JUGEND: Mehr politische Bildung

SchülerInnen sind besorgt wegen ihrer Zukunft, engagieren sich aber kaum in in der Gesellschaft. Das ist auch der Schule und ihrer Vernachlässigung der politischen Bildung anzulasten, kritisiert eine Uni-Studie.

Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir – so könnte man auch das Ergebnis einer Untersuchung des Bildungsstands luxemburgischer SekundarschülerInnen zum Thema nachhaltige Entwicklung interpretieren, die in dieser Woche an der Universität vorgestellt wurde.

Die 2008 unter Leitung von Théid Faber und Thomas Boll von der Universität Luxemburg durchgeführte Umfrage bei 827 SchülerInnen der Abschlussklassen klassischer und technischer Lyzeen war ein Teil des Forschungsprojektes „L’éducation au développement soutenable à l’école luxembourgeoise“. Dieses verdankte sein Zustandekommen der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, die auch Luxemburg verpflichtet, einen entsprechenden Aktionsplan zu erstellen. Bei diesem Konzept geht es darum, BürgerInnen zu aktiver Teilnahme an einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung zu befähigen. Es geht also in erster Linie um die Vermittlung von Gestaltungskompetenzen in der Frage „Wie möchten wir morgen leben?“

Das auffallendste Ergebnis der Untersuchung ist, dass viele SekundarschülerInnen politische Handlungsmacht nicht mehr in der Politik, sondern überwiegend im Privaten für vorhanden ansehen: Während 90 Prozent der SchülerInnen ihr Handeln in der Privatspäre (Energiesparen, Kauf von Fair-Trade-Produkten, sanfte Mobilitätsformen) als mittelmässig bis sehr wirksam einschätzten, gaben nur annähernd 60 Prozent dies für ihre Handlungsmöglichkeiten in der öffentlich-politischen Sphäre (Unterschriftenaktion und Demonstration) an. Verhängnisvoll ist, dass von vielen anscheinend nicht mehr erkannt wird, dass sie damit den politischen Entscheidungsträgern einen Blankoschein ausstellen. So sehen – laut Studie – auch nur 39,2 Prozent der Befragten es als wichtig oder erfolgversprechend an, Politikern ihre Meinung darüber zu sagen, was sie für Jugendliche tun könnten.

SchülerInnen antworten sehr resigniert, wenn es um die Frage nach ihren Einwirkungsmöglichkeiten auf den Klimawandel geht. Sie scheinen auch nicht zu glauben, dass gesellschaftliche Verhältnisse wandelbar sind – was auch von ihrer Konsumhaltung zeugt: 37,2 Prozent der Befragten hoffen, dass Wissenschaft und Technik die Klimaerwärmung aufhalten werden – dass jedoch die Menschen in den reichen Ländern zur Bekämpfung der Klimaerwärmung auch ihren Lebensstil ändern, halten nur 28,5 Prozent für wahrscheinlich.

Insgesamt zeigt die Studie, dass Luxemburgs SekundarschülerInnen sich vor allem wegen ökologischer Probleme wie dem Klimawandel große Sorgen um ihre Zukunft machen, aber nur über begrenzte und einseitige Kenntnise zu der Problematik verfügen. Auch gaben die SchülerInnen in der Umfrage an, von ihrer Schule nie gelernt zu haben, wie man Entscheidungen in der Gesellschaft beeinflussen kann. Viele wünschten sich vermehrte Exkursionen in Betriebe und soziale Einrichtungen, Diskussionen mit Verantwortlichen sozialer und politischer Institutionen. Deshalb, so das Fazit der Autoren, wäre es wichtig, die vorliegende Bestandsaufnahme als Grundlage für die Verbesserung der schulischen Bildungsangebote zu nutzen.

Politisch aktiv werden können Jugendliche des Einzugsgebietes der Stadt Luxemburg schon dieses Wochenende: Am Samstag, den 20. November ab 12.30 lädt der „Service de la Jeunesse“ der Stadt Luxemburg Jugendliche in das Centre Culturel „Am Duerf“ nach Weimerskirch ein. Grund ist das „Forum des jeunes“, eine Plattform, wo Jugendliche Kritik und Wünsche ausdrücken und bei der Umsetzung von konkreten Projekten mitwirken können.


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