Mecoskop der Regierungsarbeit: Nicht schlecht, aber 


von | 30.06.2018

Der Mouvement erstellt der Regierung eine detaillierte Zensur. In manchen wichtigen FĂ€chern gibt es eine „Datz“; ĂŒber die Promotion wird im Oktober entschieden.

(Carlo Schneider / Mouvement écologique)

Eine kritische Bilanz der Regierungspolitik hat der Mouvement Ă©cologique auf Basis des Mecoskop erstellt. Sie wurde in Form einer BroschĂŒre am Donnerstag vorgestellt und enthĂ€lt nicht nur Komplimente (woxx-Kurznachricht). Die 2014 ins Netz gesetzte Seite Mecoskop.lu fĂŒhrt Buch ĂŒber die Umsetzung von 114 im blau-rot-grĂŒnen Koalitionsabkommen enthaltenen Maßnahmen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung. Die BroschĂŒre umfasst 20 Seiten; wir heben ein paar besonders interessante Bewertungen hervor.

Quantensprung bei der MobilitÀt

Das meiste Lob gibt es fĂŒr die Verkehrspolitik (S. 8): „Das Ministerium hat entscheidende Weichen im Bereich der Infrastrukturen und der Verbesserung des Modal Split gesetzt, die einen Quantensprung darstellen.“ Der Mouvement freut sich besonders ĂŒber die Förderung der sanften MobilitĂ€t und den Bau der modernen Stadtbahn Straßenbahn – „endlich, nach jahrelangen Diskussionen“. Kritik gibt es allerdings fĂŒr die Luftfahrtpolitik: „Hier wurde keine zufriedenstellende Strategie zur Reduktion der LĂ€rmbelastung erstellt, die Anzahl der NachtflĂŒge stieg weiter an u.a.m.“ Zu den NachtflĂŒgen sei auf den Artikel in unserer aktuellen Printausgabe verwiesen: „Mit GebĂŒhren gegen Dezibel“.

Was allgemeine AnsĂ€tze zur nachhaltigen Entwicklung angeht, so bekommt die Regierung eine „Rote Karte“, weil sie den versprochenen „Nachhaltigkeitscheck“ von Regierungsentscheidungen nicht umgesetzt hat (S. 5). Als „gravierend“ wertet der Mouvement auch, dass die Steuerreform von 2016 „de facto blind auf dem ‚Nachhaltigkeitsauge‘ war“. Die Vorarbeiten am Aktionsplan fĂŒr nachhaltige Entwicklung stuft die NGO als „wichtig“ ein, bedauert aber, dass dabei „nicht im erforderlichen Ausmaß thematisiert [wird], dass Luxemburg bis dato seine Ziele im Bereich der nachhaltigen Entwicklung weiterhin auf flagrante Art und Weise verfehlt“.

Tanktourismus-Studie ohne Folgen?

Im Energiebereich stellt der Mouvement fest, dass vier Versprechen umgesetzt wurden, dreizehn weit fortgeschritten sind und nur vier unzureichend oder gar nicht angegangen wurden (S. 10). Doch nur, weil dieser oder jener Punkt umgesetzt wurde, heißt das nicht, dass der Mouvement zufrieden ist. Die Freude ĂŒber die Tanktourismus-Studie ist beispielsweise gedĂ€mpft, da sie „ohne konkrete Auswirkungen zu bleiben scheint“. Und ĂŒber das Lob fĂŒr die Förderung von Solar- und Windenergie hinaus mahnt die NGO: „Noch immer sind unsere CO2-Emissionen pro Einwohner viel zu hoch (…) und der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch ist viel zu niedrig.“

Wichtig ist dem Mouvement auch die Wohnungspolitik und die Landesplanung (S. 11). Hier merkt die NGO unter anderem an: „Letztlich keine ausreichende Übernahme einer stĂ€rkeren Verantwortung der öffentlichen Hand im Wohnungsbaubereich [und] keine wirklich verstĂ€rkte Mobilisierung von Bauland“. Und bedauert, dass die EinwĂ€nde des Staatsrats beim Landesplanungsgesetz dazu gefĂŒhrt haben, dass wichtige Leitlinien eventuell nicht durchgesetzt werden können: „Zum Beispiel die Förderung der zentralen Orte [und] die Vorschriften zur besseren Anbindung von neuem Wohnraum an den öffentlichen Transport.“

