MUSIK: Label sucht Bands mit Zukunft

Es heißt, in Luxemburg gäbe es keine Plattenlabels: Doch, es gibt sie. „Own Records“ ist seit 2000 aktiv und verpflichtet mittlerweile auch ausländische Bands.

Der Selber-Macher: Mit Freunden gründete Simon Ramos
das Label Own Records.

woxx: Die letzte Veröffentlichung „The Curse of the Longest Day“ von „31 Knots“ ist bereits die 29. Platte Ihres Labels. Wie hat sich Own Records entwickelt?

Simon Ramos: Ich habe Own Records im Jahre 2000 mit Freunden gegründet. Zunächst veröffentlichten wir hauptsächlich Platten von Bekannten und von den Bands, in denen wir selbst aktiv waren. Die Songs wurden alle in unseren Proberäumen aufgenommen, eigenständig gemixt und gemastered, dann auf CDR gebrannt und zum Verkauf angeboten. Die anschließenden Alben von „Chief Mart’s“ und „Tiger Fernandez“ waren unsere ersten gepressten Produktionen. „Paso Doble“ und „Sugrcane“ haben ihre Aufnahmen ebenfalls bei uns veröffentlicht. Zwischen 2000 und 2002 fungierten wir zudem als Konzertveranstalter.

Auf nationaler Ebene ist Own Records derzeit nicht sehr aktiv. Warum nicht?

Ramos: Die Bands aus Luxemburg, die wir von Anfang an begleitet haben, gibt es heute nicht mehr. Falls wir wieder eine luxemburgische Musikgruppe entdecken, die uns alle anspricht und die auch touren will, um das Publikum auch auf ihre Platte aufmerksam zu machen – dann können wir uns ohne Bedenken vorstellen, sie auf unserem Label aufzunehmen.

Im Gegenzug vertreiben Sie nun in erster Linie ausländische Gruppen. Wie sind die Kontakte entstanden?

Ramos: Mit der US-amerikanischen Band „31 Knots“ haben wir längere Zeit verhandelt, ihre Platte in Europa vertreiben zu dürfen. Die erste internationale Gruppe, deren Scheibe wir veröffentlicht haben, war „Gregor Samsa“. Die Band war schon auf einer kompletten Europa-Tournee und hat auch zahlreiche Konzerte in Luxemburg gespielt, und das, obwohl ihre Musiker erst rund 19 Jahre alt waren. Dies war sicherlich auch einer der Hauptgründe, weshalb wir beschlossen, ihre Arbeit zu unterstützen: „Gregor Samsa“ sind eine junge, engagierte Band mit Zukunft.

Wie gestaltet sich die Vertreibung einer Platte konkret?

Ramos: „31 Knots“ wurde in die Kartei der deutschen Promotion Agentur Triton aufgenommen und wird deshalb auch in deutschen Plattenläden verkauft. Das Label „Bang“ vertreibt das Album ebenfalls in den Benelux-Länder. In den Vereinigten Staaten wird „The Curse of the Longest Day“ leider nicht veröffentlicht. Der Verkauf lohnt sich dort nicht, denn es handelt sich um eine EP mit nur vier Titeln und die Spielzeit ist zu gering.

Wie groß ist das finanzielle Risiko von Own Records?

Ramos: Wir haben die Produktion der Platte von „31 Knots“ selbst finanziert. Das war eine Auflage von 1.000 Stück. Wir sind zuversichtlich, dass wir durch den
Verkauf unsere Ausgaben decken können. Alles, was nach Erstattung unserer Kosten übrig bleibt, geht an die Band.

Trotz Ihres Standbeins im Ausland – mischen Sie sich noch aktiv in die luxemburgische Musikszene ein?

Ramos: Einzelne Mitglieder des Own-Records-Kollektivs haben sehr viel Kraft und Energie in die „Luxembourg Undergroud Music Association“ (LUMA) gesteckt. Das Ziel dieser Vereinigung war es, eine Plattform für kulturelle Organisationen aus dem In- und Ausland zu schaffen, um gegen fehlende strukturelle Möglichkeiten und fehlende finanzielle Mitteln hier zu Lande vorzugehen und neue Lösungen zu finden. Der Mangel schadet der Entwicklung der hiesigen Musiklandschaft sehr. Aus diesem Grund schlossen sich sieben Organisationen zusammen, die ihre Interessen gemeinsam vertreten wollten. Das Luma-Konzept war sicherlich auch ein bedeutender Schritt, um die Luxemburger Musikszene zu stärken und zu fördern. Leider stellte Luma nur ein einziges Festival auf die Beine. Wenig später war, wegen interner Unstimmigkeiten, auch schon wieder Schluss.

Wie will sich Ihr Label in Zukunft weiterentwickeln?

Ramos: Wir sind nach wie vor daran interessiert, Kontakte mit in- und ausländischen Bands zu knüpfen. Sowohl „Gregor Samsa“ als auch „31 Knots“ möchten bald komplette Alben aufnehmen. Wir hoffen sehr, dass wir die Möglichkeit bekommen, diese Platten auch auf Own Records zu veröffentlichen.

Letzte – persönliche – Frage: Machen Sie eigentlich selbst noch Musik?

Ramos: Ich spiele zur Zeit bei der Emo-Rock-Band „Là Fä Connected“, die am 14. Dezember das Vorprogramm zu „31 Knots“ in der Brasserie 911 in Belval bestreiten wird.

„The Curse of the Longest Day“ lautet der Titel der EP von „31 Knots“, einer Indie-Rock Band aus Portland, USA. In einer Zeit, in der selbst Bands mit halbgaren Ideen Erfolg haben können, fallen die fingerfertigen Kompositionen von „31 Knots“ angenehm auf. Eine intelligente Mischung aus Prog- und Postrock, irgendwo zwischen „The Mars Volta“ und „Faraquet“. Ab dem 1. November ist „The Curse of the Longest Day“ in den Plattenläden zum Preis von 7 Euro erhältlich oder direkt bei www.ownrecords.com


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