ERINNERUNGSKULTUR: Steine gegen das Vergessen

Mit seinen „Stolpersteinen“ will Gunter Demnig ein Signal setzen und die Erinnerung an die Verfolgung und Vernichtung von Juden und anderen Minderheiten in Europa während des Nationalsozialismus wach halten. Über die bronzenen Plaketten stolpert man. Wer die Angaben über die deportierte Person lesen will, verbeugt sich vor dem Stein. Nun sollen bald auch in Esch Stolpersteine verlegt werden. Die woxx sprach mit dem Direktor des Resistenzmuseums, Frank Schröder.

woxx: Wie sind Sie auf das „Stolpersteine-Projekt“ von Gunter Demnig aufmerksam geworden?

Frank Schröder: Ich denke, die meisten Leute haben irgendwo schon mal Stolpersteine im Ausland gesehen. Es gibt ja viele. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Demnig rund 40.000 verlegt. Mir sind Stolpersteine schon länger bekannt gewesen.

Wann hatten Sie die Idee, Stolpersteine auch in Esch verlegen zu lassen?

Vor etwa einem Jahr. Aber die Stolpersteine sind eine Idee der Freunde des Resistenzmuseums. Die Initiative ging also nicht direkt vom Museum aus, und die Aktion wird auch nicht über das Museum laufen. Sie ist eine Initiative des Vereins.

Wer hat die Initiative in den Escher Gemeinderat getragen?

Der Verein. Ich bin ja auch Mitglied im Freundeskreis, also auch im Vorstand, und weil die nächste Ausstellung das Schicksal der Juden in Luxemburg von 1940-1945 zum Thema hat, versuchen wir, die Aktivitäten des Freundeskreises mit ihr zu verbinden ? also zu schauen, was im Museum gemacht wird, und dann Aktionen zu wählen, die dazu passen. Es geht uns darum, konkrete Projekte durchzuführen, die auch einen Bezug zu den Ausstellungen haben. Es war somit klar: Wenn der Freundeskreis das Projekt macht, geschieht das im Rahmen der neuen Ausstellung, die im Resistenzmuseum ab Anfang Juni läuft.

Werden die Kosten für die Stolpersteine von der Stadt Esch getragen?

Nein, die Kosten trägt der Verein.

Gibt es denn konkrete Angaben, wer, wann, aus welchem Haus in Esch deportiert wurde, oder muss das noch recherchiert werden?

Das muss teilweise noch recherchiert werden, aber die Einzelheiten sind hierbei noch nicht klar, weil wir uns jetzt erst mit der Jüdischen Gemeinschaft in Esch treffen werden. Und auch erst dann kann eine Auswahl getroffen werden. Man kann ja in einer ersten Phase nicht für jeden, der deportiert wurde, einen Stolperstein verlegen lassen. Die Ausstellung im Museum hat es uns natürlich erleichtert, zu erklären, dass wir zunächst nur Stolpersteine für deportierte jüdische Mitbürger legen lassen werden. Obwohl sie ja für alle vom NS-Regime Verfolgten gedacht sind.

Möchten Sie damit ein Signal setzen?

Ja. Das ist klar. Das ist die Aufgabe des Museums. Aber auch in den Statuten des Freundeskreises steht, dass es bei seinen Aktivitäten zum einen um die Unterstützung des Museums geht, zum anderen aber auch darum, gegen das Vergessen anzugehen, also um Erinnerungsarbeit. Die kann aber über das Museum hinausgehen.

Wann wird der erste Stein in Esch verlegt werden?

Das ist jetzt noch nicht klar. Wir warten auf ein Datum. Gunter Demnig hat ein relativ volles Programm. Die Idee war, die Steine begleitend zur Ausstellung zu verlegen, die bis Ende November läuft. Nach ersten Gesprächen sieht es so aus, als werde es Oktober werden.

Informationen zum Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunter Demnig über:
http//: www.stolpersteine.com


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