Fleischhandel: Auf Kosten indigener Völker

von | 25.09.2025

Fleischexporte des Konzerns JBS könnten aus illegaler Rinderzucht auf indigenem Land im Amazonas stammen, deckt eine neue Studie von Greenpeace Brasilien auf. Das illegale Fleisch könnte auch auf Tellern von EU-Konsument*innen gelandet sein.

(Foto : Tuane Fernandes/Greenpeace Brasil)

Das Fleischverarbeitungsunternehmen JBS, das unter anderem die Fastfoodkette „McDonald’s“ beliefert, ist erneut in eine Kontroverse geraten. Eine am 25. September veröffentlichte Analyse von Greenpeace Brasilien hat Fleisch des Konzerns zu einem Betrieb zurückverfolgt, der Rinder illegal auf indigenem Land züchtet. Dabei verpflichtete sich JBS schon 2009 dazu, die Abholzung des Amazonas aus seiner Lieferkette zu verbannen – ohne Erfolg (woxx 1834). „Der aktuelle Fall zeigt erneut deutlich, dass das Unternehmen nach wie vor nicht in der Lage oder nicht willens ist, seine Versprechen einzuhalten”, kommentierte Martina Holbach von Greenpeace Luxemburg.

Trotz Verpflichtungen verzögere das Unternehmen weiterhin die Kontrolle seiner indirekten Lieferanten, kritisiert der Greenpeace-Bericht. So auch im Falle von Mauro Fernando Schaedler, dem die Umwelt-NGO vorwirft, Rinder auf dem Land des Naruvôtu Volkes gezüchtet zu haben. Dieses steht seit 2016 unter offiziellem Schutz. Deren „Besetzung […] sowie die Ausübung landwirtschaftlicher Tätigkeiten […] durch nicht-indigene Besetzer ist verfassungsrechtlich verboten“, heißt es im Bericht. Wie Greenpeace aufzeigt, hat Schaedler außerdem schon mehrere Geldstrafen in Höhe von rund einer halben Million Euro vonseiten der brasilianischen Umweltbehörde erhalten. Auch ein Embargo wurde ihm erteilt: Die Rinderzucht auf 592 Hektaren seines Betriebs Fazenda Três Coqueiros, das teils auf Naruvôtu Land liegt, ist nicht erlaubt.

Dennoch habe Schaedler auf Fazenda Três Coqueiros weiterhin Rinder gezüchtet und die Tiere anschließend an JBS weiterverkauft. Dies, indem er sie als erstes auf einen zweiten Betrieb, den Fazenda Itapirana, transportiert habe. Von diesem aus wurden die Rinder anschließend an zwei verschiedene JBS-Schlachthöfe verkauft, von denen einer nach Europa exportiert. Die Praxis ist als „cattle laundering“ bekannt: Demnach wird nur der letzte Zuchtbetrieb genannt. Indem JBS seine Lieferkette nicht genügend kontrolliere, sei der Konzern an der illegalen Zucht und der Verletzung indigener Rechte mitbeteiligt, so der Vorwurf der Umweltschützer*innen. Bis wenigstens Juli 2021 wurde das JBS-Fleisch von Fazenda Itapirana in mehrere EU-Länder exportiert, überwiegend nach Italien, den Niederlanden, Spanien und Deutschland, so Greenpeace. EU-Konsument*innen könnten so unwissentlich auf indigenem Land illegal gezüchtetes Rindfleisch konsumiert haben.

Sorgen um EU-Mercosur-Abkommen

Der Greenpeace-Bericht erscheint wenige Tage vor der Abstimmung des Handelsteils des umstrittenen Freihandelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Ländern (woxx 1816). 15 der 27 EU-Mitgliedstaaten sowie das Europäische Parlament müssen dem Text zustimmen, damit dieser in Kraft treten kann. Indigene Gemeinschaften, darunter der Verband der indigenen Völker Brasiliens (Apib), befürchten, dass das Abkommen die Fleischproduktion und somit auch die Abholzung verstärken wird (woxx 1853). Denn durch die niedrigeren Zolltarife und die höheren Quoten würden Unternehmen ihre Produktion von Rindfleisch, aber auch von Soja, hauptsächlich als Futtermittel, und anderen Agrargütern steigern. Die Abholzung in den Mercosur-Ländern könnte so laut Apib jährlich um fünf Prozent steigen. Gleichzeitig könnte der Konzerngigant JBS zusätzliche Gewinne in Milliardenhöhe erzielen, wie eine Analyse des Rechercheinstituts „Profundo“ ausgerechnet hat.

Die luxemburgische Regierung müsse „das vorliegende EU-Mercosur-Abkommen ablehnen und die EU-Entwaldungsverordnung vollständig und ohne weitere Verzögerungen umsetzen“, fordert Greenpeace. Ohne die Entwaldungsverordnung (EUDR) könne die EU nicht sicherstellen, ob ein Produkt mit Abholzung in Verbindung steht. Bei der Umsetzung der EUDR scheint die EU-Kommission jedoch in die entgegengesetzte Richtung zu gehen: Obschon die Anwendung der Verordnung bereits abgeschwächt und bis Ende 2025 verzögert worden war (woxx 1812 und woxx 1846), kündigte die Kommission am vergangenen Dienstag eine erneute Verschiebung um ein weiteres Jahr an.

Die Mehrheit der aktuell in die EU importierten Geflügel- und Rindfleischprodukte stammen von JBS. Da das Unternehmen mehrere Holdinggesellschaften in Luxemburg hat, fordert Greenpeace, dass der hiesige Finanzplatz seiner Sorgfaltspflicht nachkommt. Zudem sollen Regierungen auf der im November stattfindenden COP30 einen Umsetzungsplan einführen, mit dem Ziel, der Abholzung der übrigbleibenden Wälder bis 2030 weltweit ein Ende zu setzen.

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