Jobsuche: Parlez-vous français?

von | 03.08.2021

Die luxemburgische Sprache dominiert in verschiedenen Sektoren den nationalen Arbeitsmarkt. Fremdsprachenkenntnisse sind jedoch sowohl im Großherzogtum als auch in seinen Nachbarländern gefragt. Fred Keup (ADR) stört sich an diesen Tatsachen.

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Der ADR-Politiker Fred Keup befragte den Arbeitsminister Dan Kersch (LSAP) innerhalb von einem Monat gleich zwei Mal zur luxemburgischen Sprache auf dem Arbeitsmarkt. In einer parlamentarischen Anfrage vom Juli behauptete Keup, die Adem wĂĽrde Jobsuchenden davon abraten, Luxemburgisch zu lernen. Kersch widersprach ihm und legte Zahlen fĂĽr das erste Semester 2021 vor.

Der Adem wurden in dem Zeitraum 20.000 Stellen gemeldet. Luxemburgischkenntnisse waren in 35 Prozent der Stellenangebote eine Einstellungsvoraussetzung. Diese Werte sind seit sechs Jahren gleich, variieren aber je nach Sektor.

Im Gesundheitsbereich verlangten 90 Prozent der Arbeitgeber*innen Kenntnisse im Luxemburgischen. Für arbeitsuchende Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen war die Sprache ebenfalls unumgänglich: In 96 Prozent der Stellenausschreibungen wurden luxemburgische Sprachkompetenzen vorausgesetzt. Auf welchem Niveau, teilte Kersch nicht mit.

In manchen Sektoren spielt das Luxemburgisch hingegen keine große Rolle: in den Rechtswissenschaften (17 Prozent), der Forschung (26 Prozent) und im Reinigungssektor (33 Prozent). Gerade im letzteren Bereich dürfte dies darauf zurückzuführen sein, dass vorwiegend Migrant*innen und Pendler*innen darin tätig sind: Ihre oft prekäre Lebenssituation sowie Sprachbarrieren werden von den Arbeitgeber*innen ausgenutzt, wie es aus dem Sektor heißt.

Kersch merkt in seiner Antwort an, dass die Adem interessierte Bewerber*innen in jedem Fall ermutige, Luxemburgisch zu lernen: „[A]n de läschten 3 Schouljoer [goufen] 7.000 sougenannten Bongen fir SproochecoursĂ« am LĂ«tzebuergeschen vun der ADEM erausginn, d.h. dass dĂ©i Aarbechtssichend d’SproochecoursĂ« zu engem tarif rĂ©duit maache kĂ«nnen.“ Die Adem gab auf Nachfrage der woxx an, dass die Hälfte der Gutscheine eingelöst wurde.

Der Arbeitsminister räumt in seiner Antwort an Keup ein, dass Französisch besonders wichtig sei, um auf dem nationalen Arbeitsmarkt „Fouss ze faassen“. Er verweist auf die veraltete Studie „Les langues dans les offres d’emploi du Luxemburger Wort“ von Isabelle Pigeron-Piroth und Fernand Fehlen aus dem Jahr 2010. „L’évolution la plus frappante concerne cependant le luxembourgeois qui tend à être de plus en plus demandé, mais aussi souhaité dans les offres d’emploi“, steht in der Kurzbeschreibung der Studie. Allerdings wurden damals in 61 Prozent der Stellenausschreibungen im Wort Französischkenntnisse gefordert.

Eine neue Studie von Pigeron-Piroth und Fehlen vom April 2021 liefert Daten für das Jahr 2019. In 76 Prozent der Stellenausschreibungen im Wort wurden Französischkenntnisse explizit erwähnt, in 68 Prozent Kompetenzen in der deutschen und in 67 Prozent in der luxemburgischen Sprache. Laut Pigeron-Piroth und Fehlen steigt die Nachfrage nach Luxemburgischkenntnissen im Hinblick auf die Stellenanzeigen im Wort: „La progression du luxembourgeois comme langue demandée a été très importante entre 2014 et 2019 (de 50,3% des annonces en 2014 à 67,3% en 2019). Le luxembourgeois apparait également en première place des langues souhaitées dans le Luxemburger Wort avec 9,8% en 2019, alors qu’en 1984, c’étaient seulement 1,4%.“

In Deutschland und Belgien ist Französisch als Fremdsprache übrigens weniger beliebt als in Luxemburg. Nach mehreren Studien lokaler Jobportale dominiert dort Englisch. Französisch liegt weit abgeschlagen auf Platz zwei. Was lokale Stellenausschreibungen auf der Plattform Indeed angeht, war Englisch 2020 auch in Frankreich die meistgefragte Fremdsprache, mit niedrigen Prozentsätzen gefolgt von Spanisch und Italienisch.

Fred Keup ist derweil nach wie vor der Meinung, dass Luxemburgisch auf dem Arbeitsmarkt untergeht, wie er in seiner zweiten parlamentarischen Anfrage zum Thema deutlich macht. Er forderte gestern weiterführende Informationen vom Arbeitsminister und erkundigte sich unter anderem nach Unterschieden zwischen den öffentlichen, privaten, und subventionierten Sektoren. Die Antwort steht noch aus.

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