Lob fĂŒr grĂŒnes Superministerium

„Besonders problematisch“ erscheint dem Mouvement die Bilanz in Sachen BĂŒrgerbeteiligung (S. 6): „Die strukturellen Reformen zur Förderung einer reellen partizipativen Demokratie erfolgten in dieser Legislaturperiode nicht.“ Auch bei der Agrarpolitik stellt die NGO „große Defizite“ fest; eine „Trendwende in Richtung nachhaltige zukunftsorientierte Landwirtschaftspolitik“ sei nicht in die Wege geleitet worden
(S. 12).

FĂŒr ihre Rolle als Bremser werden Landwirtschafts- und Innenministerium vom Mouvement ausdrĂŒcklich kritisiert. Die positive Rolle des grĂŒnen Superministerium fĂŒr nachhaltige Entwicklung wird dagegen mehrmals hervorgehoben, unter anderem beim Naturschutz, in der Umweltpolitik, bei der Wasserwirtschaft und beim Dialog mit der Zivilgesellschaft. FĂŒr letzteren wird auch der Bildungsminister lobend erwĂ€hnt.

Obwohl in der BroschĂŒre die punktuelle Kritik im Vordergrund steht, fĂ€llt das Urteil des Mouvement keineswegs negativ aus: „Diese Regierung muss sich, was die Umsetzung des Mecoskop betrifft, nicht verstecken.“ Allerdings warnt die NGO davor, zu glauben, dass „durch einzelne Kurskorrekturen am System bereits eine ausreichende Reform des Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells erfolgt sei“. So ist, wie in der woxx-Kurznachricht erklĂ€rt, die vom Mouvement gezogene Bilanz durchwachsen. In diesem Sinne ist das letzte Drittel der BroschĂŒre den 27 zentralen Forderungen im Vorfeld der Wahlen gewidmet, eine Weiterentwicklung der neun „zentralen Anregungen“, die die woxx bereits online vorgestellt hat („Die grĂŒne Revolution“).

Mecoskop.lu

Dat kéint Iech och interesséieren

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #403 – WĂ©i steet et Ă«m dĂ©i mental Gesondheet zu LĂ«tzebuerg?

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en AblĂ©ck an hir journalistesch Aarbecht. DĂ«st Joer ass dĂ©i fĂ«nneft Editioun vun de Woche vun der mentaler Gesondheet. Do sti vill Themen un, engt vun deene wichtegst ass d'PrekaritĂ©it. Et gĂ«tt nĂ€mlech ee staarke Lien tĂ«scht Aarmut, PrekaritĂ©it a mentaler Gesondheet. D'Psycholog*innen HĂ©di Ben Malek...

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #402 – Den Tabu Ă«m d’Menopause briechen

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en AblĂ©ck an hir journalistesch Aarbecht. D'Menopause ass nach Ă«mmer een Tabuthema. Net nĂ«mmen, datt vill Fraen net gutt genuch Bescheed wĂ«ssen iwwert Symptomer, dacks huet och d'medezinescht Personal net vill WĂ«ssen. Grad bei der Period virun der Menopause, der Perimenopause, ginn et dacks net genuch...

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #401 – Wisou musse Leit zu LĂ«tzebuerg 34 MĂ©int op hir Famill waarden?

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en AblĂ©ck an hir journalistesch Aarbecht. 34 MĂ©int ass dĂ©i duerchschnĂ«ttlech ZĂ€it, dĂ©i et dauert, bis Leit mat engem Status vum FlĂŒchtling oder der internationaler Protektioun eng Decisioun krĂ©ien, ob de Regruppement familial geneemegt gĂ«tt. Dat ass dĂ©i eenzeg legal Method, fir datt Famillen erĂ«m...