Aufs grüne Pferd setzen

Sind nachhaltige Geldanlagen besonders profitabel? Greenpeace und Déi Gréng glauben das, der Fonds de compensation nicht. Dahinter steht die Frage, wie kompatibel Profitstreben und Klimaschutz sind.

(Pixabay; Tumisu)

Der Jahresbericht 2020 des Fonds de compensation (FDC) zeige deutlich, „dass es keinen Konflikt zwischen dem Mandat des FDC und nachhaltigem Investieren gibt – im Gegenteil“. Das schreibt die NGO Greenpeace in ihrer Analyse der Investitionspolitik des luxemburgischen öffentlichen Pensionsfonds und suggeriert, dass „grüne“ Geldanlagen nicht nur vorteilhaft für das Klima seien, sondern auch profitabel für die Anleger*innen. Auch der grüne Abgeordnete Charles Margue, der zum Thema FDC eine lange Question parlementaire stellte, griff den Punkt auf – ganz im Sinne des Win-win-win-Narrativs von Déi Gréng (Kontext der Frage: Willig, aber schwach).

Der Kampf gegen den Klimawandel sei gut für Umwelt, Menschen und Kapital, so der Diskurs, und keineswegs mit wirtschaftlichen Verlusten, schmerzhaften Entscheidungen und harten Verteilungskämpfen verbunden. Für die grünen Parteien ist das Narrativ notwendig, um Wahlen zu gewinnen, für Greenpeace steht es in der Tradition des – in der Vergangenheit mehr oder weniger erfolgreichen – Dialogs mit der Wirtschaft. Gerade deswegen hat die Antwort des Ministers für Sozialversicherung auf Margues Frage etwas Desillusionierendes.

FDC will marktkonforme Performance

Die Finanzwelt sei geteilter Meinung, wenn es darum gehe, die Performance von traditionellen und nachhaltigen Investitionen zu vergleichen, heißt es aus dem Ministerium, oder vermutlich direkt aus der FDC-Verwaltung. Außerdem gebe es keine klaren Regeln, nach denen zwischen nachhaltigen und anderen Geldanlagen unterschieden werden könne. Aus finanztechnischer Sicht wird vermutet, dass die gute Performance verschiedener nachhaltiger Investitionen auf die Covid-bedingte expansive Geldpolitik zurückzuführen sei. Nicht zuletzt verschafften auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Verbindung mit der Pandemie den nachhaltige Anlagen tendenziell einen Vorteil: Diese seien eher auf Sektoren wie Telekommunikation und Finanz ausgerichtet, die der Krise gut widerstanden haben, als auf solche wie die Industrie, die von einem wirtschaftlichen Abschwung betroffen waren.

Innerhalb des FDC lasse sich für die zehn nach den „Environmental, Social, and Corporate Governance“-Kriterien (ESG) verwalteten aktiven Subfonds nicht behaupten, die Performance sei generell besser als die Referenz-Portfolios. An anderer Stelle der Antwort wird auch erklärt, dass die sieben passiv auf Referenz-Portfolios ausgerichteten Subfonds per Definition keine ESG-Kriterien anwenden können. Und dass das Mandat des FDC – die Pensionsreserve auf vorsichtige Weise zu verwalten und dabei eine marktkonforme Rentabilität zu erreichen – einen hohen Grad der Diversifizierung verlangt. Was natürlich eine Absage an die Aufforderung von Greenpeace und Grünen ist, alles auf das Pferd „Nachhaltigkeit“ zu setzen.

Träumen Finanzmärkte von Win-win-win?

Mit anderen Worten: Wie im Beitrag Willig, aber schwach beschrieben, geht aus der Antwort auf die Question parlementaire hervor, dass der FDC – in Reaktion auf den zivilgesellschaftlichen Druck – sich durchaus aus den Kohleinvestitionen zurückziehen kann. Die für eine vorsichtige Anlagenpolitik erforderliche Diversifizierung lässt Raum für eine solche negativ definierten nachhaltigen Investitionsentscheidungen. Die Investitionsstrategie als ganzer aber nach positiven Kriterien auszurichten – also nur noch in „grüne“ Geldanlagen zu investieren, wird dagegen als ein unakzeptables Risiko angesehen.

Das zeigt: Die Finanzwelt glaubt nicht an Win-win-win. Nicht alle „grünen“ Unternehmen florieren und in dem Maße, wo die wirtschaftlichen Auswirkungen der Klimakrise spürbarer werden, wird es unternehmerisch und politisch immer schwieriger werden, hohe Profitraten zu erzielen. Die aber sind, bis auf weiteres, die Triebfeder des Finanzkapitalismus – und des Ressourcenverbrauchs sowie der Umweltzerstörung. Eine klare Absage an die Profitorientierung wirtschaftlicher Entscheidungen tut deshalb not.

Es geht um Kohle machen

Gewiss, ein im Dialog mit Wirtschaft und Gesellschaft erarbeiteter, reformistischer Ansatz ist die wohl realistischste Option, verglichen mit den innerhalb der radikalen Linken kursierenden Vorstellungen. Dort sind – verständlicher- aber fälschlichrweise – manche zur Schlussfolgerung gekommen, man müsse zuerst den Kapitalismus abschaffen und könne danach schnell noch das Klima retten. Andererseits zeugt das „grüne“ Narrativ, bei einer Transition würden alle nur gewinnen und es fehle nur an ein bisschen Einsicht, damit man weltweit zu klimaverträglichen Produktions- und Konsumsystemen übergehe, von einem sehr lückenhaften Verständnis des kapitalistischen Wirtschaftssystems.

Die Finanzmärkte passen sich dem Klimawandel an, indem sie nachhaltige Fonds kreieren, die vor allem Greenwashing sind, wie zum Beispiel eine Greenpeace-Studie belegt (online-woxx: Nachhaltige Fonds haben keinen nennenswerten Einfluss). Worum es aber immer noch geht, sind maximale Erträge auf relativ kurze Sicht. Damit aber befindet sich, das bestätigt die Antwort auf die Question parlementaire, die reale Finanzwirtschaft immer noch auf Kollisionskurs mit der klimatischen Realität.

 


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