INSTALLATION: Klein – aber global

von | 30.10.2007

„Global Multitude“ – der Titel der zurzeit in der Rotonde 1 gezeigten Ausstellung erscheint zunächst großspurig, angesichts des nur spärlich mit Kunst gefüllten Raumes.

Dennoch haben es die einzelnen Exponate – von der Videoinstallation bis hin zur Monumentalskulptur – in sich: Acht internationale Künstler wurden zu dem Projekt eingeladen, sie sollten sich kritisch mit dem Thema der globalen Vielfalt befassen. Gemeinsam ist den einzelnen KünstlerInnen, dass sie nicht aus Europa stammen, sich jedoch im Laufe der Zeit hier niedergelassen haben. In ihren Werken konfrontieren sie denn auch die eigene Herkunft und Kultur mit der eurozentrischen Realität hierzulande.

Eine Installation, die sofort ins Auge springt, ist die über elf Meter hohe, in der Mitte der Rotonde rotierende tibetische Gebetstrommel. „Ehi Ehi Sina Sina“, heißt das Werk, benannt nach einer mündlich-spirituellen Formel, die dem Klang nachempfunden ist der entsteht wenn sich der Zylinder der Gebetsmühle dreht. Dieser Ton soll – so der tibetische Glaube – das Böse verjagen und Frieden bringen. Gleichzeitig verkörpert das Werk Gewalt, denn der Mast der Installation ist einer chinesischen Waffe nachempfunden. Der chinesische Künstler Huang Yong Ping wollte durch diesen Kontrast auf die Widersprüche verweisen, die dem Leben Impulse verleihen. Das Werk scheint jedoch nicht nur unmittelbar – durch chinesische Kriegswaffen und tibetische Friedensmühle – auf den seit Jahren schwelenden Konflikt im Tibet zu verweisen – Huang Yong Ping hat diese Widersprüche auch an seiner eigenen Person erfahren: Er gilt als Gallionsfigur der chinesischen Avantgarde. Da seine Arbeiten die herrschende Macht kritisierten, wurden sie offiziell verboten.

Während bei Huang Yong Ping das Kleine monumental groß wird, geschieht bei Jimmie Durham, der der zur Ethnie der Cherokee-Indianer gehört, das genaue Gegenteil: Er hat den „Arch of Triumph for a Personal Use“ geschaffen. Hier ist der Triumphbogen nicht Stein gewordene Monumentalität zur Feier einer Nation, sondern ein zierlicher, auf Menschengröße geschrumpfter Durchgang. Mit dem Nationalstaat beschäftigte sich auch die brasilianische Künstlerin Maria Thereza Alvez. Unter dem Titel „The precise moment“ hat sie drei Tafeln ausgestellt, auf denen der Gründungsmythos Luxemburgs bis hin zur Devise „Mir wölle bleiwen wat mir sin“ erzählt wird. Alvez zeigt, dass dieser Leitspruch letztlich nur der Ausdruck eines konkreten Moments in der Geschichte ist. Mit der heutigen Luxemburger Immigrationsgesellschaft hat er herzlich wenig zu tun.

„Global Multitude“ ist eine interessante Ausstellung – gut gemacht, weil man als Besucher umfangreich informiert wird, und spannend, weil die meisten Künstler auch politisch engagiert sind, was sich in ihren Werken widerspiegelt.

In der Rotonde 1 noch bis zum 2. Dezember.

Dat kéint Iech och interesséieren

EXPO

Kunst gegen Gewalt: Der Prozess der Heilung

Für das Projekt „Ugegraff“ schaffen 50 Künstler*innen eine Ausstellung, die während ihrer Vernissage (fast) vollständig zerstört wird. Schritt für Schritt werden die Werke nun neu zusammengesetzt. Ein Projekt über häusliche Gewalt, oder: wenn Kunst Gewalt spiegelt. Es ist der Abend des 25. September. Im Eingangsbereich des Musée national de la...

EXPOGENDER

Ausstellung „Les vrais hommes“: Blinde Flecken und offene Türen

Im Rainbow Center kann man zurzeit die Ausstellung „Les vrais hommes“ besichtigen. Eine Schau, die wichtige Themenbereiche ausspart und vor allem offene Türen einrennt. Härte, Aggressivität, Konkurrenzdenken – männliche Rollenbilder sind nach wie vor von stereotypen Vorstellungen geprägt, die Männlichkeit mit emotionaler Kälte und Dominanz...

EXPO

Arts pluriels : Rendre à Cléopâtre ce qui est à Cléopâtre

Pour l’Automne, l’Institut du monde arabe de Paris continue à nous présenter « Le mystère Cléopâtre ». Une expo qui remet les pendules à l’heure sur la vie de la dernière reine d’Égypte. Qui était vraiment Cléopâtre ? D’où vient cette légende de la femme fatale ? Est-ce qu’elle était vraiment aussi belle qu’on le dit ?...

EXPO

Arts pluriels : Illusions dominicales

L’exposition « Dimanche sans fin » célèbre les 15 ans du Centre Pompidou-Metz. Elle présente une exceptionnelle symbiose entre l’artiste Maurizio Cattelan et une vaste collection de la maison mère de Paris. C’était il y a quinze ans, en mai 2010, le public se pressait pour admirer un pur joyau architectural de Shigeru Ban et Jean de...