HIV: Zu viele Neuinfektionen

von | 28.08.2017

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist die Zahl der HIV-Neu- infektionen in Luxemburg gestiegen. Das Gesundheitsministerium will nun darauf reagieren.

(Bild: Wikimedia Commons)

„Wir können keine positive Bilanz ziehen“, so Gesundheitsministerin Lydia Mutsch auf einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch. Der Jahresbericht 2016 des Comité de surveillance du SIDA verzeichnet einen traurigen Rekord: Im letzten Jahr kam es zu 98 HIV-Neuinfektionen. 2015 waren es noch 94 gewesen. 75 Neuinfizierte waren Männer, 25 Frauen. Besonders betroffen sind die 26 bis 35-Jährigen.

39 Personen haben sich durch heterosexuellen, 32 durch homo- oder bisexuellen Geschlechtsverkehr angesteckt. Während nach wie vor Sexualkontakte die Hauptursache der Verbreitung sind, lässt sich seit 2014 eine Zunahme der Infektionen durch intravenösen Drogenkonsum feststellen. Ein Prozent der DrogenkonsumentInnen hat sich 2016 auf diesem Wege infiziert.

Mutsch zufolge ist dies vor allem auf die erhöhte Verfügbarkeit von Kokain zurückzuführen. Im Vergleich mit Heroin verfügt Kokain über eine geringere Wirkungsdauer, sodass es öfter injiziert werden muss. Mehr Injektionen bedeuten eine höhere Risikoexposition. Auch greifen Kokainabhängige seltener auf Hilfestrukturen zurück und meiden überwiegend die Drogenkonsumräume. Sie sind häufig gesellschaftlich abgehängt und nicht krankenversichert.

Problematisch ist, dem Präsidenten des Aids-Komitees, Vic Arendt, zufolge, die zentralisierte Situation in der Hauptstadt. Dadurch, dass die Mehrheit an einem einzigen Ort – nämlich der Fixerstube – zum Drogenkonsum zusammenkommt, sei die Ansteckungsgefahr besonders hoch. Diesem Problem müsse durch eine Verbreiterung des Angebots von Konsumräumen begegnet werden. Eine Einrichtung in Esch/Azette soll ab 2018 einsatzfähig sein. Weitere sind jedoch nicht in Planung, so die Gesundheitsministerin.

Neue Maßnahmen geplant

Als Ergänzung zu bereits bestehenden Maßnahmen wie der Präventionsarbeit und der Verteilung von sterilem Injektionsmaterial plant das Gesundheitsministerium in Zusammenarbeit mit der HIV-Beratung nun weitere Schritte. So etwa ein mobiles Zentrum, das eine verbesserte Kontaktaufnahme mit anfälligen Gruppen ermöglichen soll. Im Unterschied zu vielen anderen Ländern sei ein Hilfesystem durchaus vorhanden, so Mutsch. Nun gelte es, möglichst viele Betroffene dazu zu bringen, dass sie von ihm Gebrauch machen.

Doch nicht nur Drogenabhängige und Prostituierte sollen angesprochen werden. Die Bevölkerung insgesamt gelte es zu sensibilisieren, so Mutsch. Nicht nur in der Drogenszene habe die Angst vor einer Ansteckung abgenommen. Auch in der breiteren Bevölkerung sei die Hemmschwelle für ungeschützten Sex gesunken. Einer Sensibilisierung für „Safer Sex“ komme deshalb bei der Aids-Prävention nach wie vor zentrale Bedeutung zu.

Zurzeit wird darüber nachgedacht, künftig DrogenkosumentInnen mit erhöhtem Risiko sogenannte Preps (Profilaxie pre-exposition) zur Verfügung zu stellen. Alle Maßnahmen werden im nächsten Nationalen Aids-Aktionsplan festgehalten. In Luxemburg sind zur Zeit 1065 Personen mit dem HIV-Virus infiziert.

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