NIEDERLÄNDISCHE MALEREI: Eine königliche Passion zur Kunst

Die einst größte Kunstsammlung der Niederlande wurde nach dem Tod Wilhelms II. 1849 aufgelöst und in alle Winde verstreut. Die Schau „Königliche Sammellust“ in der Villa Vauban führt einige dieser Kunstwerke wieder zusammen.

Die Flora von Melzi gehörte zu den prominentesten Werken der Sammlung Wilhelms II. (© Nationalmuseum Eremitage, Sankt Petersburg)

Briefmarken, Bierdeckel, Geldscheine. Die Lust, Dinge zu sichten und sie bei sich zuhause zu horten ist ein weitverbreitetes gesellschaftliches Phänomen. Das Sammeln wertvoller Kunstgegenstände jedoch ist meist denen vorbehalten, welche die nötige Zahlkraft besitzen wie beispielsweise dem Adel. Unter ihnen König Wilhelm II., ab 1840 König der Niederlande und in Personalunion auch Großherzog von Luxemburg, seinerzeit bereits bekannt für seine Leidenschaft, sich Kunstgegenstände anzueignen. Das Ergebnis seiner „königliche[n] Sammellust“, darunter flämische und niederländische Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts, italienische Renaissance- und Barockmalerei, spanischer Barock sowie romantische Gemälde des 19. Jahrhunderts wird seit dem 12. Juli in der Villa Vauban gezeigt. Es ist eine außergewöhnlich große Ausstellung, für die beide Gebäudeteile geöffnet wurden. Vor Luxemburg war sie bereits in Sankt Petersburg und den Niederlanden zu sehen. Die Ausstellungsformate der Villa Vauban sind meist Sammlungen – die Wilhelms II. wurde nach seinem Tod in zwei Auktionen versteigert. Ihr Schicksal war es, dass die Werke daraufhin auf unzählige Museen in aller Welt verteilt wurden. Insgesamt zählten 400 Zeichnungen, 380 Gemälde aber auch Kunsthandwerk, teure Möbel und Schmuck zu den Sammlungsstücken des Monarchen und seiner Frau Anna Pawlowna.

Bei der Präsentation der Gemäldesammlung sei man chronologisch vorgegangen, bemerkt Kuratorin Dr. Gabriele Grawe. Der Neubau ist so der Kunstsammlung gewidmet, im Altbau befindet sich hingegen der geschichtliche Teil. Hier wird auch der Bezug zu Luxemburg hergestellt.

Die Ehe von Wilhelm II. und Anna Pawlowna war arrangiert. Durch die Heirat mit der jüngsten Tochter des Zaren Paul I. bekam das Haus Oranien eine Verbindung zur russischen Dynastie der Romanows. Gemeinsam war dem heute fast in Vergessenheit geratenen Paar die Leidenschaft zur Kunst. Obwohl Wilhelm II. angeblich bisexuell war, verehrte Anna ihren Gatten, angeblich wegen seiner militärischen Erfolge. Er selbst sah sich als Held von Waterloo und hat dieses Image auch gerne nach außen präsentiert.

Neben religiösen Motiven hatte Wilhelm II. Spaß daran, Porträts zu sammeln. Auch mythologische und biblische Themen gehörten zu seinen Favoriten. Seine erste große Liebe waren jedoch die Bilder der „Flämischen Primitiven“. Diese waren damals auf dem Kunstmarkt weniger kostbar als heute. Nach seiner Krönung 1840 begann er damit, die Gemälde der großen Meister aus Italien, Spanien und Frankreich zu sammeln und auszustellen. Das Bild „Jungfrau mit Kind“ von Van Orley war sehr typisch für seine Vorlieben. Die Originalfassung mit entblößter Brust der Jungfrau, heute kein ungewöhnliches Sujet mehr, bekam Wilhelm II. nie zu sehen. Im prüden 19. Jahrhundert, wurde die Brust schlicht übermalt.

Eine der Hauptattraktionen der Sammlung in der Villa Vauban ist das „Dreikönigsfest“, mit dem Motiv einer ausschweifenden Festtafel von Jan Steen, das von Jean-Pierre Pescatore bei der Versteigerung der königlichen Sammlung erworben wurde. Das Thema findet sich in der flämisch-niederländischen Malerei häufig – so etwa schon bei Breughel. Mit Weinkrügen am Tisch, Musik und den am Boden verstreuten Eierschalen steckt es voller Hinweise auf sinnliche Freuden. Genreszenen, wie das Gemälde von Jan Steen, befinden sich allerdings kaum in der Sammlung von Wilhelm II. Man geht davon aus, dass er es sich aus Gründen der Vervollständigung und des Lokalpatriotismus gekauft hat.

Ein anderes Highlight ist die „Flora“ von Francesco Melzi, der ein Schüler Leonardo Da Vincis war. Wilhelm II. hat es sich als ein Da Vinci-Gemälde gekauft. Im 19. Jahrhundert gab es noch keine kunstgeschichtliche Forschung und man musste deswegen Zuschreibungen vornehmen. Das Lächeln der Flora ist ebenso mystisch wie das der Mona Lisa.

Kurz nach dem Tod Wilhelms II. im Jahr 1849 wurde seine Sammlung versteigert. Er hinterließ hohe Schulden bei seinem Schwager und seine Familie wollte diese so schnell wie möglich begleichen. Wilhelm II. hatte immer über seine Verhältnisse gelebt und nie auf seine Finanzen geschaut. Mit seinem Tod ist auch eine außergewöhnliche Sammlung verloren gegangen, die nun – in Teilen – in der Villa Vauban zu sehen ist.

Bis zum 12. Oktober in der Villa Vauban.


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