GRUPPENAUSSTELLUNG: Kunstgarten

Nur die Guten – oder häufiger die Harten – kommen in den Garten, ist einer dieser Sprüche unter Jugendlichen, mit denen sich der eine über den anderen stellen und seine eigene Männlichkeit betonen will. In ihm schwingt immer der Wettbewerb mit, der Subtext des „ich bin besser, stärker eben härter als du“. Die Belohnung ist der Garten, das Paradies und Refugium des gut gestellten Mittelschichtlers, der Ort an dem er ausspannen und sein Leben genießen kann, ein Ort des Rückzugs und der Besinnung.

Alles Aspekte, die auch in der aktuellen Ausstellung im Konschthaus beim Engel Berücksichtigung finden. Konsequent wurde bei der Konzeption auch dem Galerie- oder Museumsbesuch eine ähnliche Wirkung zugeschrieben wie dem oben erwähnten Garten. Auch die Galerie soll dem Besucher als Rückzugsraum dienen, als „eine Art Reservat, abgeschottet von der Außenwelt“, wo ihm „die Möglichkeit der Introspektion geboten“ wird. Viel Allgemeiner kann man das Motto einer Ausstellung im Grunde nicht fassen. Aber, Hauptsache man hat überhaupt eins. Und so fällt es den acht Künstlern aus Luxemburg, Deutschland und Österreich auch nicht weiter schwer, dieser Thematik mit ihren ausgestellten Werken gerecht zu werden. Dabei sind einige der gezeigten Arbeiten durchaus sehenswert und zeugen darüber hinaus von einer tiefergehenden und sehr kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Refugium und Idylle.

So rücken etwa Markus Hanakam und Roswitha Schuller mit ihrer Videoinstallation die von John Ruskin zusammengefassten Prinzipien der englischen Gartengestaltung, die den Einklang von Architektur, Natur und Landschaft suchen, buchstäblich in ein neues Licht, in dem sie einen Absatz seines Werkes „The Poetry of Architecture“ in Neonreklamen übersetzen und damit den Besucher erschlagen. Der Luxemburger Max Mertens nimmt sich dagegen eher dem trauten Heim an. Seine im Raum verteilten und von der Decke gefallenen Kronleuchter sprechen vom Ende der heilen Familie und liefern den Grund gleich mit. Im scheinbar wilden Staccato senden sie Lichtsignale im Morsealphabet, dem wohl die meisten Besucher verständnislos gegenüber stehen. Ohne Verständigung kein Verständnis, ohne Verständnis keine Integration, in der Familie wie in der Gesellschaft. Besonderes Interesse weckt aber die Installation des Grazers Alfredo Barsuglia. Auf einen Ausschnitt einer Waldlandschaft projeziert er Bilder bunter Vögel, die geschickt arrangiert den sonst toten Wald mit Leben füllen.

Mit einem Schritt vor das Objektiv des Projektors wird diese Idylle zerstört und versinnbildlicht den leichtfertigen und fahrlässigen Eingriff des Menschen in die Natur, aber auch seine Vorstellung davon, die sich in der Gestaltung eines Gartens als vermeintlich natürlicher Oase widerspiegelt. Dass er dieser Installation den Titel „Jedem das seine im Buchenwald“ gab, lässt noch sehr viel weitergehenden Raum für Interpretationen und kontroverse Diskussionen, fordert er den Bezug zu dem berüchtigten KZ damit doch geradezu heraus.

Vielleicht erfüllt die Ausstellung so nicht ganz das angestrebte Ziel dem Besucher gleich einem Garten als Reservat und Rückzugsraum zu dienen. Und auch wenn einige der Arbeiten wegen des breit angelegten Mottos letztlich austauschbar sind, lohnen die wenigen sehenswerten den Besuch. Darüber hinaus ist der Wettbewerb um den Platz im Garten eigentlich schon verloren, geht es doch darum, die winterharten Pflanzen nicht ins Haus holen zu müssen, um sie vor Frost zu schützen. Die Harten bleiben im Garten und man lässt sie im Regen stehen.

Bis zum 6. November im Konschthaus beim Engel.


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