Armee-Fahrzeuge: Karneval der Tiere

Luxemburgs Armee auf Einkaufstour: Nach Flugzeugen und Satelliten soll jetzt Ersatz für die gepanzerten Fahrzeuge Humvee und Dingo beschafft werden. Eine Pressekonferenz wurde einberufen, um das Warum zu erklären, nicht aber das Was.

Mit mir ist nicht zu spaßen! Belgischer Griffon.
(Wikimedia; Ger Dekker; CC BY-SA 2.0)

Die Luxemburger Armee bekommt in den nächsten Jahren neue Kampffahrzeuge, das kündigte der zuständige Minister François Bausch auf einer Pressekonferenz am 2. Juni an. Als Grund wurde unter anderem angeführt, dass derzeit zwei verschiedene Fahrzeugtypen im Einsatz sind, was die Logistik erschwert. Die „Humvees“ (High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle, HMMWV) bieten zudem keinen ausreichenden Schutz vor Sprengfallen, wie sie in Afghanistan und in Mali gegen westlichen Trupen eingesetzt werden.

So einleuchtend wie das klingt, ist es allerdings nicht. Als 2010 die Dingos angeschafft wurden, bestand die Perspektive, den gesamten Furhrpark auf dieses vom deutschen Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann hergestellte Fahrzeug umzustellen. Nun sollen die Dingos ab 2025 ersetzt werden – nach 15 Jahren Dienst ein recht früher Abgang für Militärmaterial. Fakt ist, dass man mit den Dingos einen Fehlgriff begangen hat – was vermutlich eher auf Pech als auf Inkompetenz zurückzuführen ist. Zwar sind die Fahrzeuge immer noch in gutem Zustand und haben sich auch gegen Sprengfallen bewährt. Doch Ersatzteilbeschaffung und Reparatur seien nicht mehr gesichert („plus de service après-vente“), heißt es im Pressedossier. Außerdem nutzten die Fahrzeuge derzeit ein Steuerungs- und kommunikationssystem, das unter Windows XP laufe. Dieses Betriebssystem ist zwar als stabil bekannt, aber 20 Jahre alt, und auch hier gilt: „plus de service après-vente“.

Maschinengewehr gegen Coronavirus?

Im Pressedossier wird erläutert, dass eine Aufrüstung der Dingos zwar technisch möglich sei, sich aber bei einem Kostenpunkt von 240 Millionen Euro (für 48 Fahrzeuge) nicht lohne. Geplant ist stattdessen, für maximal 367 Millionen den gesamten Fuhrpark (inklusive der 42 Humvees) durch 80 Fahrzeuge eines neuen Typs zu ersetzen. Was aus den alten Fahrzeugen, insbesondere den Dingos, wird, ist nicht bekannt. Möglich, dass sie – ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft – einer Weiterverwendung zugeführt werden, vielleicht bei unserem „Alliierten“ Katar, der bereits neue Dingos in Deutschland in Bestellung hat.

Dass für den Einsatz im Rahmen von Auslandsmissionen Fahrzeuge benötigt werden, die gut zu warten sind und einen ausreichenden Schutz bieten, leuchtet ein. Der Pressedossier-Verweis auf den „zunehmenden Rückgriff auf die Armee“  auf nationaler Ebene im Zusammenhang mit Naturkatastrophen und Covid-19 dagegen überrascht. Fahrzeuge wie die Dingos oder ihre Nachfolger sind völlig überdimensioniert für Aufgaben im Rahmen des Zivilschutzes. (Mehr über eine ähnlich irreführende Begründung für die Anschaffung eines Tankflugzeugs auf online-woxx: Was ist ein A330 MRTT?)

Dingo-Ersatz: Griffon, Jaguar oder Serval?

Durch welches Fahrzeug die Dingos, benannt nach dem australischen Wildhund, ersetzt werden, ist noch nicht bekannt. Die Chancen stehen aber nicht schlecht, dass die Wahl wieder auf einen Hund fällt: den Griffon. Als Griffons werden mehrere französische Jagdrassen und belgische Zwergrassen bezeichnet (und ein Fabeltier, der Greif). Nach dem Griffon wurden auch die Mehrzweck-Panzerfahrzeuge (véhicule blindé multirôle VBMR) benannt, mit denen Frankreich seit 2019 seine Landstreitkräfte ausstattet. In einen Griffon passen bis zu zehn Soldat*innen, die Standardbewaffnung ist ein ferngesteuertes Maschinengewehr auf dem Fahrzeugdach.

Der Wechsel von dem einen großen Nachbarn, also Deutschland, zum anderen, ist dem kleinen Nachbarn Belgien geschuldet. Die belgischen Streitkräfte ersetzen nämlich unter anderem ihre Dingos durch französische Fahrzeuge. Künftig setzt Belgien auf die Zusammenarbeit mit französischen Truppen und beteiligt sich am Modernisierungsprogramm Scorpion („synergie du contact renforcée par la polyvalence et l’infovalorisation“).Theoretisch käme auch eine Katze als Dingo-Ersatz in Frage: der Jaguar, ein Radpanzer mit 40mm-Kanone, der ebenfalls Teil des französischen Scorpion-Programmes ist und von Belgien ausgewählt wurde. Ein solches Waffensystem wäre aber etwas schwer für die beiden luxemburgischen Aufklärungskompanien – und würde das Budget wohl sprengen.

Oshkosh trifft Scorpion

Eine weitere Alternative wäre ebenfalls eine Katze: die leichte Variante des VBMR, der Serval (für bis zu zehn Soldat*innen). Dieser VBMR-L verfügt wie der Dingo über einen 4×4-Allradantrieb, wohingegen Griffon und Jaguar 6×6-Fahrzeuge sind. Seinen Namen hat er von der afrikanischen Raubkatze – vielleicht im Hinblick auf Einsätze im Rahmen der „Françafrique“-Politik (die französische Mali-Intervention von 2013 wurde bereits „Opération Serval“ genannt).

Ohne Tiernamen muss die letzte Alternative auskommen: Das Oshkosh L-ATV (Light Combat Tactical All-Terrain Vehicle) wäre noch leichter und vor allem billiger. Wie bei Griffon und Serval lässt sich beim Oshkosh ein ferngesteuertes Maschinengewehr auf dem Dach montieren, es fasst aber nur bis zu fünf Soldat*innen. Das Fahrzeug kommt aus den USA und wird dort von Armee und Marinekorps eingesetzt. Auch Belgien hat mehrere Hundert Oshkosh L-ATV bestellt – allerdings müssen sie erst einmal ins französische Scorpion-System integriert werden.

 


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