The Adventures of Ghosthorse and Stillborn

von | 10.03.2010

(cw) – CocoRosie ist eine jener Bands, die sich in absolut keine Schublade stecken lassen. Das beweisen die beiden New-Yorker Geschwister erneut auf ihrem aktuellen – und mittlerweile dritten – Album mit dem kryptischen Titel „The Adventures of Ghosthorse and Stillborn“. Die Songs der Schwestern Sierra und Bianca Casady sind eine akustisch-schräge Mischung aus elektronischen Samples, einem Klangteppich aus lärmendem Kinderspielzeug, Geräuschen vom Diktiergerät und einer traditionellen Instrumentierung wie der Harfe oder dem Klavier. Jedoch ist nicht nur die Instrumentierung, sondern auch der Gesang außergewöhnlich: Getragen werden die Melodien vom klassischen Operngesang von Sierra sowie dem verzerrten, kindlichen Sprechgesang von Bianca – was mitunter an Björk oder Portishead erinnert. Dabei sind die zwölf neuen Musikstücke wie kleine Inszenierungen, deren Texte mal scheinbar völlig banal erscheinen, dann wieder sehr persönlich aber auch politisch sind wie „Japan“: Das Lied kritisiert die Art, wie die US-Regierung den Irak-Krieg als großes Abenteuer verkauft. Gegenüber den vorherigen Alben, die folkischer und inniger waren, öffnen sich die Geschwister hier auch Hip-Hop-Rhythmen. Die CD eignet sich für jene, die auf der Suche nach einer individuellen Vision von zeitgenössischer Musik sind.
„The Adventures of Ghosthorse and Stillborn“, erschienen auf Touch and Go Records

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Buchtipp: Die Rettung

Um eine Vorstellung von den Auswirkungen der Klimakrise zu bekommen, brauchen wir Geschichten über die Klimakrise. „Die Rettung“ von Charlotte McConaghy hätte eine solche Geschichte sein können. Sie ist an einem sehr interessanten Ort angesiedelt: Auf einer kleinen (fiktiven) Insel zwischen der Antarktis und Australien lebt ein Vater allein...

KULTURTIPP

Albumtipp: Masquerade

Wie ein sich zuziehender Himmel verdunkelt sich das Debütalbum „Masquerade“ des irischen Quintetts „Cardinals“ graduell. Sind die Anfangsklänge noch schmissig-ausladend, kippt die Stimmung spätestens bei „Over at Last“, der als der fünfte der zehn Songs die Achse des Album bildet. Die Musik nimmt an Fahrt auf, die Gitarren drängen nach vorn...

KULTURTIPP

Podcast: Das Literarische Quartett

Ausgabe für Ausgabe diskutieren beim „Literarischen Quartett“ drei Kritiker*innen herrlich kontrovers mit Gastgeberin Thea Dorn über Literatur. Ihre Streitgespräche stimulieren den Geist, machen neugierig und schaffen, meistens zumindest, Leselust.

KULTURTIPP

Spieletipp: The Darkest Files

Im Jahr 1956 stellt Generalstaatsanwalt Fritz Bauer ein Team von Staatsanwält*innen zusammen, die Nazi-Verbrechen aufklären sollen. Als Spieler*in schlüpft man in die Rolle von Esther Katz. Man vernimmt Zeug*innen, sammelt Beweise, liest Akten und versucht, die Taten möglichst lückenlos zu rekonstruieren – vor Gericht muss alles schlüssig...