FOTOGRAFIE: Hofleben in Farbe

In den Bildern von Yvon Lambert zur Landwirtschaft in Luxemburg, scheint die Zeit still zu stehen. Es sind Schnappschüsse einer verschwindenden Zunft.

Unebene Kuhrücken, braun, ocker, rot und schwarz in einer dunklen Stallbox, das Sonnenlicht, das die Schatten der Stallumzäunung, über die Tierrücken wölbt. Bildwechsel: Ein junges Mädchen im Sommerrock mit verschwitzten Haaren und runden nackten Schultern, das gerade die Stalltür zur Pferdebox schließt.

In der neuen Fotoausstellung des Centre national de l’audiovisuel (CNA) mit dem Titel „Terres fermes“ steht die Landwirtschaft in Luxemburg erneut im Mittelpunkt. Ausgangspunkt für die rund 70 ausgestellten Bilder von Yvon Lambert war eine Fotografiebestellung für das eigene Archiv, die das CNA 2009 an insgesamt vier Fotografen – darunter weiter Julien Becker, Samuel Bollendorff, Pierre Filliquet – erteilte, parallell zu dem vom CNA herausgebrachten Dokumentarfilm „De Baureblues“.

Die Arbeit von Yvon Lambert ist keine objektive oder dokumentarische Darstellung der Landwirtschaft. Dem Fotografen, der in der Vergangenheit eher zum Thema Grenzen in Europa gearbeit hat und eigentlich mehr mit Stadtansichten vertraut ist, gelingt es auch in „terres fermes“ mit Momentaufnahmen eine komplexe Geschichte zu erzählen und seine ganz subjektive Sichtweise hineinzulegen. Es gehe darum sich als Fotograf fallen zu lassen, „à faire sentir les petites choses de la vie. (…) Même si depuis l’agriculture a fortement évolué, pour un citadin comme moi, il reste néanmoins des choses essentielles que l’on ressent dans ce milieu rural : un authentique contact avec la nature et le sentiment d’en faire partie“ so Lambert.

Zwischen Oktober 2009 und Dezember 2010 ist er durch den ländlichen Raum gezogen. Seine Fotos zeigen auch die verschiedenen Jahreszeiten, Topografien und Begegnungen. Um sozusagen unsichtbar zu werden, musste der Fotograf erst einmal das Vertrauen der Landwirte gewinnen, um sie bei der Arbeit und ihrem Alltag zu begleiten zu dürfen. Zudem wagte Lambert etwas für ihn ganz Neues: Er fotografierte in Farbe – statt in klassischem Schwarz-Weiß. Es sei eine neue Erfahrung gewesen, die Farbe als Kompositionselement mitzudenken, so der Fotograf bei der Eröffnung der Ausstellung. Das Ergebnis ist auf jeden Fall überzeugend.

Seine Aufnahmen sind insgesamt sehr poetische, zuweilen melancholische Bilder einer sich mitten im Umbruch befindenden Landwirtschaft. Es ist nicht die industrialisierte, machinisierte Agrikultur, die Lambert interessiert, sondern jene die am Verschwinden ist, in der die Arbeit noch vom Bauern gemacht wird und der Kontakt zwischen Mensch und Tier noch eine Rolle spielt. Ob nun ein alter Bauer hinter seinen zwei prächtigen Truthähnen steht oder eine Frau ihre Beine neben dem Ofen ausstreckt, wo auch eine Katze ihre Jungen säugt – das Leben spielt sich noch auf dem Hof und in der Familie ab.

Lambert gelingt es in seinen Momentaufnahmen in die Atmosphäre der ihn umgebenden Umwelt einzutauchen und die Kleinigkeiten, die von der Arbeit und dem Leben auf dem Hof zeugen, hervorzuheben: Ob es sich nun um landschaftliche Strukturen wie Umzäunungen oder Reifen und Plastikplanen, die den gehächselten Mais abgedeckt haben und nun herumliegen oder verlassene, von der Zeit verbogene Scheunen handelt. Insgesamt eine sehenswerte Ausstellung.

Im Centre national de l’Audiovisuel noch bis zum 6. Mai.


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