COP26 aufgeschoben, Klimaschutz nicht aufgehoben?

Die Covid-19-Pandemie hat eine Verlegung des für November geplanten Klimagipfels notwendig gemacht. Das sehen auch die NGOs so, doch sie warnen davor, den Klimaschutz zu vergessen.

Das Scottish Exhibition and Conference Centre in Glasgow, wo die COP26 Anfang 2021 stattfinden soll.
(Richard Webb / Concourse, Scottish Exhibition and Conference Centre / CC BY-SA 2.0)

„Die Entscheidung des COP-Büros, die COP26 zu verlegen, ist leider notwendig, um alle Delegierten und Beobachter zu schützen.“ So begründete am vergangenen Mittwoch die COP25-Präsidentin Carolina Schmidt die Absage der für November geplanten Weltklimakonferenz. Das war kein Aprilscherz – für Schmidt war es außerdem zum zweiten Mal, dass sie einen solchen Gipfel absagen musste. Die chilenische Umweltministerin war im November vergangenen Jahres schon an der Verlegung der COP25 beteiligt (online-woxx: „Von Santiago nach Madrid“). Die Begründung war eine ähnliche – die Sicherheit der Teilnehmer*innen –, doch damals waren es die Proteste der chilenischen Zivilgesellschaft, die eine Herausforderung für die Ausrichtung der Konferenz darstellten.

Die diesjährige COP (Conference of the Parties) sollte vom 9. bis zum 20. November in Glasgow stattfinden. In den vergangenen Wochen war bereits über eine Absage spekuliert worden (woxx 1572: „Corona rettet Klima, oder?“). Es war wohl weniger die Einschätzung epidemiologische Lage im November als die Verzögerungen und Komplikationen bei den Vorbereitungen, die den Ausschlag gaben. Angesichts der Verschärfung der Auswirkungen der Covid-19-Epidemie waren, anders als vor zwei Wochen, keine ablehnenden Stimmen seitens der Klimaschützer*innen mehr zu vernehmen.

CAN warnt vor „Klima-Virus“

„In Anbetracht der fortdauernden weltweiten Auswirkungen von Covid-19 ist es nicht mehr möglich, eine ehrgeizige, umfassende COP26 im November 2020 abzuhalten“, so das Kommuniqué des Sekretariats der Klimarahmenkonvention UNFCCC. Seinerzeit war die Verlegung der COP25 von großen Teilen der Zivilgesellschaft abgelehnt worden. Insbesondere in Chile wurde gemutmaßt, die Regierung wolle die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit vom Land ablenken. Die Sorge, dann könne die Repression gegen die Zivilgesellschaft umso brutaler fortgesetzt werden, hat sich zum Glück nicht bestätigt. Allerdings war es für die Zivilgesellschaft schwierig, kurzfristig einen Gegengipfel im neuen Veranstaltungsort Madrid auf die Beine zu stellen (online-woxx: „COP25 à Madrid: défis pour la société civile“). Im Dezember 2019 waren Präsenz und Einfluss der Klimaschutz-NGOs denn auch begrenzt – wohingegen die Ausrichtung in Lateinamerika starke Impulse in Richtung Klimagerechtigkeit hatte erwarten lassen.

Anders als 2019 zeigen die Klimaschutz-NGOs diesmal Verständnis für die Verlegung des Gipfels: „Alle unsere Anstrengungen konzentrieren sich auf den Kampf gegen die Covid-19-Pandemie (…) unter diesen Umständen erkennen wir die Notwendigkeit an, die Konferenz zu vertagen“, so Tasneem Essop, Direktorin des Climate Action Networks (CAN). Allerdings dürfe die Pandemie uns die ökologische Krise nicht vergessen lassen: „Wie ein sich schnell verbreitender Virus nimmt der Klimawandel auch keine Rücksicht auf Staatsgrenzen. Wenn ein Land gefährdet ist, sind alle gefährdet.“ Das Aufschieben der Konferenz dürfe nicht dazu führen, dass die Anstrengungen zum Schutz des Klimas aufgeschoben würden.

Regierungen müssen NDCs überarbeiten

Glasgow, die Stadt mit dem Baum im Wappen!
(StaraBlazkova at Czech Wikipedia / CC BY-SA 3.0)

Insbesondere der wirtschaftspolitische Umgang mit der Coronavirus-Krise wird als ausschlaggebend angesehen. „Insbesondere ist entscheidend, dass alle Länder ihre Maßnahmenpakete für die Wirtschaft mit den Erfordernissen des Klimaschutzes abgleichen“, so Manuel Pulgar-Vidal von WWF im CAN-Kommuniqué. So gebe es viele Möglichkeiten, neue Jobs zu schaffen in Sektoren, die klimaneutral sind und eine hohe Arbeitsintensität aufweisen, unter anderem die digitalen Infrastrukturen, Energie- und Wärmesanierung, nachhaltiger öffentlicher Verkehr, Ausbau der Solarenergienutzung in Städten und Wiederherstellung von Biotopen.

Die COP26 war als die Konferenz der finalen Umsetzung des Pariser Abkommens geplant. Das teilweise Scheitern der vorhergehenden Klimapgipfel hat die Erwartungen noch verstärkt. So war geplant, dass alle Staaten ihre Klimaschutzziele so überarbeiten würden, dass die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad begrenzt würde. Dafür sollten sie bis zur COP26 neue „Nationally Determined Contributions“ (NDC) vorlegen. Bisher haben dies laut Climate Home die Marshall-Inseln, Surinam, Norwegen und die Republik Moldau getan. Und Japan, allerdings mit einem Copy-Paste seiner (unzureichenden) Ziele von 2015.

Der neue Termin für die COP26 wird in den kommenden Wochen bekanntgegeben. Die Regierungen haben so ein paar Monate mehr Zeit, ehrgeizige NDCs auszuarbeiten. Sollten sie diese Zeit nutzen, so würde sich aus der Corona-Krise eine klimapolitische Chance ergeben – statt eines Vorwands, um sich vor konsequenten Klimaschutzmaßnahmen zu drücken.

 


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