RAOUL ZELIK: Kotzen in der Fremde

„Bastard – die Geschichte der Journalistin Lee“, Assimilation A, 15 Euro, ISBN 3-935936-25-7

Die „Süddeutsche Zeitung“ sagt ihm schon eine Karriere als „Manu Chao der deutschen Popliteratur“ voraus – ein blöder Vergleich. Denn Manu Chao singt fröhlich-engagierte Texte. Die Sprache, die Raoul Zelik in seinem jüngsten Roman Bastard verwendet, ist hingegen grimmig, manchmal vielleicht etwas zu bemüht sarkastisch. Heutzutage ist es eben schick, radikal und respektlos zu schreiben, und mit vielen Anglizismen. Engagiert aber ist seine Geschichte. Carla Lee ist eine Studentin unserer Zeit. 27 Jahre jung, in Deutschland geboren und aufgewachsen, ihr Vater ein koreanischer Gewerkschaftsführer. Als „Assimilationskanakin“ oder „Schlitzauge“ im Deutschland nach Solingen und Hoyerswerda, als Bulimie-Kranke im eigenen Körper – Fremdsein ist Lees großes Thema. mehr lesen / lire plus

CLAUDINE MUNO: Coole Frigo

Op der lay, 2003. Isbn 2-87967-106-x

Wou huet et dat alles hier, déi Strutz vu knapps 25 Joer? Wat d’Schrëftstellerin (a woxx-Redactrice) Claudine Muno an hirem Roman „frigo“ alles zerwéiert, léisst op eng erstaunlech Liewenswäisheet schléissen. Entweder, si huet schnell a vill gelieft, oder si ass extrem douéiert fir d’Lëtzebuerger Klengfamill an all hire Facetten ze beschreiwen. En Hang zum absurden Humor vermëscht sech an dësem Roman mat enger gewësser Tristess, awer och mat vill Poesie. Wann d’Muno d'“Zallamangee“ lies d’Gebëss vun der verstuerwener Groussmamm lieweg gi léisst, dann erënneren déi Passage scho bal u Boris Vian. Virun allem awer ass si eng Meeschtesch vun der Sprooch: Dat kënnt esou säfteg-defteg dohier, dass een direkt spiert: Déi Fra huet keng Angscht virun der Sprooch, déi mécht och kee Gedeessems domat, déi ass einfach an hirem Element. mehr lesen / lire plus

J.D. SALINGERS: Der Fänger in Texas

DBC Pierre, „Vernon God Little“, Faber, 2003, 277 Seiten.

Jede Generation hat wohl ihren „Fänger im Roggen“. J.D. Salingers Kultbuch wirft auch im 21. Jahrhundert noch lange literarische Schatten. Vernon Gregory Little, der schwarzhumorige Protagonist von DBC Pierres „Vernon God Little“ ist zweifellos ein kleiner Bruder des großen Holden Caulfield. Nachdem ein Mitschüler an seiner Highschool im tiefsten Texas ein Massaker veranstaltet hat, gerät ausgerechnet Vern in Verdacht, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Anders als Nick McDonell in „Twelve“ betrachtet DBC Pierre das ernste Thema nicht ernüchternd desillusioniert, sondern fährt statt dessen eine ganze Armee von schrulligen Nebenfiguren auf. mehr lesen / lire plus

Klappe, die zehnte: EXPLORATOR

City Guide 2004 Luxembourg, 8 €

Ein schlichtes „Dixième“ auf blauem Hintergrund hat der Explorator für die nunmehr zehnte Ausgabe des frankophonen luxemburgischen Stadtführers als Cover gewählt. Auf über 430 Seiten gibt es – neben lästigen Werbeanzeigen und im üblichen Hochglanzstyling – allerlei nützliche Informationen über Restaurants, Bars und Diskotheken. Schade nur, dass die Preiskategorien der verschiedenen Küchen nicht gleich in der Übersichtsliste aufgeführt sind, sondern nur bei der jeweiligen Kurzbeschreibung – das würde all jenen Zeit ersparen, die gezielt nach einer Lokalität für ihre Geldbörse suchen. Nervig ist auch der „Nightlife Picture Report“: Die auf Fotos der Spaßgesellschaft à la luxembourgeoise können nicht davon ablenken, dass hier zu Lande die Diskos regulär schon um ein Uhr schließen. mehr lesen / lire plus

EASY RIDER, RAGING BULLS: Porträt einer Filmepoche

Das Ziel aller Träume war die Traumfabrik selbst: Doch die Hollywoodstudios standen gegen Ende der 1960er Jahre am Rande des Bankrotts – finanziell und erst recht künstlerisch. Da begannen ein paar junge Regisseure Filme zu drehen. Sie brachen mit den bestehenden Konventionen der Studios und nahmen das Heft auf ihre Weise in die Hand – und zwar radikal. Peter Bogdanovitch, Francis Ford Coppola, Dennis Hopper, Mike Nichols, Arthur Penn und Martin Scorsese sind nur einige von ihnen. Das New Hollywood Cinema war geboren. Peter Biskind hat die Geschichte dieser neuen Generation aufgeschrieben. In „Easy Riders, Raging Bulls“ erzählt er von dieser Epoche des amerikanischen Kinos vom Anfang bis zu ihrem Ende. mehr lesen / lire plus

Paul Lesch: Heim ins Ufa-Reich

In seiner Studie „Heim ins Ufa-Reich“ analysiert der Historiker Paul Lesch das Tauziehen zwischen der luxemburgischen Bevölkerung und den Nazi-Besatzern um die ideologische Vormachtstellung im luxemburgischen Kino.

Der Luxemburgische Filmschauspieler René Deltgen sympatisierte überall mit den Nazis.

Wider die braune Schmutzflut

„Wir werden uns gegen die braune Schmutzflut schützen müssen. Deutsche Filme wollen wir nicht mehr so kritiklos hinnehmen wie bisher.“ Diese kämpferischen Sätze stammen aus der Feder des Luxemburgers Evy Friedrich. Der junge Filmkritiker schrieb sie im Jahre 1933 in der Studentenzeitschrift „La Voix des Jeunes“. Friedrich gehörte zu den wenigen, vornehmlich linksliberalen Journalisten, die sich früh und vehement gegen die Aufnahme von deutschen „Tendenzfilmen“ ins damalige luxemburgische Kinoprogramm aussprachen. mehr lesen / lire plus