Schon gestreamt? Sex Education

von | 16.01.2019

Auf den ersten Blick als typische High-School-Dramedy im Stil von „Freaks and Geeks“ angelegt, begeistert die neue Netflix-Serie „Sex Education“ durch progressive, sex-positive Inhalte und nunanciert gestaltete Figuren.

© PressFrom

Im Zentrum der Serie steht Otis (Asa Butterfield), der als Sohn einer Sex-Therapeutin (Gillian Anderson) für einen 16-Jährigen ungewöhnlich gut aufgeklärt ist. Als seine Mitschülerin Maeve (Emma Mackey) Wind davon bekommt, überredet sie ihn, an der Schule Sex- und Beziehungsberatung anzubieten. Otis, der selbst noch nie Sex hatte und nicht einmal masturbiert, zögert zunächst, doch ein Projekt mit Maeve, für die er insgeheim Gefühle hegt, wirkt allzu verlockend.

Die Ratschläge, die Otis gibt, betreffen längst nicht nur Sexualpraktiken und Beziehungsprobleme. Er ermuntert seine Mitschüler*innen dazu, ihre sexuellen Vorlieben zu erkunden, die Grenzziehungen der anderen zu respektieren und sich selbst so zu akzeptieren wie sie sind. Otis weiß, dass ein erfülltes Sexleben maßgeblich von guten Beziehungen zu anderen und sich selbst abhängt. Auf diese Weise zeigt „Sex Education“, dass Sexualerziehung viel weiter gefasst ist als oft angenommen wird.

Die Serie unterwandert in vielerlei Hinsicht die Erwartungen der Zuschauer*innen. Neben Handlungssträngen, die sich auf erfrischend plausible Weise entwickeln, weichen auch die Figuren bewusst von gängigen Klischees ab. Im Laufe der insgesamt acht Folgen lernen wir nicht nur Otis kennen, der ein kompliziertes Verhältnis mit seiner alleinerziehenden Mutter, Jean, hat, sondern auch zahlreiche seiner Mitschüler*innen.

In „Sex Education“ sind nicht alle populären Schulsportler arrogante Machos, nicht alle Mütter sind heterosexuell und Teenager*innen, die Unsicherheiten bezüglich Sex und Beziehungen haben, fragen ungehemmt nach Rat. Auf den ersten Blick ist letzteres keine große Sache. Doch kann der Wert einer Serie, die zeigt, dass es in Ordnung ist, nicht gleich in allem ein Experte oder eine Expertin zu sein, nicht unterschätzt werden. Nicht zuletzt haben die Macher*innen der Serie verstanden, dass es längst nicht nur Jugendliche sind, die in puncto Sex und Beziehungen oft im Dunkeln tappen.

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