Serien-Empfehlung: Tales From the Loop

Eine retro-futuristische Anthologie, die auf einem Bildband basiert und das Kunststück schafft, ein großes Mysterium nicht auf frustrierende Art und Weise zu lösen – „Tales From the Loop“ begeistert in vielerlei Hinsicht.

Ein riesiger Roboter, der Haus und Hof beschützen soll –
was soll da schon schiefgehen? „Tales from the Loop“ erzählt wundersame Geschichten von Technologie, die so weit entwickelt ist, dass sie wie Magie wirkt. (Fotos: Amazon)

In Mercer, Ohio ist das Leben etwas anders als im Rest der Welt. Im unterirdischen Mercer Center for Experimental Physics wird seit den 1960er-Jahren mithilfe eines Teilchenbeschleunigers an experimenteller und hochentwickelter Technologie geforscht. Die Einwohner*innen Mercers, die so gut wie alle irgendeine Verbindung zu dem Forschungszentrum haben, nennen das lediglich „The Loop“. In den 1980er-Jahren scheinen sie sich alle mehr oder weniger daran gewöhnt zu haben, dass in ihrem Heimatort regelmäßig seltsame Dinge passieren.

Acht dieser „Tales From the Loop“ erzählt die Serie in ihrer ersten Staffel. Jede Folge hängt zwar lose mit den anderen zusammen, kann jedoch auch für sich alleine stehen. Stets ist es die seltsame Technologie des Loops, die Menschen in schwierige oder absurde Situationen bringt. Ein Teenager-Pärchen findet ein Gerät, mit dem es die Zeit anhalten und so seine verbotene Liebesbeziehung ausleben kann, zwei Schüler, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, tauschen mithilfe einer merkwürdigen Kapsel ihre Körper und der Portier des „Loops“ reist in eine Parallelwelt, in der er auf sich selbst trifft – und auf einen Partner, den er in seiner Welt nie hatte. Ein Techniker kauft einen riesigen Roboter, um sich und seine Familie zu schützen, bringt damit aber die Nachbar*innenschaft gegen sich auf.

Einige Folgen setzen auf altbekannte Geschichten in neuem Gewand, andere spielen mit Zeitreisephänomenen, dass einem beim Zuschauen beinahe schwindelig wird. Sowohl thematisch als auch was die Form angeht, drängt sich der Vergleich mit „Black Mirror“ auf. Auch bei „Tales from the Loop“ steht am Ende jeder Folge eine Moral. Im Gegensatz zu „Black Mirror“ ist der Tonfall jedoch komplett anders: statt einer düsteren, dystopischen Zukunftsvision wird hier ein melancholisches, retro-futuristisches Bild der 1980er-Jahre, wie es sie nie gegeben hat, gezeichnet.

Die von Amazon produzierte Serie ist die Verfilmung eines Kunstbuches mit kurzen Texten – oder, wenn man so will, einer Graphic Novel – des schwedischen Zeichners und Autors Simon Stålenhag. Seine Geschichten spielen in der schwedischen Einöde, für das Streamingpublikum wurden sie in die USA verlegt. Das Paralleluniversum, das Stålenhag mit seinen Werken, die oft wie Ölgemälde aussehen, schuf, wurde bereits 2018 als Grundlage für ein Rollenspiel verwendet. Als Spielcharaktere sind ausschließlich Kinder zugelassen, was sich auch in der Serie widerspiegelt. Die Protagonist*innen sind zumeist jugendlich, und genau wie im Rollenspiel haben ihre Eltern oft keinen blassen Schimmer, was um sie herum und mit ihren Kindern passiert.

Auch dann wenn Erwachsene im Fokus einer Episode stehen, ist die Perspektive gleich: Über die merkwürdigen Auswirkungen des Loops und seiner Technologie wird gestaunt und sich gewundert, nicht nach Erklärungen gesucht. Das macht eine Stärke der Serie aus. Statt die Zuschauer*innen auf eine Schnitzeljagd nach Hinweisen für „die Lösung“ zu schicken, bleibt die futuristische Technologie einfach mysteriös und unerklärt. Eins der berühmten „Gesetze“ des Science-Fiction Autors Arthur C. Clarke lautet, dass ausreichend hochentwickelte Technologie nicht mehr von Magie zu unterscheiden ist. „Tales from the Loop“ schafft es, genau dieses Gefühl zu vermitteln.

Kein Geheimnis, das gelöst werden muss

Dadurch bleibt mehr Zeit und Raum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Die zwischenmenschlichen Dinge, die passieren, wenn durch Technologie Unglaubliches passiert und die Protagonist*innen sich irgendwie damit zurechtfinden müssen.

Es ist den Filmemacher*innen gelungen, die Stimmung von Stålenhags Bildern nahezu perfekt einzufangen. Alleine der visuelle Eindruck, die Kameraführung und die Spezialeffekte wären Grund genug, sich die Serie anzuschauen. Außerdem schafft es ­„Tales from the Loop“ mühelos, diverse Charaktere in seinen Cast einzubinden, ohne dass dies Fragen aufwerfen oder großartig thematisiert würde. Das mag angesichts der Tatsache, dass die Serie in den 1980er-Jahren spielt, vielleicht anachronistisch sein – erfrischend ist es dennoch.

„Tales From the Loop“ ist das Kunstwerk gelungen, eine zusammenhängende Anthologie zu sein. Die Serie wirkt nicht wie eine Aneinanderreihung von Kurzfilmen, sondern wie aus einem Guss. Die Science-Fiction-Elemente sind zwar stets vorhanden, aber nicht so ausgeprägt, dass sie auch Menschen, die normalerweise wenig mit dem Genre anfangen können, nicht zu sehr stören sollten. Für dunkele Wintertage ist die Reise in die mysteriöse und wunderschön anzusehende Welt des Loops allemal zu empfehlen.

Auf Amazon Prime.

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