Mobilität: Gute E-Autos?

von | 31.10.2018

Als empfehlenswert wird der Elektroantrieb in der 2018er-Ausgabe der VCD-Auto-Umweltliste angepriesen. Doch das gilt nicht für alle Modelle.

Foto: e.GO Mobile AG

„Elektroautos werden aufgrund des steigenden Anteils regenerativen Stroms immer klimaschonender und durch höhere Reichweiten sowie eine bessere Ladeinfrastruktur immer attraktiver.“ Das schreibt der alternative deutsche Verkehrsclub VCD anlässlich der Veröffentlichung seiner diesjährigen Auto-Umweltliste (siehe unseren Online-Beitrag). Von seiner Skepsis gegenüber den Elektroautos, die lange Zeit eine Alibifunktion für die Autoindustrie erfüllten, ist der VCD abgerückt. Von den 61 Modellen auf der „Positivliste“ sind sieben Elektroautos. Der Renault Zoe wird vom Verkehrsclub hervorgehoben als „das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland“, das alltagserprobt sei und je nach Option eine Reichweite von weit über 100 Kilometern biete.

Weil aber die Batterieproduktion so energieaufwendig ist, formuliert der VCD eine Einschränkung: „Aus ökologischer Sicht lohnen E-Autos sich nicht für Wenigfahrer oder als Zweitwagen, der höchstens 5.000 Kilometer im Jahr unterwegs ist.“ Sinnvoll seien sie dagegen bei täglichen Pendelfahrten ab 30 Kilometern pro Strecke, denn erst ab 20.000 Kilometern und mehr – gefahren mit grünem Strom – falle die Energiebilanz der Batterien positiv aus.

Dass nicht noch mehr Modelle mit Elektroantrieb ausgewählt wurden, liegt laut VCD an der geringen Modellauswahl und an den „absurd langen“ Lieferzeiten. In der Liste finden sich nur Modelle, die eine Lieferzeit von weniger als sieben Monaten haben. Da etwa 80 Prozent der täglichen PKW-Wege kürzer als 25 Kilometer sind, ist ein Elektroauto für die meisten Menschen eine sinnvolle Option – vorausgesetzt, sie organisieren sich so, dass sie keine sehr weiten Strecken mit dem Auto zurücklegen müssen. Der VCD führt aus: „Die Batteriekapazität muss für die täglichen Wege reichen, auch im Winter, aber nicht unbedingt für den Urlaub. Da sind Bahn oder Leihwagen die bessere Alternative.“ Wichtig sei aber auch eine Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz, weil, zumindest in Deutschland, der Strom an den Ladepunkten bis zu doppelt so teuer sei wie der Haushaltsstrom.

Vom PS- zum kWh-Rausch

Sind mehr Elektroautos also eine gute Sache für die Umwelt? Nicht unbedingt, findet der VCD, denn die von den Autoherstellern viel beworbenen schweren Luxuslimousinen oder elektrobetriebenen SUVs benötigen, angesichts der Rohstoffknappheit, zu große Batterien. Auch für manche Plug-in-Hybride existieren die niedrigen Verbrauchs- und CO2-Werte nur auf dem Papier. So verbraucht der Volvo XC60 Plug-in-SUV pro 100 Kilometer offiziell 3,2 Liter, im Verbrennungsmodus dagegen 7,1 Liter. „Plug-in-Hybride sind nur dann aus ökologischer Sicht zu empfehlen, wenn sie auch im Verbrennungsbetrieb effizient sind“, so der VCD.

Dem Verkehrsclub schwebt eine andere Elektromobilität vor: Weniger Autoverkehr und wenn Individualfahrzeuge, dann kleine und leichte. So wie der an der Technischen Hochschule in Aachen entwickelte e.GO Life, von dem 2019 erste Exemplare ausgeliefert werden. Während Audi und Mercedes demnächst 2,5 Tonnen schwere Rennreiselimousinen mit Elektroantrieb und Batterien von fast 100 kWh zu Preisen ab 70.000 Euro anbieten, wiegt der Aachener Kleinwagen weniger als eine Tonne, mit einer Batterie zwischen 15 und 24 kWh, und kostet weniger als 20.000 Euro.

 

Alle woxx-Beiträge zur diesjährigen Auto-Umweltliste.

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