AUTOFESTIVAL: Von 100 auf Zero

In diesem Jahr sind die klassischen Spar-Autos aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geraten und die elektrischen als Öko-Autos der Zukunft noch kaum zu sehen.

Öko-Autos? Das war gestern. Nachdem das Nachhaltigkeitsministerium die Prämien für den Kauf von verbrauchsarmen Wagen gestrichen hat, steht das diesjährige Autofestival ganz im Zeichen von Sport und Luxus. Einzig die Prämie für Elektroautos ist geblieben. Doch die sind nicht unbedingt verbrauchsarm. So bewirbt Mercedes im Festival-Flyer den viermotorigen SLS AMG Coupé Electric Driven als den schnellsten elektrisch angetriebenen Serienwagen der Welt, der es binnen 3,9 Sekunden von Null auf Hundert schafft.

Gewiss, die Elektromobilität spielt in den langfristigen Zukunftsszenarien für durchgreifende CO2-Reduktionen eine wichtige Rolle. Doch kurzfristig dient sie vor allem dazu, die Illusion aufrecht zu erhalten, der motorisierte Individualverkehr in seiner heutigen Form könne mit dem Klimaschutz in Einklang gebracht werden. Auch bleiben viele Fragen ungeklärt, vor allem die nach der Herkunft des getankten Stroms. Die Zweifel an der Praxistauglichkeit der E-Cars, die einen hohen Preis mit einer eingeschränkten Reichweite verbinden, haben zum Beispiel den Verkehrsclub Deutschland bisher davon abgehalten, diese Modelle in seine Umweltliste aufzunehmen (woxx 1179). In Luxemburg dürfte das nur punktuell vorhandene Tankstellennetz viele Interessenten zögern lassen: Seinen E-Car über Nacht zu Hause aufzuladen, funktioniert nämlich nur, wenn man über eine Garage mit Stromanschluss verfügt.

Der nationale Energiekonzern Enovos will diesen Schwierigkeiten entgegenwirken und bietet diverse Leasing-Arrangements für E-Cars sowie öffentliche Ladestationen an, die mit einer „mobicard“ oder per SMS-Code genutzt werden können. Auf der gemeinsam mit dem CRP Henri Tudor betriebenen Webseite www.elektromobiliteit.lu erfährt man auch, dass es ein Pilotprojekt Nordstad gibt – wo sich dort Ladestationen befinden, bleibt allerdings ein Geheimnis.

Dagegen findet man eine Karte mit Tankstellen für die ebenfalls von Enovos geförderten Erdgasautos auf der Seite Mobigas.lu: ganze sechs davon gibt es zwischen Remerschen und Lintgen. Dieses Antriebssystem hat, anders als die E-Cars, seine Praxistauglichkeit bewiesen. Allerdings stellte die woxx in den vergangenen Jahren immer wieder fest, dass diese Autos trotz ihres guten Abschneidens in den Umweltbewertungen von den Importeuren stiefmütterlich behandelt werden. Auch in diesem Jahr führt zum Beispiel VW den Touran-Ecofuel-Van in der Online-Preisliste auf, nicht aber den VCD-Testsieger „eco up!“.

Der staatliche Lenkungseffekt beim Autokauf tendiert nach einem Jahrzehnt halbherziger Steuererhöhungen und mehr oder minder sinnvoller Ökoprämien wieder gegen Null. Doch das Projekt Oekotopten verteilt ein Label, das die Umweltprämien ersetzen soll, zumindest was die Signalwirkung angeht. Je nach PKW-Klasse liegt die CO2-Emissions-Obergrenze zwischen 95 und 125 Gramm pro Kilometer. Nur diese Modelle werden denn auch in die auf www.oekotopten.lu einsehbaren Listen aufgenommen – und natürlich die Elektroautos, für die es 5.000 Euro Prämie gibt. Befremdlich ist allerdings, dass letzteren ein CO2-Ausstoß von 0 Gramm zugeschrieben wird, wodurch der falsche Eindruck entsteht, Autofahren könne CO2-neutral sein.

Neben den Modell-Vergleichstabellen bietet Oekotopten auch eine lesenswerte „Ratgeber Auto“-Seite. Die kritischen Ausführungen zum Dieselkraftstoff passen nicht so recht zur sehr diesellastigen Modellauswahl, doch die Ablehnung von Biodiesel und die Empfehlung für Erdgasautos sind begrüßenswert. Leider bleibt auch bei der diesjährigen Auswahl der erste E-Car Luxemburgs, der Tazzari Zero von Electric Vehicle, außen vor. Dies ist umso unverständlicher als der alternative Stromanbieter Eida dieses Auto im Package mit grünem Strom anbietet und das Nachhaltigkeitsministerium den Zero-Kauf mit immerhin 1.000 Euro bezuschusst.


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