„Holz vun hei“ begeistert Minister*innen

Möbel aus regionalem Holz zu fertigen, ist grundsätzlich nachhaltig. Warum das auch Kiefernholz sein kann, ist auch nachvollziehbar; andere Aspekte sind dagegen klärungsbedürftig.

www.naturpark-mellerdall.lu/projekte/leader-projekt-holz-vun-hei/

„Die Wertschätzung von Holz aus der Region Mëllerdall liegt ganz im aktuellen Zeitgeist.“ So beginnt nicht etwa eine Werbemail eines Möbelhändlers, sondern ein offizielles Regierungskommuniqué zu einem Naturpark-Projekt. Vom Zeitgeist angelockt, hatten sich am 12. Juli denn auch drei Minister*innen im Mëllerdall eingefunden, um die neue Möbellinie aus regionalem Kiefernholz zu würdigen.

Die Schreinerei Knaf-Buchler in Beaufort bietet nämlich Holzmöbel an, die im Rahmen des Leader-Projektes „Holz vun hei“ des Natur- & Geopark Mëllerdall entwickelt wurden. Ein Projekt, das nicht nur fotogen ist, sondern tatsächlich in den Kompetenzbereich der drei Minister*innen fällt: Romain Schneider, Minister für Landwirtschaft, Weinbau und ländliche Entwicklung, Claude Turmes, Minister für Raumentwicklung sowie Carole Dieschbourg, Ministerin für Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung.

Kiefernholz – in oder out?

„Begeistert“ vom Projekt habe sich Claude Turmes gezeigt, so das Kommuniqué. Die Möbellinie sei ein gelungenes Beispiel für die Alternative zur Globalisierung der Holzmärkte: „Das Potenzial unserer Wälder  sollten wir nutzen, um eine nationale Holzverarbeitungskette für das Baumaterial Holz aufzubauen.“ Der Naturpark hat auch vier kurze Videos erstellt, die über den „Weg vom Wald bis in den Ausstellungsraum der Schreinerei“ informieren. Man erfährt dabei einiges über Waldbau und Holzverarbeitung, aber wenig Präzises was die Nachhaltigkeit des Projekts angeht.

Was die Hipness des Holzes angeht, liefert das Kommuniqué eine Einschätzung: „Kiefernholz lässt sich hervorragend verarbeiten, liegt derzeit nicht im Trend und wurde deshalb wenig vom Kunden als Möbelholz nachgefragt.“ Das Projekt soll gewissermaßen das „langweilige“ Kiefernholz rehabilitieren. Was das Kommuniqué nicht deutlich sagt: Weil die kommerzielle Holzwirtschaft weltweit Kiefern auf allen möglichen Standorten anbaut, steht die Baumart im Verdacht, heimische, „natürliche“ Eichen- und Buchenbestände zu verdrängen. Doch der Schein trügt. Nicht alle Kiefernwälder sind Plantagen, die mittels Kahlschlags „bewirtschaftet“ werden. Auf den sandigen Böden des Mëllerdalls ist die Kiefer durchaus ein standortgerechter Baum, der in eine naturnahe Waldwirtschaft passt. Ihr geringer Wasserbedarf macht aus ihr, in Zeiten des Klimawandels, sogar eine besonders zukunftssichere Baumart.

Holzlabel und Werbespruch

www.holz-von-hier.eu

Auch Carole Dieschbourg sprach sich laut Kommuniqué für die Förderung der regionalen Kooperation aus: „Die Initiative Eist Holz bietet dazu den Rahmen um den Akteuren die geeigneten Werkzeuge zur Verfügung zu stellen.“ Damit verwies sie auf die im Mai von ihr und Wirtschaftsminister Franz Fayot vorgestellte Programm zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft im

Holzsektor. Interessanterweise unterstützt dieses Programm unter anderem das „Holz von hier“-Label (siehe: „Eist Holz“ ist „Holz von hier“, oder?). Das Pikante daran: Dieses mit Kontrollen verbundene deutsch-österreichische Label hat nichts mit dem Mëllerdaller „Holz vun hei“-Werbespruch zu tun.

Für Verbraucher*innen könnte diese Namensähnlichkeit schon irreführend sein. Die offensive Vermarktung der Mëllerdaller Kiefernholzmöbel hat jedenfalls so viel Aufmerksamkeit geweckt, dass sich kritische Stimmen zu Wort melden. Die Luxemburger Abteilung des von NGOs mitgegründeten Holzlabels Forest Stewardship Council (FSC) beklagte sich am vergangenen Freitag in einem offenen Brief darüber, dass das „Holz vun hei“-Projekt „eine Reihe von Lücken“ aufweise. Details zu dem sich ankündigenden Krieg der Label: FSC über Glaubwürdigkeit von Holzlabels.

 


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