Hate Speech: Kein Problem, wenn gut verpackt

Das US-Unternehmen Youtube will ab sofort strenger gegen diskriminierende Videos vorgehen. Gänzlich verboten werden sie jedoch nicht.

Youtube gibt sich LGBTIQA-freundlich, aber ist es das wirklich? (© William Murphy / wikimedia commons)

Am Mittwoch publizierte die Videoplattform Youtube eine überarbeitete Fassung ihrer Richtlinien. Die neue Regelung sieht vor, Videos zu löschen, die homofeindliche, sexistische, rassistische oder anderswie diskriminierende Botschaften enthalten. Damit will die Plattform fortan strenger gegenüber Hate Speech vorgehen. „Today, we’re taking another step in our hate speech policy by specifically prohibiting videos alleging that a group is superior in order to justify discrimination, segregation or exclusion based on qualities like age, gender, race, caste, religion, sexual orientation or veteran status“, heißt es unter anderem in einem entsprechenden Statement.

Es ist dem US-Unternehmen aber nach wie vor selbst überlassen, darüber zu urteilen, was als diskriminierend gilt und was nicht. Die negativen Konsequenzen davon werden auf ein Neues am aktuellen Fall des schwulen, lateinamerikanischen Vox-Journalisten Carlos Maza deutlich. Dieser hatte am 30. Mai auf Twitter anhand eines Videos und mehreren Tweets auf die wiederholten homofeindlichen und rassistischen Attacken auf ihn durch den kanadischen Talk-Show-Host Steven Crowder hingewiesen. Im Video, bei dem es sich um einen Zusammenschnitt der Sendung „Louder with Crowder“ handelt, bezeichnen Crowder und seine Co-Moderatoren Maza unter anderem als „angry little queer“, „Mr. gay vox“, „gay latino from vox“, „gay Mexican“ und „Mr. Lispy queer from Vox”. In mehren Folgen trägt Crowder ein T-Shirt mit der Aufschrift „Socialism is for F*gs“. Unterstützer*innen haben mittlerweile eine veränderte Variante des T-Shirts anfertigen lassen, mit dem Aufdruck „Carlos Maza is a F*g“.

Die Sendung wird zwar zuerst auf dem Sender Blaze TV ausgestrahlt, die Videos finden sich aber auch auf Crowders Youtube-Channel, der über fast vier Millionen Abonent*innen verfügt. „These videos make me a target of ridiculous harassment, and it makes life sort of miserable. I waste a lot of time blocking abusive Crowder fanboys, and this shit derails your mental health“, so Maza auf Twitter. Er sei zwar nicht wütend auf Crowder, dafür aber auf Youtube, das über Richtlinien verfügt, die ebensolche Inhalte verbieten. Dennoch sei bisher nichts unternommen worden.

Die Videoplattform reagierte am 5. Juni auf Mazas Kritik. Crowders Videos, so die Tochterfirma von Google, verletzten die eigenen Richtlinien nicht. Wie ist dies zu erklären, verbietet das Unternehmen doch explizit „content that is deliberately posted in order to humiliate someone“ und „content that makes hurtful and negative personal comments/videos about another person“? Die Plattform präzisierte Vox gegenüber, dass ausschlaggebend sei, ob Kritik im Zusammenhang mit einer größeren Debatte stehe oder hauptsächlich gegen ein Individuum gerichtet sei. Crowders Videos werden nicht als gegen Maza gerichtet gewertet, weil die oben genannten Beleidigungen im Kontext von Analysen von Mazas Vox-Videos stattgefunden hätten. Es scheint also, als gedenke Youtube nur solche Videos zu verbieten, die einzig zum Zweck der Diskriminierung produziert wurden. Wird vordergründig ein anderes Ziel verfolgt, wie beispielsweise eine politische Analyse, ist Hate Speech nach wie vor erlaubt.

In den vergangenen Tagen wurde Youtube dafür heftig kritisiert. Das Vorgehen des Unternehmens verärgert vor allem deshalb, weil es anlässlich des zurzeit stattfindenden Pride Monats, sein Logo in Regenbogenfarben präsentiert. In Reaktion auf die Kritik kündigte Youtube an, Steven Crowder nicht mehr von den Werbeeinnahmen durch Ad Sense profitieren zu lassen, es sei denn, er entferne Links zu den oben erwähnten T-Shirts, die er auf seiner Homepage zum Verkauf anbietet. Die Videos sind aber nach wie vor erlaubt.


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