ist die über elf Meter hohe, in der Mitte der Rotonde rotierende tibetische Gebetstrommel. „Ehi Ehi Sina Sina“, heißt das Werk, benannt nach einer mündlich-spirituellen Formel, die dem Klang nachempfunden ist der entsteht wenn sich der Zylinder der Gebetsmühle dreht. Dieser Ton soll – so der tibetische Glaube – das Böse verjagen und Frieden bringen. Gleichzeitig verkörpert das Werk Gewalt, denn der Mast der Installation ist einer chinesischen Waffe nachempfunden. Der chinesische Künstler Huang Yong Ping wollte durch diesen Kontrast auf die Widersprüche verweisen, die dem Leben Impulse verleihen. Das Werk scheint jedoch nicht nur unmittelbar – durch chinesische Kriegswaffen und tibetische Friedensmühle – auf den seit Jahren schwelenden Konflikt im Tibet zu verweisen – Huang Yong Ping hat diese Widersprüche auch an seiner eigenen Person erfahren: Er gilt als Gallionsfigur der chinesischen Avantgarde. Da seine Arbeiten die herrschende Macht kritisierten, wurden sie offiziell verboten.

Während bei Huang Yong Ping das Kleine monumental groß wird, geschieht bei Jimmie Durham, der der zur Ethnie der Cherokee-Indianer gehört, das genaue Gegenteil: Er hat den „Arch of Triumph for a Personal Use“ geschaffen. Hier ist der Triumphbogen nicht Stein gewordene Monumentalität zur Feier einer Nation, sondern ein zierlicher, auf Menschengröße geschrumpfter Durchgang. Mit dem Nationalstaat beschäftigte sich auch die brasilianische Künstlerin Maria Thereza Alvez. Unter dem Titel „The precise moment“ hat sie drei Tafeln ausgestellt, auf denen der Gründungsmythos Luxemburgs bis hin zur Devise „Mir wölle bleiwen wat mir sin“ erzählt wird. Alvez zeigt, dass dieser Leitspruch letztlich nur der Ausdruck eines konkreten Moments in der Geschichte ist. Mit der heutigen Luxemburger Immigrationsgesellschaft hat er herzlich wenig zu tun.

„Global Multitude“ ist eine interessante Ausstellung – gut gemacht, weil man als Besucher umfangreich informiert wird, und spannend, weil die meisten Künstler auch politisch engagiert sind, was sich in ihren Werken widerspiegelt.

In der Rotonde 1 noch bis zum 2. Dezember.


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