Google und das Trinkwasser

von | 06.06.2019

In Bissen soll eine „Zone spéciale data center“ entstehen. Im Vorfeld der Abstimmung im Gemeinderat warnt der Mouvement écologique vor den Folgen.

(Wikimedia / Anynobody / CC BY-SA 3.0)

Alles tun, um Google nach Bissen zu bekommen und sich danach über Risiken und Nebenwirkungen des Data Center wundern, das könnte laut Mouvement écologique beim derzeitigen Vorgehen der dortigen Gemeindeverwaltung passieren. Im März hatte die NGO in die Debatte eingegriffen und die Unzulänglichkeiten des Umweltberichts in zahlreichen Bereichen kritisiert („Google au Luxembourg: le centre et la mêlée“).

Die jüngste Stellungnahme des Mouvement erfolgt hinsichtlich einer anstehenden Abstimmung im Bissener Gemeinderat und konzentriert sich auf die Problematik des Wasserverbrauchs. Der könne „gemäß Schätzung sogar [bei] über 10 Prozent des gesamten Trinkwasserverbrauchs Luxemburgs liegen“. Auch wenn zum Kühlen statt Trinkwassser Flusswasser genommen werde, sei das „höchst problematisch“. Unklar sei insbesondere, ob dies in den Sommermonaten von der Quantität her möglich und zulässig sei – aus Sicht des Naturschutzes.

Trinkwasser statt Kühlwasser!

Die NGO geht davon aus, dass zumindest im Sommer auf Wasser aus dem Obersauer-Stausee zurückgegriffen würde, also Trinkwasser aus der vom Syndikat Sebes verwalteten nationalen Reserve. „Kann die Sebes in Sommermonaten, bei Knappheit des Trinkwassers, ausreichende Mengen sowohl für Google als auch für die Bevölkerung zur Verfügung stellen?“, fragt der Mouvement. Und erinnert daran, dass die Grundwasserreserven auf einem unterdurchschnittlichen Niveau sind, man in heißen Sommern also mit Trinkwasserknappheit rechnen müsse.

Derzeit müssen die Sebes-Abnehmer wie Trinkwassersyndikate und Großbetriebe pro Jahr eine bestimmte Menge Wasser zu einem bestimmten Preis vorbestellen („capacité réservée“). Wird diese überschritten, so steigt der Kubikmeterpreis erheblich an. Falls Google das Wasser über das regionale Syndikat beziehen würde, warnt der Mouvement davor, dass für diese Mehrkosten die Allgemeinheit aufkommen müsste. Und fragt: „Wird Google eine spezifische Lösung direkt mit der Sebes aushandeln wollen und dies womöglich noch zu speziellen, vorteilhafteren Bedingungen?“ Diese Mutmaßungen sorgten derzeit im „Syndicat des Eaux du Centre“ für Unruhe, so die NGO.

Umweltbericht ermöglicht keine Umklassierung

Aus alldem schließt der Mouvement écologique, dass der Gemeinderat nicht über ausreichende Informationen verfügt, um eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen. Am 20. Juni soll nämlich das für Google vorgesehene Areal aus einer Grünzone in eine „Zone spéciale data center“ umklassiert werden. Die NGO appelliert an die Gemeindeverantwortlichen sowie das Innen- und Umweltministerium, „keine Entscheidung über die Umklassierung zu treffen, bevor alle Fakten vorliegen“.

Gegenüber Paperjam hat daraufhin der Bissener Bürgermeister Jos Schummer versichert, es reiche, wenn die fehlenden Informationen im Rahmen des Plan d’aménagement particulier (PAP) vorgelegt würden (woxx 1531: „Kann kein Wässerchen trüben?“). Dies bezeichnete die NGO tags drauf in einem Nachtrag zu ihrer Stellungnahme als „falsch“. Im jetzt vorliegenden Umweltbericht sei festgehalten, dass starke Auswirkungen auf die Umwelt nicht ausgeschlossen werden könnten. Zum Bereich Wasser gebe es schlicht keine konkreten Aussagen. Zudem habe das Gutachten des Umweltministeriums laut Mouvement bestätigt, dass man auf dieser Grundlage keine Entscheidungen treffen könne. Die NGO ruft also weiterhin dazu auf, die Entscheidung über die Umklassierung auszusetzen.

 

Zum gleichen Thema: Der nur halb ernst gemeinte Vorschlag vom März, den Findel zu verkleinern, um dort das Data Center anzusiedeln („Quel développement économique pour le Luxembourg ?“).

 

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