WOHNEN FÜR SENIOREN: Werde niemals alt

„Mobilität, Partizipation und Sicherheit“ – so lassen sich die idealen Umstände fürs Wohnen im Alter umschreiben. Die Realität jedoch sieht anders aus: Es mangelt an Wohnstrukturen und Betreuungsdiensten für Senioren.

„Jeder will alt werden, aber niemand will alt sein.“ Das wohl auch deshalb, weil es in der Gesellschaft zunehmend an Wohnstrukturen und Betreuungsdiensten für das so genannte Dritte Alter mangelt. Es ist eine Herausforderung, die vielen westeuropäischen Ländern gemeinsam ist, nicht zuletzt angesichts der demographischen Entwicklung der Bevölkerung. „2030 wird in Luxemburg jeder dritte Bürger über sechzig Jahre alt sein“, so Familienministerin Marie-Josée Jacobs.

Auch wenn heute noch viele Senioren durch Angehörige versorgt werden, kann man künftig auf dieses Unterstützungspotenzial nicht mehr ohne weiteres zurückgreifen: Das Fatale ist, dass es immer weniger jüngere Menschen geben wird, die zur Versorgung der Älteren zur Verfügung stehen. „In Deutschland gibt es Prognosen, die besagen, dass wir in Zukunft das Doppelte an Heimplätzen haben müssen als bisher“, so Ursula Kremer-Preiss vom „Kuratorium Deutsche Altershilfe“. „Aber es ist auch eine soziale Frage, ob wir in diese Richtung gehen wollen.“

Kremer-Preiss war denn auch die Hauptreferentin, die diese Woche bei dem vom Familienministerium organisierten Symposium „Neue Wohnformen für Senioren“ Bedarfskonzepte vorstellte. Dass es akuten Handlungsbedarf gibt, weiß auch der Ettelbrücker Bürgermeister Jean-Paul Schaaf. „Der Druck ist da, Wohnungen im Stadtkern zu schaffen“, so Schaaf. „Das Problem in Luxemburg sind die hohen Wohnpreise.“ Wohnungen und Bauland fungieren als Spekulationsobjekte von Immobiliengesellschaften, die natürlich eher an eine berufstätige, zahlungskräftige Klientel vermitteln wollen. Wegen der hohen Preise und dem Platzmangel im Stadtzentrum werden Altenheime oft an die Stadtränder ausgelagert, was eine „Gettoisierung“ befördert und die Selbstständigkeit der alten Menschen einschränkt, da Besorgungen nicht mehr zu Fuß erledigt werden können. „Man muss Segregationstendenzen vermeiden, damit keine Bezirke für Arme, Reiche, Alte oder Junge entstehen“, so Daniel Miltgen, Präsident des Direktionskomitees des Fonds du logement. Auch Nachbarschaftshilfe wird durch Segregation unterbunden.

Somit ist nicht nur eine behindertengerechte Wohnung als solche wichtig, sondern auch das Wohnungsumfeld. „Wichtig ist, dass Lebensmittelgeschäfte und Infrastrukturen in den Dörfern und Kleinstädten erhalten bleiben“, so Suzette Zimmer-Maroldt, Präsidentin der Foyers Seniors. Gerade auf dem lokalen Plan, auf der Ebene der Gemeinde konkretisiert sich Seniorenpolitik und Lebensqualität für ältere Menschen.

Dagegen besitzt Luxemburg oft nur große Strukturen in Ballungsräumen. Es fehlt an kleineren Einheiten, an alternativen Wohnkonzepten, an einer Vernetzung zwischen den Akteuren – den Pflegestellen und Dienstleistern, den Architekten und Urbanisten. „Das Wohnen im Alter muss umstrukturiert werden“, so Kremer-Preiss. Einerseits sollte das Wohnen in den eigenen vier Wänden gestärkt werden. Hier sind der Aufbau von Beratungsstellen sowie der Ausbau der ambulanten Betreuungsangebote als auch gezielte Förderung barrierefreier Bestands- und Neubauwohnungen wichtig. Andererseits steige der Bedarf an neuen Wohnkonzepten – deren es mittlerweile ein ganzes Spektrum gibt, wie etwa Mehrgenerationenwohnungen, Altenwohngemeinschaften, Pflegewohnen, Betreutes Wohnen oder Nachbarschaftsgemeinschaften. „Bei Pflegebedürftigen ist die Entwicklung und Verbreitung selbstbestimmter Wohnformen zentral“, so Kremer-Preiss. Etwa, indem Hausgemeinschaften in stationären Einrichtungen oder ambulant betreute Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige geschaffen werden.


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