FĂŒnf Fragen an: Joanne Goebbels

von | 24.07.2017

Im Vorfeld der Gemeindewahlen interviewt die woxx jede Woche eine Kandidatin: Dieses Mal haben wir Joanne Goebbels getroffen, LSAP-Kandidatin in der Hauptstadt.

Dass Joanne Goebbels in Luxemburg-Stadt fĂŒr die LSAP kandidiert, hat nicht einfach mit Familientradition zu tun. Die 38-JĂ€hrige beschreibt sich als durch und durch politisch; sie engagiert sich neben der Partei auch in ihrem Beruf als Sekundarschullehrerin und privat bei Transition-Bonneweg. (Foto: Christian Aschman)

woxx: Warum sind Sie in der Gemeindepolitik aktiv?

Joanne Goebbels: Ich bin in der Stadt Luxemburg aufgewachsen, und als ich von der Uni zurĂŒckkam, habe ich mich bei den Stater Sozialisten engagiert. Die Gemeindepolitik ist der erste Schritt. Schließlich setzt man sich da, wo man lebt, fĂŒr VerĂ€nderungen ein. DafĂŒr ist in meinen Augen die Politik der beste Weg, auch wenn ich mich durchaus anderweitig betĂ€tige. Obwohl vieles auf nationaler Ebene entschieden wird, ist es doch die Gemeindepolitik, die das Zusammenleben in der Stadt konkret gestaltet.

Sehen Sie Ihre Kandidatur im Zusammenhang mit der UnterreprÀsentation von Frauen in der Politik? Was hat Ihnen an der Poschen-Kampagne der LSAP missfallen?

Ich betrachte mich jedenfalls nicht als Quotenfrau, dafĂŒr bin ich schon zu lange in dieser Partei politisch aktiv. Es erschien mir normal, nach 2005 wieder zu kandidieren, nachdem ich die Wahlen vor sechs Jahren wegen der Geburt meiner Tochter ausgelassen hatte. Auch die anderen Frauen auf unserer Liste sind dort aufgestellt, weil sie kompetent sind, nicht weil es Frauen sind. NatĂŒrlich sehe ich den Sinn der Frauenquote, weil wir unterreprĂ€sentiert sind. Aber ich bin mir nicht sicher, ob die Quote dieses Problem löst – am wichtigsten ist es, fĂ€hige Frauen davon zu ĂŒberzeugen, sich fĂŒr Politik zu interessieren und aktiv zu werden. Was die Poschen-Kampagne angeht, so fand ich es sehr klischeehaft, das Frauenbild auf eine Handtasche zu reduzieren. Das Gleiche gilt fĂŒr die Kampagne des Gleichstellungsministeriums mit Frauen im Anzug. Ich frage mich, ob man damit mehr Frauen ĂŒberzeugt, in die Politik zu gehen – insbesondere die mehr oder weniger emanzipierten Frauen. Mich hat das jedenfalls nicht beeindruckt, fĂŒr mich zĂ€hlt eher die Notwendigkeit, dass eine Gesellschaft von den Menschen politisch reprĂ€sentiert wird, aus denen sie sich zusammensetzt. Frauen stellen die Bevölkerungsmehrheit, deshalb ist es wichtig, dass ihre Stimme zu hören ist.

Sie sind auch in Projekten wie Transition-Bonneweg engagiert. FĂŒhlen Sie sich mit fortschrittlichen und ökologischen Ideen in der LSAP gut aufgehoben?

Die LSAP steht in dieser Hinsicht nicht schlecht da – auch wenn ich mit Ökologie mehr am Hut habe als beispielsweise mein eigener Vater [Anm. der Red: der ehemalige LSAP-Wirtschaftsminister Robert Goebbels]. Umweltthemen sind heute so wichtig, dass sie nicht nur von einer Partei getragen werden sollen. Ich setze mich innerhalb der Stater Sozialisten fĂŒr eine stĂ€rkere Gewichtung dieser Themen ein. Das parteipolitische Engagement und das in der Transition-Bewegung sind von der gleichen Art: Es geht darum, gemeinsam etwas zu bewirken, im Interesse der Gemeinschaft. Wir leben ja in einer extremen Konsumgesellschaft, aber das Umdenken hat begonnen. Zum Beispiel unsere Give-Box bei den Rotondes, deren Botschaft ist: Auch wenn du einen Gegenstand nicht mehr benötigst, kann er doch vielleicht von jemand anderem verwendet werden. Diese Werte gewinnen auch in der LSAP nach und nach an Bedeutung.

