„Who cares? We Care!“ – Über den Stellenwert von Haus- und Fürsorgearbeit in der Gesellschaft

von | 03.03.2020

Bei der Abschlussdiskussion des diesjährigen Festival des Migrations standen prekäre Lebensverhältnisse, gesellschaftliche Ungleichheiten und mangelnde staatliche Unterstützung im Fokus.

© Mila Studios / Jif

„Auch heutzutage wird noch angenommen, dass Frauen aus biologischen Gründen gerne putzen, aufräumen und emotionale Arbeit leisten, und diese Leistungen deshalb nicht entlohnt zu werden braucht. Sie werden ihnen nicht nur zuhause abverlangt, sondern zum Teil auch an ihrem Arbeitsplatz.“ Mit diesen Worten leitete Line Wies am Sonntag in der Luxexpo stellvertretend für déi Lénk die Veranstaltung „Who cares? We care!“ ein. Auf dem Programm standen Vorträge und Erfahrungsberichte bezüglich Haus-, Pflege- und Fürsorgearbeit. Wie Wies erklärte, werde bei dieser Art von Arbeit oft vergessen, dass sie ein bestimmtes Know-how erfordere, über das niemand qua Geschlecht verfüge, sondern sich in einem kontinuierlichen Lernprozess angeeignet werden müsse. Zu fordern, dass Care-Arbeit gleichermaßen zwischen Männern und Frauen aufgeteilt werde, reiche jedoch nicht: „Auch innerhalb der Gruppe von Frauen muss ein Gleichgewicht hergestellt werden. Immerhin wird diese Arbeit in sehr viel höherem Maße von Frauen mit Migrationshintergrund geleistet.“

Wie sich daran bereits abzeichnet, geht es der Plattform Jif mit ihren Forderung im Rahmen des am Samstag stattfindenden Frauenstreiks um weit mehr als Anerkennung, Arbeitsorganisation und Entlohnung: Es geht auch um eine Infragestellung gesellschaftlicher Machtstrukturen insgesamt. „Selbst wenn alle sich gleichermaßen an Care-Arbeit beteiligen würden, gäbe es immer noch keine Gleichheit, da die finanzielleund gesellschaftliche Ausgangsbasis nicht für alle die gleiche ist.“ Gefordert werden deshalb unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns, eine Schließung des Gender-Pay-Gaps und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

In den Augen der alleinerziehenden Erzieherin und Präsidentin der Association Amitié Côte-d’Ivoire Luxembourg (Acil), Pascale Zaourou, bleibt Beschäftigten in prekären Arbeitsverhältnissen nichts anderes übrig, als dem Staat zu vertrauen. Zeit- und Ressourcenmangel erfordern ein konstantes, selbstständiges Suchen nach Lösungen für aufkommende Probleme. Zaourou bedauert, dass es den Betroffenen selbst obliegt, einzelne staatliche Hilfen auszumachen. Aus ihrer persönlichen Not heraus hat Zaourou einen Leitfaden zusammengestellt, in dem Adressen und Angebote aufgelistet sind, die auch mit niedrigem Budget zugänglich sind. Die Präsidentin von Acil wünscht sich, dass, Betroffene bei der Ausarbeitung unterstützender Maßnahmen stärker mit einbezogen werden. Zurzeit mangele es etwa an Kursen zur Verwaltung des Familienbudgets. Vielen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, würde es an den entsprechenden Kenntnissen fehlen, wodurch sich ihre Situation über die Jahre teils noch zusätzlich verschlechtere. Es fehle zudem an Maßnahmen um Frauen in Prekarität, die Opfer häuslicher Gewalt sind, verstärkt unter die Arme zu greifen. „Viele bleiben beim Täter, weil sie das Gefühl haben, keine andere Option zu haben.“

Antonia Do Rosario Santos vom OGBL ergänzte die Veranstaltung mit einem Vortrag über das Handelsgewerbe, wo besonders Migrantinnen und Pendlerinnen stark belastet seien. Sie hob hervor, dass es zwar viele weitere Sektoren gäbe, in denen nachts oder am Wochenende gearbeitet werden müsse. Es handele sich jedoch um Berufe wie Arzt, die über ein anderes Gehalt und ein anderes gesellschaftliches Ansehen verfügen.

Die Veranstaltung, die von der Jif in Zusammenarbeit mit Time for Equality organisiert wurde, rückte Lebensrealitäten in den Vordergrund, die oft wenig zur Kenntnis genommen werden. Damit bot sie eine bereichernde Ergänzung zum Rahmenprogramm des diesjährigen Frauenstreiks.

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