Naturkunde-Ausstellung
: Kennen Sie Katzen?

Wer mehr über die Hauskatze, ihre wilden Geschwister und ihre fernen Cousins erfahren will, sollte das Naturmusée aufsuchen.

Mit Katzengöttinnen ist nicht zu spaßen! Die Besucher der Ausstellung „Alles fir d’Kaz“ im Naturmusée betreten den ersten Raum unter dem strengen Blick einer überlebensgroßen ägyptischen Katzenstatue. Dort gibt es dann auch keine Antwort auf die dringende Frage, warum Kater Türpfosten markieren oder wie man Katzen richtig streichelt. Ein seriöses naturwissenschaftliches Museum beginnt mit den Anfängen – die aber liegen bei der Katze-Mensch-Beziehung im alten Ägypten.

Ganz so ernsthaft geht es dann aber doch nicht zu. Die Katzenmumien, Beleg für die Verehrung der Tiere, sehen ein bisschen wie Stoffpuppen aus. Neben den Erklärungen zur Nützlichkeit der Katzen als Rattenjäger werden interessante Geschichten erzählt – wie Kambyses die Katzen als Waffe benutzte, wie ägyptische Frauen sich einen Rausch antranken, um die Göttin gnädig zu stimmen usw. Kontextualisiert oder gar hinterfragt wird nichts – schließlich ist dies kein Geschichtsmuseum. Dafür sind Verständlichkeit und Unterhaltungswert gewährleistet – manche Anekdoten werden gar in Comicform wiedergegeben. Schließlich resümiert ein Stoffkätzchen in einem Römerhelm die Einführung der Katze als Haustier in Europa.

Die Ausstellung richtet sich in erster Linie an ein junges Publikum, spart aber dunklere Episoden der gemeinsamen Geschichte nicht aus: Wie abergläubische Menschen im Mittelalter schwarze Katzen verfolgt haben, wie Katzen bis heute als Labortiere misshandelt werden, wird eindrucksvoll dreidimensional umgesetzt. Dann, endlich, wird der große Ernst aufgelockert durch Ausstellungstafeln, die sich mit der Hello-Kitty-Designfigur und dem Katzenvideo-Boom befassen.

Von da an geht es vor allem um Naturkunde, angefangen mit dem größten Saal für temporäre Ausstellungen, in dem über 20 ausgestopfte Klein- und Großkatzen zusammengestellt sind. Die durch ihre Größe oder ihre Körperhaltung beeindruckenden Löwen, Jaguare oder Luchse sind ja die direkten Verwandten der Hauskatze. Über das Verhalten der Katzen und ihrer Cousins erfährt man allerdings nur Oberflächlichkeiten, anders als zum Beispiel in der Ausstellung „Chiens et chats“ von 2015 in der Pariser Cité des Sciences. Dafür vermittelt das Naturmusée Details über die Morphologie der Tierfamilie. Es gibt Tafeln zu Gebiss, Krallen und Skelett, ja sogar Erscheinungsbild und Funktion des Katzenschwanzes werden erklärt und mit einem Ratespiel verbunden. Ebenfalls erwähnenswert: Die allgemeinen Darlegungen über die Katzen der Urzeit werden ergänzt durch eine Tafel über „Löwen in Oetrange und Altwies“, deren frühere Existenz durch Knochenfunde belegt ist.

Fans von ausgestopften Tieren bekommen auch noch die Überfamilie der „Katzenartigen“ geboten – von der Hyäne bis zum Erdmännchen. Für die meisten BesucherInnen dürfte aber der Abschnitt „Katzen in unseren Wäldern“ interessanter sein, in dem auch die Unterschiede zwischen Hauskatzen, europäischen Wildkatzen und nordafrikanischen Falbkatzen erklärt werden. War der Wildkatzenbestand früher durch die Jagd bedroht, so ist er es heute durch den Straßenverkehr, der die Lebensräume zerschneidet und den Tod unachtsamer Tiere verursacht. Ob der verwandte Luchs wirklich wieder in Luxemburg Fuß gefasst hat, ist unklar – ein paar ausgestopfte Prachtexemplare kann man sich aber ansehen.

Illustrieren und informieren ist auch das Motto des letzten Saales, der unter anderem der Zucht, dem Zirkus und dem Zoo gewidmet ist. Während erstere kritisch dargestellt werden, scheinen die AusstellungsmacherInnen vom Sinn der Haltung in Tierparks überzeugt zu sein. Die in Szene gesetzten Raubkatzen hinter Gittern dürften bei vielen BesucherInnen dennoch Fragen aufwerfen.

Ein Besuch der Ausstellung, auch wenn sie weit über das Thema Stubentiger hinausgeht, lohnt sich für KatzenfreundInnen unbedingt. Zwar bekommt man mehr Tafeln und weniger Multimedia geboten als mittlerweile Standard ist, doch dafür sind die meisten Texte auch in französischer Fassung vorhanden. Angesichts der großen Informationsdichte ist „Alles fir d’Kaz“ vor allem für etwas ältere Kinder geeignet; hilfreich für Kinder jeden Alters dürfte die vermittelnde Funktion einer Führung durch Museumspersonal oder motivierte Eltern sein.

Bis zum 7. Januar 2018 im Musée national d’histoire naturelle.

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