Die Klimakrise verändert nicht nur öffentliche Feiern, sondern bringt mit jeder Hitzewelle auch neue Tote. Wann werden wir das als Gesellschaft endlich ernst nehmen?

Ein Ventilator hilft, die Hitze zu ertragen. Längerfristig müssen wir uns jedoch besser auf Hitzewellen vorbereiten. (Foto: George Chandrions/Unsplash)
Der jüngste Nationalfeiertag lief fast so ab wie immer. Die Hitzewelle erforderte einige Änderungen und Kürzungen am Programm – und einen stärkeren Einsatz von Rettungskräften. Auf einschneidendere Maßnahmen wie etwa in Frankreich, wo bei manchen „Fête de la musique“-Veranstaltungen kein Alkohol ausgeschenkt wurde, verzichtete das Großherzogtum. Ob das noch länger gut gehen wird, ist schwer vorauszusehen, doch bereits jetzt ist klar: Die Zeit für drastischere Maßnahmen im Alltag ist längst da.
Das zeigt auch das jüngste Beispiel eines Hitzetoten, der traurige Berühmtheit erlangte: Am 20. Juni starb ein 75-jähriger obdachloser Mann in der hauptstädtischen rue de Strasbourg. Laut Bericht des „Tageblatt“ wurde die Polizei zwar gerufen, zog jedoch unverrichteter Dinge wieder ab – als sie wenige Stunden später wieder gerufen wurde, konnte sie nur noch den Tod des Mannes feststellen. Die Zivilgesellschaft ist entsetzt und fordert die Politik zum Handeln auf. So appellierten zum Beispiel „Solidaritéit mat den Heescherten“ und „Médecins du Monde“ an die Politik, endlich strukturelle Maßnahmen zu setzen, um im Falle von Hitzewellen adäquaten Schutz für die gesamte Bevölkerung bieten zu können.
Ohne zu dem Fall Stellung zu beziehen, kündigte Familienminister Max Hahn (DP) auf „Facebook“ an, dass die Öffnungszeiten bestehender Anlaufstellen wie Notwohnstrukturen oder Sozialrestaurants verlängert würden und die Tages-Notstruktur in Findel geöffnet werden. Das ist allerdings nur ein Tropfen auf den viel zu heißen Stein und kommt viel zu spät. Es ist unverständlich, warum nicht ab einer gewissen Temperatur Schutzmaßnahmen für die gesamte Bevölkerung ergriffen werden.
Man darf sich schon freuen, wenn die Klimakrise als politische Aufgabe überhaupt in einer Rede auftaucht, sollte aber keinesfalls erwarten, dass dem auch Taten folgen.
Dazu könnten zum Beispiel gekühlte Innenräume beitragen, in denen sich alle kostenlos und ohne Konsumzwang aufhalten können. Die könnten in Gemeindeämtern, Bibliotheken, Sporthallen und ähnlichen öffentlichen Gebäuden eingerichtet werden. In mehreren europäischen Großstädten, als Beispiel seien nur Wien und Barcelona genannt, gibt es solche lebensrettende „Climate Shelters“ bereits. Auch „Déi Lénk“ forderten solche Maßnahmen und erinnerten daran, dass vor allem Menschen in Berufen mit körperlicher – oft schlecht bezahlter – Arbeit besonderen Schutz vor der Hitze bräuchten. Voriges Jahr veröffentlichte zudem die CSL ein Papier zum Thema Arbeit in der Klimakrise (woxx 1824, „Klimakrise: An der Anpassung arbeiten“) und zeigte, in wie vielen Situationen in Luxemburg konkrete Bestimmungen fehlen oder diese unzureichend sind, um Arbeiter*innen zu schützen.
Die Regierung plant jedoch nichts dergleichen, wie man im kürzlich veröffentlichten Klimanpassungsplan nachlesen kann. Dort wird bezüglich der Sicherheit am Arbeitsplatz lediglich vorgeschlagen, Firmen doch dazu anzustoßen, sich gegen die Klimakrise zu engagieren. Das, obwohl die gesundheitlichen Gefahren, die von Hitzewellen ausgehen, in dem Dokument in aller Deutlichkeit beschrieben werden (woxx 1888, „Anpassungsplan: Fit fürs Klima?“). Das ist exemplarisch für die Sonntagsredenpolitik der CSV-DP-Regierung: Man darf sich schon freuen, wenn die Klimakrise als politische Aufgabe überhaupt in einer Rede auftaucht, sollte aber keinesfalls erwarten, dass dem auch Taten folgen.
Weder Großherzog noch Chamberpräsident erwähnten am Nationalfeiertag die Klimakrise in ihren Reden, die ironischerweise „Jugend“ als Oberthema hatten. Der Premierminister schaffte es immerhin, in seine Botschaft vom Vorabend die Floskel „ein Lebensmodell, das die Grenzen unseres Planeten respektiert“ einzubauen. Der gleiche Luc Frieden wohlgemerkt, der vor kurzem noch Rabatte auf fossile Brennstoffe beschloss, was die Klimakrise nur noch weiter befeuern wird.
Wir erleben gerade erst den Anfang der Klimakrise. Die künftigen Hitzewellen werden schlimmer, und wir sind überhaupt nicht vorbereitet. Die Haltung der Regierung und auch von manchen Lokalpolitiker*innen, wie etwa der hauptstädtischen Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP), die keinen Bedarf für mehr Grün in den Ortschaften sieht, ist unverständlich und schlicht verantwortungslos gegenüber zukünftigen Generationen und den schwächsten in unserer Gesellschaft.