Wo sehen Sie den Schwerpunkt Ihres politischen Engagements in der Stadt Luxemburg?

Als Sekundarschullehrerin interessiert mich die Bildungspolitik natĂŒrlich besonders stark. Meine beiden Kinder gehen in der Stadt zur Schule, so bekomme ich einen Einblick in die Organisation der PrimĂ€rschule, wĂ€hrend und nach der Schulzeit. Beim Unterricht und bei der Kinderbetreuung gibt es noch Raum fĂŒr Verbesserungen. Die Zusammensetzung der SchĂŒlerschaft hat sich verĂ€ndert; um den neuen Schwierigkeiten zu begegnen, brĂ€uchte man mehr Personal. Bei manchen SchulgebĂ€ude wĂ€re eine Renovierung notwendig, schließlich verbringen die Kinder bis zu sieben Stunden tĂ€glich dort. Neben der Bildungspolitik ist mir auch die Kultur wichtig. Ich bin selber eine große Konsumentin des Kulturangebots, deshalb wĂŒnsche ich mir einen Zugang zur Kultur fĂŒr alle. Gut ist, dass der Kulturpass diesen Zugang auch fĂŒr sozial Schwache ermöglicht. Aus meiner Berufspraxis weiß ich, dass die Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen ebenfalls eine große Rolle spielt. Die Gemeinde unterstĂŒtzt durchaus Lehrer, die solche Initiativen ergreifen. Besser wĂ€re es aber, wenn es nicht nur vom Lehrer abhĂ€ngen wĂŒrde, ob dieser Zugang zur Kultur gefördert wird oder nicht. Das wĂ€re auch ein Beitrag zur Chancengleichheit in der Schule.

Sie haben bereits Erfahrung im Gemeindewahlkampf. Was gefÀllt Ihnen daran, was nicht? Was Àndert sich durch die sozialen Medien?

Im Wahlkampf muss man als Kandidat den Menschen seine eigenen Ideen nahebringen und sie ĂŒberzeugen, dass man sie gut reprĂ€sentieren wĂŒrde. Das ist spannend, kann aber auch sehr anstrengend werden. Das Interesse an der Gemeindepolitik ist nicht besonders groß – damit wurde ich bei unserer Kampagne fĂŒr die Teilnahme der auslĂ€ndischen Wahlberechtigten konfrontiert. Viele fĂŒhlen sich nicht angesprochen, andere sagen einfach „es Ă€ndert sowieso nichts“. Das ist fĂŒr mich frustrierend, ich betrachte das Wahlrecht als etwas Wertvolles. Die Diskussionen können auch sehr reizvoll sein, manchmal gelingt es, jemanden zu ĂŒberzeugen, sich doch noch auf die Wahlliste setzen zu lassen. Vom Facebook-Aktivismus halte ich nicht viel, obwohl ich mit ihm aufgewachsen bin. Was dort zĂ€hlt ist, wie sehr man in den sozialen Medien prĂ€sent ist, und nicht, womit. So, wie es offenbar wichtiger ist, dass man sich auf möglichst vielen Dorffesten in den Stadtvierteln blicken lĂ€sst, als dass man seine Ideen mit den Menschen diskutiert. NatĂŒrlich benutze ich ebenfalls Facebook, um die WĂ€hlerschaft zu erreichen. Wichtig wĂ€re mir, dass es bei den geplanten öffentlichen Debatten zwischen den Spitzenkandidaten im Herbst dann mehr um GrundsĂ€tzliches geht als um Show-Effekte.

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