Neuen Projektionen zufolge sollen bis 2070 eine Million Menschen im Großherzogtum leben. Das zeigt: Luxemburgs Bevölkerungswachstum verlangsamt sich. Grund ist weniger starkes Wirtschaftswachstum.

Je nach Szenario wächst die Bevölkerung unterschiedlich schnell. (Grafik: Statec)
Das nationale Statistikinstitut „Statec“ rechnet mit 940.000 bis 1.070.000 Einwohner*innen im Jahr 2070. Das ist das Fazit eines Berichts, der letzte Woche veröffentlicht wurde. In den 00er-Jahren erlebte Luxemburg ein rapides Bevölkerungswachstum. Dieses ist mittlerweile abgeflacht und soll ab 2040 bei unter einem Prozent pro Jahr bleiben. Die Million Einwohner*innen soll um das Jahr 2070 erreicht werden – je nachdem, wie stark das Wirtschaftswachstum ist, etwas früher oder etwas später. Deutlich später, als das Statec noch 2017 in einer ähnlichen Projektion errechnet hatte: Damals war man davon ausgegangen, dass die Million Einwohner*innen bereits 2060 erreicht würde.
Da die meisten neuen Einwoh- ner*innen durch Migration nach Luxemburg kommen, ist das Bevölkerungswachstum stark mit dem Wirtschaftswachstum verknüpft. Wie viele Menschen nach Luxemburg ziehen, hängt vor allem davon ab, wie gut die Wirtschaft dreht. Je mehr Arbeitsplätze mit hohen Löhnen in Luxemburg verfügbar sind, umso mehr Migrant*innen werden angezogen. Es gibt demnach einen engen Zusammenhang zwischen dem Wirtschaftswachstum und dem Bevölkerungswachstum. Das erklärt auch, dass die größte Gruppe der Migrant*innen zwischen 20 und 30 Jahren alt ist und am Anfang ihres Berufslebens steht. Es migrieren leicht mehr Männer (52 Prozent) als Frauen (48 Prozent) nach Luxemburg – das Statec, das keine Daten zu nicht-binären Menschen hat, geht davon aus, dass dieses Verhältnis auch in Zukunft so bleiben wird. Gäbe es keine Migration mehr, ginge die Bevölkerung, aber auch das Wirtschaftswachstum zurück. Die Luxemburger Wirtschaft sei „strukturell abhängig“ von der Migration, heißt es im Bericht.
Alle Szenarien, die das Statec errechnet hat, gehen davon aus, dass sich das Bevölkerungswachstum ab Mitte des Jahrhunderts exklusiv aus der Migration speist. Ab diesem Zeitpunkt würden mehr Menschen sterben als geboren würden. Die Fertilitätsrate ist seit den 1970er-Jahren rückläufig, stieg allerdings Ende der 1980er-Jahre bis 2000 wieder an. Danach sank sie kontinuierlich, in den letzten Jahren rapide. Das Statec führt dies auf die multiplen Krisen zurück, von der Weltwirtschaftskrise Ende der 00er-Jahre über die Covid-19-Pandemie bis hin zur aktuellen Weltlage. Allerdings geht das Statec davon aus, dass die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau im „gebärfähigen Alter“ auf die Welt bringt, bis 2070 wieder auf 1,5 steigen wird – aktuell sind es 1,25. Um ohne Migration eine Bevölkerung stabil zu halten, müsste der Wert bei 2,1 liegen.
Weniger Fruchtbarkeit, weniger Wachstum
Der Rückgang der Fertilitätsrate ist auch der Grund, weswegen sich die Berechnungen von 2017 und 2026 so unterscheiden. „Im Jahr 2017 lag die Projektion des konjunkturellen Fruchtbarkeitsindikators bei 1,7 Kinder pro Frau im Jahr 2060, während er in unseren neuen Projektionen auf 1,5 im Jahr 2070 geschätzt wird“, heißt es dazu aus dem Pressebüro der Statistikbehörde. Auch sei die aktuelle Bevölkerung niedriger, als man noch 2017 geschätzt hatte. Das zeigt klar die Grenzen solcher Projektionen, die Krisen wie Pandemien oder Kriege nicht abbilden können.
Was jedoch sicher ist: Die Bevölkerung wird älter werden. 2025 lag das Durchschnittsalter in Luxemburg bei 40,1 Jahren, 2070 liegt es ja nach Szenario zwischen 46,1 und 47,9 Jahren. In jenen Szenarien, die von einem hohen Wirtschaftswachstum und dementsprechend höherer Migration ausgehen, ist das Durchschnittsalter leicht niedriger. Der Anteil der 20- bis 64-Jährigen in der Bevölkerung wird von heute 64 Prozent auf 55 bis 53 Prozent sinken, entsprechend wird der Anteil jener Menschen, die über 65 Jahre alt sind, steigen.
Das Statec betont, dass es sich bei den Projektionen nicht um Vorhersagen handelt, sondern um „mögliche Entwicklungspfade“. Sie können dazu dienen, notwendige Investitionen in zukünftig benötigte Infrastruktur wie Wohnraum, Schulen und Krankenhäuser vorherzusehen.

