MALEREI: Ironie der (rezenten) Geschichte

Tom Sanfords Hauptmotiv ist der Mensch, sei es als Porträt oder im Gruppenbild. Allerdings geht es ihm nicht um eine realistische Umsetzung, sondern vielmehr um eine bestimmte Aussage, die er mit seinen Bildern transportieren will. Demzufolge ist es auch kein Wunder, dass in seiner Arbeit die Historienmalerei die wichtigste künstlerische Gattung darstellt. Ähnlich wie dort fokussiert auch Sanford in seinen Gemälden bestimmte gesellschaftliche und politische Entwicklungen und schafft so ironische, aber nur selten zynische Karikaturen, die er aus Versatzstücken, meist Szenen oder Figuren aus Hollywood-Filmen, zusammensetzt.

Dabei scheinen für den in New York lebenden Künstler die Entwicklungen der letzten Jahre in den Vereinigten Staaten ein gefundenes Fressen zu sein. Speziell George W. Bush ist ein beliebtes und immer wiederkehrendes Motiv in Sanfords Gemälden. Der letzte US-Präsident hat es seinen Kritikern schließlich auch recht einfach gemacht. Als Nachfolger für Sanfords Häme scheint sich die Tea-Party-Bewegung bereits etabliert zu haben. Dies zeigt sich auch in der aktuellen Ausstellung „Clash“- seiner ersten in Luxemburg – in der Galerie Nordine Zidoun, die in Zusammenarbeit mit der Brüsseler Galeristin Erna Hecey einige von Sanfords Arbeiten präsentiert.

Neben den Prominenten, die man als hiesiger Betrachter oft schon deswegen nicht erkennt, weil sie in Europa kaum bekannt sind, versammelt Sanford hier auch klischeehaft den von dieser Bewegung angezogenen und sich selbst karikierenden White Trash, auf dem die Politiker wie auf einer Welle reiten. Protestierend gegen alle potentiellen Einschränkungen ihrer „Freiheiten“ feiern sie ihre historischen, teeversenkenden Vorbilder aus Boston und demonstrieren gegen den aktuellen Präsidenten und die von ihm angestrengten Reformen. Mittendrin Gevatter Tod als Bestattungsunternehmer mit Stetson.

Auch für sein Diptychon „Black Friday“ brauchte Sanford kaum zu übertreiben, denn die Realität bietet schon Schauspiel genug. Der schwarze Freitag wird in den USA als der Tag nach Thanksgiving bezeichnet. Dort markiert dieser Brückentag den Beginn der Weihnachtseinkäufe, zu denen sich die Menschen schon nachts vor den Geschäften tummeln, um bei der Öffnung an vorderster Front die heiß begehrten Schnäppchen, treffend „Doorbuster“ genannt, zu ergattern. Und so wird auch bei Sanford ein Supermarkt gestürmt, die Verkäufer umgerannt, die Nachbarn zur Seite gestoßen.

Nicht nur wegen seiner Motive und seines beißenden Spotts, sondern gerade wegen der Art der Darstellung und Überzeichnung lassen Sanfords Historiengemälde Erinnerungen wach werden an die guten Zeiten und Seiten des Mad-Magazins. Im Grunde auch seine verfremdeten Mao-Porträts. Mit ihnen spielt er wie der parteipolitische Gegner mit dem Wahlplakat der Anderen – nur etwas weniger infantil. Es sind zwangsläufig nur wenige Werke, die in der kleinen Galerie ausgestellt sind, aber schon der Detailreichtum in Sanfords Bildern kann den lohnenden Besuch extrem verlängern.

In der Galerie Zidoun, bis zum 7. Januar.


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