Rechenzentrum in Bissen: Genossenschaft statt Google

von | 03.04.2026

Das geplante „Data Center“ in Bissen sorgt erneut für Diskussionen. Höchste Zeit, das Projekt abzublasen und an Alternativen zu denken.

Ein Foto des Rechenzentrums Lux-Connect in Bissen. Es handelt sich um einen großen grauen Kasten auf einer grünen Wiese.

In Bissen steht bereits das Rechenzentrum von „Lux-Connect“. (Foto: CC BY-SA 4.0 Andrepaul, via Wikimedia Commons)

Die Umweltschutzorganisation „Mouvement écologique“ legt Einspruch gegen das geplante Rechenzentrum von „Google“ ein. Die Firma sei nicht bereit, die bestmögliche Technik einzusetzen, das Projekt verbrauche zu viel Wasser und zu viel Strom, so der Méco in seiner Pressemitteilung zum Thema. Für luxemburgische Maßstäbe handelt es sich wahrlich um ein Mammutprojekt: Bei Spitzenauslastung würde das Rechenzentrum etwa 15 Prozent des gesamten jetzigen Strom- und Wasserverbrauchs schlucken, 12 Hektar würden versiegelt. Laut der Analyse des Mécos stiegen die CO2-Emissionen Luxemburgs um fünf bis sieben Prozent.

Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs, die Kritik der Umwelt-NGO geht noch weiter. In ihrem Einwand an der mangelnden Energieeffizienz sieht sie sich durch ein EU-Projekt bestätigt, das eine Art Energielabel für Rechenzentren vorsieht. Was mit der entstehenden Abwärme passieren soll, sei ebenfalls unklar. Der 30-seitige Einspruch wäre sicherlich noch länger, beriefe Google sich bei vielen Details nicht auf Betriebsgeheimnisse, sodass viele Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Klima nicht nachvollziehbar sind. Diese Intransparenz begann schon damit, dass das Projekt nicht etwa unter dem bekannten Namen „Google“ oder „Alphabet“ eingereicht wurde, sondern unter der kryptischen Projektbezeichnung „London Bridge“. Das legt die Frage nahe, ob der US-Konzern etwas zu verbergen hat.

Der Méco macht auch auf ein anderes Problem aufmerksam: Google den roten Teppich auszurollen ist nicht gerade förderlich für die vielbeschworene digitale Souveränität Luxemburgs und Europas. Politiker*innen wiederholen zwar gerne, dass sie sich für diese einsetzen, bestellen dann aber trotzdem weiterhin die Produkte von „Microsoft“ und genehmigen gewaltige Rechenzentren von „Google“ und „Amazon“. Durch den US-amerikanischen „Cloud Act“ werfen sie dadurch unsere Daten der dortigen Regierung zum Fraß vor. Und wenn Donald Trump irgendwann mit dem falschen Fuß aufsteht und findet, die Europäer*innen hätten ihm nicht genug bei seinen diversen Kriegen geholfen und seinen Speichelleckern an den Spitzen der entsprechenden Tech-Konzerne befiehlt, das Kabel zu kappen, zieht Europa den Kürzeren.

Es reicht nicht, US-amerikanische Firmen durch europäische auszutauschen

So ist der Ansatz des Méco, sich zu überlegen, ob es nicht besser wäre, den für ein Rechenzentrum günstigen Standort in Bissen nicht für ein Luxemburger oder europäisches Projekt zu reservieren, statt ihn Google zu überlassen, durchaus nachvollziehbar. Doch es reicht auch nicht, US-amerikanische Firmen durch europäische auszutauschen. Die Welt braucht weniger Tech-Milliardär*innen, nicht noch mehr – egal, auf welchem Kontinent. Auch Google vertrat einst das Motto „Don’t be evil“. Heute ist der Konzern das Herz der Werbeindustrie, die mit unser aller Daten handelt und unsere Privatsphäre immer weiter schrumpfen lässt. Das WWW wird zunehmend unbenutzbar, weil die ehemalige Suchmaschine lieber energieaufwändig unter Zuhilfenahme einer angeblichen „künstlichen Intelligenz“ Texte zusammenfabuliert, statt ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen. Das brauchen wir nicht auch noch in Rot-Weiß-Blau.

Die bessere Idee wäre es, ein solches Rechenzentrum als Modell für eine andere Art des Wirtschaftens aufzubauen. Warum nicht ein genossenschaftliches Projekt aufziehen, dessen erster Fokus ein schonender Umgang mit den Ressourcen ist? Interessierte könnten für günstige Preise – man muss ja nicht die x-te Jacht eines Milliardärs finanzieren – ihre E-Mails, Daten und andere Projekte hosten lassen. Somit könnte der Ausstieg aus den „Clouds“ der US-Konzerne leichter vonstatten gehen. Nebenbei könnten natürlich auch Luxemburger Start-Ups von dem gemeinschaftlich verwalteten Rechenzentrum profitieren. Daneben könnten Gewächshäuser entstehen, in denen durch die Abwärme ganzjährig Obst und Gemüse angebaut werden könnte. Klingt das nicht besser als ein weiteres „Datacenter“ für einen der größten Konzerne der Welt?

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