Ausstellung
: Sterbliche Hülle


Im Rahmen der Kampagne „Les voix du féminisme“ sind noch bis zum 5. April feministische Werke der Künstlerin Désirée Wickler in der Abtei Neumünster ausgestellt. Leitmotiv der Ausstellung „Sweet Dreams?“ ist das Verhältnis von Frauen zu ihrem Körper.

In der Ausstellung „Sweet Dreams?“ dreht sich alles um mit Körpern verbundenen Sehnsüchte, Ängste, Zweifel und Normen. (Bildquellen : Facebook Page “neimënster”)

„Wer will ich sein? Welches sind meine Ängste, Sehnsüchte und Zweifel, und wie kollidieren diese mit der Gesellschaft? Wie will ich mich zeigen?“, so beschrieb Désirée Wickler das Anliegen der Ausstellung „Sweet Dreams“ auf der Vernissage am vergangenen Freitag. 1983 in Luxemburg geboren, absolvierte Wickler von 2004 bis 2008 ein Kunststudium in Deutschland. Nach Künstlerresidenzen in Saarbrücken, Grevenmacher und Wittenberg, ist sie nun wieder zurück in Luxemburg. „Wir wollten eine Künstlerin, die mit Frauen, mit Frauenkörpern, mit der Relation von Frauen zu ihrem Körper arbeitet, und das war für uns ganz eindeutig Désirée“, erklärte die Direktorin der Abtei Neumünster Ainhoa Achutegui. CID – Fraen an Gender-Mitarbeiterin Christa Brömmel ergänzte, es sei wichtig, dass Kunst Teil des Feminismus sei und dieser sich wiederum in der Kunst ausdrücken könne. Kunst könne dazu beitragen, feministische Fragen zu stellen, feministische Antworten zu finden und gesellschaftspolitische Themen weiterzubringen.

„Sweet Dreams?“ besteht größtenteils aus Zeichnungen; einzig „Carne Vale“ setzt sich aus Fotografien zusammen. Auf diesem Werk sind Menschen bzw. Teile ihrer nackten Körper zu sehen. Bei manchen ist die Haut vernarbt, bei anderen liegen rohe Fleischstücke auf der Haut. In der Bilderkollektion „Badezimmergeflüster“ wird mit Bezugnahme auf Erotik, Tod, Trauer und Einsamkeit ein eher bedrückendes Bild gezeichnet. Auf die Badezimmer-Thematik nehmen immer wieder einschlägige Objekte – Kacheln, Waschbecken, Badewannen – Bezug. Textliche Zusätze wie „Bleib sauber“ oder „In deinen Hüften schwingt der Tod“, die auf einigen der Bilder zu finden sind, scheinen auf an Körper gerichtete Erwartungen und auf Negativkonnotationen der Nacktheit zu verweisen.

Wickler zeigt in dieser Ausstellung aber nicht nur Körper; mittels der immer wieder aufscheinenden Themen Erotik, BDSM und Tod reflektiert sie auch die mit Körpern verbundenen Normen, Ideale, Ausdrucksformen, Konnotationen und Tabus. Zentrales Motiv ist die einsame Beschäftigung mit dem eigenen Körper – die zumeist entweder mit Hygiene oder mit Sexualität zu tun hat. Eines der wenigen Bilder, auf denen mehr als nur eine Person zu erkennen ist, ist „Fight“. Körperkontakt erfolgt hier jedoch einzig unter der Bedingung eines Gewaltakts.

Als Gesamteindruck bleibt ein eher beklemmendes Gefühl. Denn es geht hier nicht so sehr um einen Aufruf zur uneingeschränkten körperlichen Freiheit. Vielmehr erfolgt eine kritische Reflektion darüber, in welchen Kontexten und unter welchen Bedingungen unsere Gesellschaft bestimmte Ausdrucksweisen von Weiblichkeit und Körper zulässt. Wicklers Werke verweisen auf die Gratwanderung zwischen Autonomie und gesellschaftlichen Ansprüchen, der Frauen mit ihrem Körper unablässig ausgesetzt sind.


Kriteschen an onofhängege Journalismus kascht Geld - och online. Ënnerstëtzt eis! Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld - auch online. Unterstützt uns! Le journalisme critique et indépendant coûte de l’argent - en ligne également. Soutenez-nous !
Tagged . Bookmark the permalink.

Comments are closed.