Der Mouvement erstellt der Regierung eine detaillierte Zensur. In manchen wichtigen FĂ€chern gibt es eine âDatzâ; ĂŒber die Promotion wird im Oktober entschieden.
Eine kritische Bilanz der Regierungspolitik hat der Mouvement Ă©cologique auf Basis des Mecoskop erstellt. Sie wurde in Form einer BroschĂŒre am Donnerstag vorgestellt und enthĂ€lt nicht nur Komplimente (woxx-Kurznachricht). Die 2014 ins Netz gesetzte Seite Mecoskop.lu fĂŒhrt Buch ĂŒber die Umsetzung von 114 im blau-rot-grĂŒnen Koalitionsabkommen enthaltenen MaĂnahmen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung. Die BroschĂŒre umfasst 20 Seiten; wir heben ein paar besonders interessante Bewertungen hervor.
Quantensprung bei der MobilitÀt
Das meiste Lob gibt es fĂŒr die Verkehrspolitik (S. 8): âDas Ministerium hat entscheidende Weichen im Bereich der Infrastrukturen und der Verbesserung des Modal Split gesetzt, die einen Quantensprung darstellen.â Der Mouvement freut sich besonders ĂŒber die Förderung der sanften MobilitĂ€t und den Bau der modernen Stadtbahn StraĂenbahn â âendlich, nach jahrelangen Diskussionenâ. Kritik gibt es allerdings fĂŒr die Luftfahrtpolitik: âHier wurde keine zufriedenstellende Strategie zur Reduktion der LĂ€rmbelastung erstellt, die Anzahl der NachtflĂŒge stieg weiter an u.a.m.â Zu den NachtflĂŒgen sei auf den Artikel in unserer aktuellen Printausgabe verwiesen: âMit GebĂŒhren gegen Dezibelâ.
Was allgemeine AnsĂ€tze zur nachhaltigen Entwicklung angeht, so bekommt die Regierung eine âRote Karteâ, weil sie den versprochenen âNachhaltigkeitscheckâ von Regierungsentscheidungen nicht umgesetzt hat (S. 5). Als âgravierendâ wertet der Mouvement auch, dass die Steuerreform von 2016 âde facto blind auf dem âNachhaltigkeitsaugeâ warâ. Die Vorarbeiten am Aktionsplan fĂŒr nachhaltige Entwicklung stuft die NGO als âwichtigâ ein, bedauert aber, dass dabei ânicht im erforderlichen AusmaĂ thematisiert [wird], dass Luxemburg bis dato seine Ziele im Bereich der nachhaltigen Entwicklung weiterhin auf flagrante Art und Weise verfehltâ.
Tanktourismus-Studie ohne Folgen?
Im Energiebereich stellt der Mouvement fest, dass vier Versprechen umgesetzt wurden, dreizehn weit fortgeschritten sind und nur vier unzureichend oder gar nicht angegangen wurden (S. 10). Doch nur, weil dieser oder jener Punkt umgesetzt wurde, heiĂt das nicht, dass der Mouvement zufrieden ist. Die Freude ĂŒber die Tanktourismus-Studie ist beispielsweise gedĂ€mpft, da sie âohne konkrete Auswirkungen zu bleiben scheintâ. Und ĂŒber das Lob fĂŒr die Förderung von Solar- und Windenergie hinaus mahnt die NGO: âNoch immer sind unsere CO2-Emissionen pro Einwohner viel zu hoch (…) und der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch ist viel zu niedrig.â
Wichtig ist dem Mouvement auch die Wohnungspolitik und die Landesplanung (S. 11). Hier merkt die NGO unter anderem an: âLetztlich keine ausreichende Ăbernahme einer stĂ€rkeren Verantwortung der öffentlichen Hand im Wohnungsbaubereich [und] keine wirklich verstĂ€rkte Mobilisierung von Baulandâ. Und bedauert, dass die EinwĂ€nde des Staatsrats beim Landesplanungsgesetz dazu gefĂŒhrt haben, dass wichtige Leitlinien eventuell nicht durchgesetzt werden können: âZum Beispiel die Förderung der zentralen Orte [und] die Vorschriften zur besseren Anbindung von neuem Wohnraum an den öffentlichen Transport.â
Lob fĂŒr grĂŒnes Superministerium
âBesonders problematischâ erscheint dem Mouvement die Bilanz in Sachen BĂŒrgerbeteiligung (S. 6): âDie strukturellen Reformen zur Förderung einer reellen partizipativen Demokratie erfolgten in dieser Legislaturperiode nicht.â Auch bei der Agrarpolitik stellt die NGO âgroĂe Defiziteâ fest; eine âTrendwende in Richtung nachhaltige zukunftsorientierte Landwirtschaftspolitikâ sei nicht in die Wege geleitet worden
(S. 12).
FĂŒr ihre Rolle als Bremser werden Landwirtschafts- und Innenministerium vom Mouvement ausdrĂŒcklich kritisiert. Die positive Rolle des grĂŒnen Superministerium fĂŒr nachhaltige Entwicklung wird dagegen mehrmals hervorgehoben, unter anderem beim Naturschutz, in der Umweltpolitik, bei der Wasserwirtschaft und beim Dialog mit der Zivilgesellschaft. FĂŒr letzteren wird auch der Bildungsminister lobend erwĂ€hnt.
Obwohl in der BroschĂŒre die punktuelle Kritik im Vordergrund steht, fĂ€llt das Urteil des Mouvement keineswegs negativ aus: âDiese Regierung muss sich, was die Umsetzung des Mecoskop betrifft, nicht verstecken.â Allerdings warnt die NGO davor, zu glauben, dass âdurch einzelne Kurskorrekturen am System bereits eine ausreichende Reform des Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells erfolgt seiâ. So ist, wie in der woxx-Kurznachricht erklĂ€rt, die vom Mouvement gezogene Bilanz durchwachsen. In diesem Sinne ist das letzte Drittel der BroschĂŒre den 27 zentralen Forderungen im Vorfeld der Wahlen gewidmet, eine Weiterentwicklung der neun âzentralen Anregungenâ, die die woxx bereits online vorgestellt hat (âDie grĂŒne Revolutionâ).


