MALEREI: Dick aufgetragen

Selten erschließt sich Kunst dem Betrachter auf den ersten Blick. Allein der Kunstkenner unterscheidet zwischen Original und Fälschung, während der Laie meist sofort einen Kunststil zu erkennen meint. Doch oft ist auch der nicht eindeutig zu benennen. So verhält es sich mit Eric Cornes Ölmalerei. Die Galerie Nosbaum & Reding zeigt derzeit unter dem Titel „Lost Lights“ eine sehr überschaubare Werkauswahl bestehend aus 15 Bildern Cornes.

Seine Ölgemälde leben von Gegenüberstellungen. Gegensätzliche Motive wie grell kontrastierende Farben laufen meist in einem Bild zusammen. So wird etwa eine Schneelandschaft der, wie ein glühender Ball am Himmel hängenden, Sonne entgegengesetzt, wird das Bild wie mit dem Lineal in die drei Bereiche Wasser, Land, Himmel aufgeteilt. Aufdringlich bunte schrille Farbtöne stehen dunklen, morbid anmutenden Farb-Nuancen gegenüber. Dabei sind es stets wiederkehrende Motive wie nackte Frauen – kniend, liegend, aufrecht stehend oder kopulierend – die Corne wählt. Daneben sind mehrstöckige bewohnte Bilderbuchhäuser, Hochhäuser neben Flugzeugen, schwarzen Vögeln, wie Raben oder Krähen, zu sehen.

In einem stark figurativen, fast naiven Stil schafft er grell-bunte exotische Landschaften. Durch die Verbindung realer und imaginärer Elemente und der reduzierten Darstellung seiner Motive erzeugt er traumähnliche, bisweilen fast surreale Bilder. Surreal? Ein einziger Kunststil ist kaum auszumachen. Während das Gesamtbild in seiner grellen Exotik an die haitianischen Vodoo-Welten Gauguins erinnert, lässt die detaillierte Zeichnung der Figuren etwa in „Charity Sex“ vielmehr an die Bildnisse einer Frida Kahlo denken. Die Tupftechnik seines Werkes „Soudain“ wiederum orientiert sich an Monet. Mit nur wenig Phantasie meint man in Cornes Abbildungen Züge der Pittura Metafisica zu erkennen und landet bei genauer Betrachtung wieder beim Magischen Realismus. Die fast zwanghafte Nachbildung nackter Frauen – bei Corne stets in sanftem schweinchenrosa – führt einen zu Paul Delvaux. Gleichwohl verrät der Maler im Gespräch seine Liebe zur Malerei und seine Liebe zu den Frauen. Pasolinis Verlangen sei für ihn ebenso inspirierend gewesen wie David Lynchs „Fantasme ou realité“.

Doch nur der oberflächliche Blick gaukelt dem Betrachter anziehende Traumwelten vor. Auf den zweiten Blick bergen Cornes Ölbilder Gefahren. Dunkel uniformierte Männer mit Schnauzer stehen lauernd im Türrahmen. Andere Figuren stehen scheinbar unbeteiligt im Bild und halten dabei eine Waffe in der Hand oder auf sich selbst gerichtet. Es sind Abbildungen einer trügerischen Idylle, die in ihrer ständig wiederkehrenden naiven Symbolik schlicht banal wirken. Verstärkt wird dieser Eindruck der Beliebigkeit durch die Aussage des Künstlers die uniformierten Männer stünden repräsentativ für Grausamkeit, ob nun Stalin oder Hitler.

Etwas interessanter wirken hingegen die stringent dunkel gehaltenen Bilder seiner Lost Lights-Serie, insbesondere das Werk „Tête noire“. Davon sind in der Schau jedoch nur zwei Exemplare zu sehen, die „Lost Lights“ und „Forsé una speranza“. Im begleitenden Ausstellungskatalog finden sich hingegen einige sehenswertere Drucke.

In einem stark figurativen Stil schafft Corne grellbunte exotische Landschaften. Seine naive Symbolik wirkt insgesamt banal.


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