Joris Bas Backer – Küsse für Jet

von | 11.08.2020

Eine lesenwerte Graphic Novel beleuchtet das Leben einer jugendlichen trans Person in den 1990er-Jahren.

Ende der 1990er-Jahre, irgendwo in einer niederländischen Kleinstadt: Jet, 15 Jahre alt, ist gerade auf ein Internat gewechselt und muss sich nicht nur damit zurechtfinden, nun strengeren Regeln ausgesetzt zu sein als noch zu Hause. Sasha, seine*ihre beste Freundin, kann Jet zwar Besuche abstatten, die beiden haben dennoch das Gefühl, sich langsam auseinander zu leben. Jets Teenagerleben am Ende des letzten Jahrtausends ist vor allem durch Grunge-Musik, Partys und Fernsehen geprägt. Daneben vertreibt er*sie sich die Zeit damit, Menschen durch ein Fernglas zu beobachten.

Auf den Partys und auch im Internat gibt zwar einige Jungen, die an Jet interessiert sind, doch bis auf einige wenige Küsse erwidert sie*er diese Gefühle nicht. Nach und nach stellt sich heraus, dass Jet trans ist. Ohne Zugang zum Internet ist es jedoch schwierig, Informationen dazu zu finden. Sasha sieht zufällig eine Sendung über trans Menschen im Fernsehen und bringt Jet zu einer Beratungsstelle, wo er*sie zwar Informationen erhält, jedoch auch von einem übereifrigen Arzt eher überfordert wird. Der stellt zudem übergriffige Fragen: Warum trägt Jet die Haare lang, warum will er*sie den Vornamen nicht ändern? Die Reaktionen von Jets Mitmenschen zeigen sehr gut, wie schwierig dieser Prozess für Betroffene ist und welche Hürden im Weg stehen.

Die „Coming-of-Gender Geschichte“, die Joris Bas Backer in seiner Graphic Novel erzählt, beschäftigt sich nicht nur mit Jets Geschlecht, sondern auch mit den normalen Wirren des Teenagerdaseins. Die detailreichen und gleichzeitig lockeren Zeichnungen, die in Türkis und Schwarz gehalten sind, unterstreichen Jets Gemütszustände und geben ein realistisches Bild vom Kleinstadtleben in den 1990er-Jahren wieder: Zwischen alternativer Popmusik und der Angst vor dem Y2K-Bug.

Alleine für diesen historischen Ausflug lohnt sich das Debutwerk Backers. Dazu macht die behutsame und dennoch ehrliche Art und Weise, wie mit dem Thema Transmännlichkeit umgegangen wird, „Küsse für Jet“ ebenfalls zu einer lesenswerten Graphic Novel. Und dies sicherlich nicht nur für Jugendliche.

Joris Bas Backer – Küsse für Jet
jaja Verlag, 2020.

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