Im Stream: Big Mouth (Staffel 5)

Die Netflix-Animationsserie über die Wirren der Pubertät läuft bereits in der fünften Staffel. Die ist allerdings eher enttäuschend.

In der fünften Staffel von Big Mouth wagen die Protagonist*innen ihre ersten Schritte im politischen Engagement. (Bild: Netflix)

Liebe und Hass liegen nahe beieinander. Diese Lebensweisheit steht im Mittelpunkt der aktuellsten, fünften Staffel der Erfolgsserie „Big Mouth“, die Anfang November auf Netflix angelaufen ist. Andrew, Jessi, Missy und Nick werden einmal mehr von neuen Gestalten heimgesucht, die Gefühle personifizieren. Die allgegenwärtigen Hormonmonster begleiten die Kinder weiterhin, die Love Bugs und Hate Worms sind in dieser Staffel neu.

Nachdem sie in den vorherigen Staffeln vom Shame Wizard, den Anxiety Mosquitos und der Depression Kitty heimgesucht wurden, sind die neuen Gefühle für die Protagonist*innen auf den ersten Blick eine willkommene Abwechslung. Allerdings sind Nicks Liebe zu Jessi und deren Liebe zu Ali komplizierter, als diese anfangs denken. Die Hate Worms, die manchen Kindern ihre Hassbotschaften ins Ohr flüstern, sorgen für ganz andere Gefühlsausbrüche und rütteln die Beziehungen zwischen den Charakteren, die sonst eigentlich ganz gut miteinander zurechtkommen, kräftig durch. Die Teenager machen in dieser Staffel ihre ersten Schritte im politischen Aktivismus, was ebenfalls nicht ohne Konflikte abläuft.

Die fünfte Staffel begleitet die Jugendlichen von November bis Neujahr, dementsprechend wird recht viel Zeit auf diverse Feiertage und die dazugehörigen Konflikte in den jeweiligen Familien verwendet. Hier zeigt sich aber eine Stärke der Serie: So lustig und klamaukig der Umgang mit vielen Pubertätsthemen auch ist, die Charaktere und ihre Konflikte werden meist sehr ernst genommen. Auch wenn ein sprechender Truthahn Nick auf die Sprünge helfen muss: Er wagt den Schritt, ein Gespräch mit seinem cholerischen Vater zu führen.

Liebe, Hass und Familienfeiern

Auch der Umgang von eigentlich offenen und sexpositiven Eltern mit dem ersten Mal ihrer Tochter sowie die Diskussionen über Kommunikation beim Sex sind gute Beispiele dafür, dass die Serie ihre Stärken durchaus zu spielen weiß. Allerdings sind diese Momente in der fünften Staffel seltener geworden, da der Humor oft krasser als in vorherigen Episoden ist.

„Big Mouth“ war immer schon sehr explizit und hat sich nicht gescheut, Schamhaare, Vulven, Penisse und diverse andere „eklige“ Körperlichkeiten zu zeigen. Allerdings kommt in der fünften Staffel ziemlich viel eher unnötiges fiktives Blutvergießen und anderer „Gore“ hinzu, was oft einfach nicht sonderlich lustig ist. Außerdem wirken manche Charaktere bereits wie Karikaturen ihrer selbst. Dadurch zünden viele Witze nicht so, wie sie eigentlich gedacht waren.

Selbst bei einem der großen Themen der Staffel, der Liebe, versagt „Big Mouth“ diesmal auf gewisse Weise. Die graduellen Unterschiede zwischen einem kleinen Crush, Verliebtheit und Liebe werden nicht herausgearbeitet, sondern alle von den gleichen Wesen personifiziert. In dieser Hinsicht hätte man sich durchaus mehr von der Serie erwarten können.

Am Ende der Staffel wird deutlich, dass die fünfte Staffel auch dazu dient, das geplante Spin-off der Serie zu promoten. 2022 soll mit „Human Resources“ eine Serie anlaufen, die sich auf die Monster und Gestalten konzentriert, die für die Gefühlsverwirrungen der Big Mouth-Pro-tagonist*innen verantwortlich sind. Unter diesem Gesichtspunkt verwundert es nicht, dass die Charaktere einen Ausflug in die Welt der Pubertätsmonster unternehmen – im Rahmen der Serie wäre diese Eskapade jedoch unnötig gewesen.

Gute Sprecher*innen und schlechte Gimmicks

Das unglückliche Greenscreen-Cameo von Serienerfinder Nick Kroll wirkt wie ein hastig zusammengewürfeltes Ende der ganzen Serie, bei dem schnell noch alle offenen Fragen beantwortet werden sollen. Da Netflix jedoch schon längst eine sechste Staffel bestellt hat, ist dieses Manöver nicht nachvollziehbar.

Positiv hervorzuheben ist, dass „Big Mouth“ sich weiterhin um die Inklusion von LGBTIQA-Personen kümmert und der oft unsichtbaren Bisexualität zu mehr Sichtbarkeit verhilft. Auch Themen wie Rassismus und Identitätsfindung, mit denen Missy sich herumschlagen muss, werden nicht lächerlich gemacht, sondern ernsthaft behandelt.

Weiterhin hochkarätig ist die Synchronisierung des englischsprachigen Originals: Insbesondere Nick Kroll, John Mulaney, Jessi Klein und Ayo Edebiri, die die Hauptcharaktere und viele Nebenrollen sprechen, sind hervorragend. Auch der Zeichenstil ist weiterhin gut – der Fakt, dass es sich um eine Zeichentrickserie handelt, erlaubt „Big Mouth“, viele Sachen explizit zu zeigen, mit denen eine Serie mit echten Schauspieler*innen niemals durchkäme. Die Weihnachtsfolge wartet mit vier verschiedenen Geschichten auf, die in unterschiedlichen Zeichenstilen gehalten sind – dieses Experiment ist leider nicht gelungen: es handelt sich eher um ein Gimmick.

Trotz aller Kritik ist die fünfte Staffel von „Big Mouth“ sehenswert. Wer bereits Fan ist, wird sich ungeachtet der Schwächen freuen, die Charaktere ein weiteres Stück auf ihrem beschwerlichen Weg durch die Pubertät zu begleiten. Für Neulinge empfiehlt es sich allerdings wärmstens, am Anfang der Serie zu beginnen.

Die fünfte Staffel von „Big Mouth“ kann auf Netflix gestreamt werden.

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