Dramatisches Vogelsterben in Luxemburg

Fünf Natur- und Umweltbewegungen warnen vor einem drastischen Schwund der Artenvielfalt in der luxemburgischen Vogelwelt.

Bereits im Mai machte der Bericht des Weltbiodiversitätsrats darauf aufmerksam, dass weltweit über eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Im Anschluss an die Veröffentlichung machten einige Umwelt-NGOs publik, dass das Phänomen auch vor Luxemburg keinen Halt macht. Am heutigen Donnerstag, dem 30. Oktober, haben die Association des biologistes luxembourgeois (Abiol), der Mouvement Ecologique, das Nationalmuseum für Naturgeschichte (MNHN), natur&ëmwelt, und die Société des naturalistes luxembourgeois (SNL) in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen eine Kampagne gestartet, die auf die Situation der Vögel in Luxemburg aufmerksam machen soll.

Die sogenannte Rote Liste, ein Dokument, in dem genau aufgelistet ist, welche Vogelarten wie häufig in Luxemburg vorkommen, wurde heute ebenfalls veröffentlicht. Alle fünf Jahre wird diese Bestandsaufnahme von der „Centrale ornithologique“ von natur&ëmwelt durchgeführt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Über die Hälfte der Brutvogelarten in Luxemburg sind bereits ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet. 13 Arten gelten als ausgestorben, sieben sind davon bedroht, acht stark gefährdet, elf haben den Status „gefährdet“ und 24 Arten stehen auf der Vorwarnliste. Insgesamt zählt man in Luxemburg 131 Brutvogelarten – 53 Prozent davon sind auf der Roten Liste. Seit 2009 sind drei Arten ausgestorben, bei fünf anderen Arten hat sich die Lage verschlechtert.

Um auf diese dramatische Situation aufmerksam zu machen, haben die fünf Organisationen einen TV-Spot erstellen lassen. In diesem demonstrieren Vögel für ihre Rechte. Vier Vogelarten – Feldlerche, Raubwürger, Kiebitz und Schleiereule – ergreifen das Wort und stellen Forderungen, die jeweils spezifisch für ihren Lebensraum sind. So will beispielsweise die Feldlerche ruhige Plätze, um ihren Nachwuchs aufzuziehen, während der Raubwürger für den Erhalt von Hecken plädiert.

Die fünf Umwelt-NGOs haben in ihrem ausführlichen Papier viele Forderungen gestellt, die sich spezifisch auf die vier Lebensräume beziehen. Auf Wiesen und Äckern soll der Pestizideinsatz verboten und die Landwirtschaft extensiviert werden. Das strukturreiche Offenland mit vielfältigen Kleinstrukturen soll erhalten und gepflegt werden, zum Beispiel durch Schutz oder Neuanlage von Hecken und Streuobstwiesen.

Um Vögel wie den Kiebitz zu schützen, müssten Feuchtgebiete erhalten und gepflegt werden. Jene Vögel, die wie die Schleiereule als Kulturfolger in der unmittelbaren Umgebung des Menschen leben, haben es besonders schwer. Hier fordern die Naturschutzorganisationen zum Beispiel die Anlage von Nisthilfen bei Neubauten und die Förderung naturnaher Gärten.

Insgesamt ist laut den fünf Organisationen eine konsequente Reform der Landwirtschaftspolitik vonnöten, die sich am Allgemeinwohl orientiert und die Biodiversität des Landes fördert. Außerdem schließen sich die NGOs der Forderung des UN-Biodiversitätsrats an, unser Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell zu hinterfragen. Auch der „wilden neoliberalen Globalisierung, die allzu sehr auf Kosten der sogenannten Dritten Welt, aber auch der natürlichen Lebensgrundlagen geht“ müsse ein Riegel vorgeschoben werden – eine klare Absage an die Freihandelsverträge Mercusur und Ceta.

Die gesamte Stellungnahme findet sich auf der Website des MNHN.


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