LuxFilmFest: Ar Condicionado (Air Conditioner)

von | 08.03.2021

In „Ar Condicionado“ von Fradique fallen in Luanda Klimaanlagen vom Himmel. Dazu läuft Jazz. Über ein Märchen, das irritiert und verzaubert.

Copyright: Geração 80

Die Haushaltshilfe Zézinha (Filomena Manuel) und der Sicherheitsbeauftragte Matacedo (José Kiteculo) sollen die defekte Klimaanlage ihres Bosses reparieren. In ihrer Heimatstadt Luanda stürzen seit geraumer Zeit Klimaanlagen in die Tiefe oder geben den Geist auf. Menschen sterben, erschlagen von den Geräten. Warum das passiert, bleibt ein Rätsel. Genauso wie der Film „Ar Condicionado“ (Air Conditioner) von Regisseur Fradique.

Fradique erzählt langsam, nimmt sich Zeit für die Kunst der Kinematographie. Bald wirkt das Mysterium um die herunterfallenden Klimaanlagen nebensächlich. Die Beobachtung der Stadt rückt in den Mittelpunkt. Matacedo streift durch die zerbröckelnde Wohneinheit, wo trotz ärmlicher Verhältnisse immer jemand etwas zu essen für ihn übrig hat. Er hört Menschen, die nicht mit ihm sprechen. Seine dröhnenden Ohren bringen ihn um den Schlaf, vertraut er Zézinha an – und im Hintergrund spielt meancholische Musik von Aline Frazão, Francesco Valente, Paulo Flores und Iúri Oliviera. Oft läuft auch das Radio, in dem China für das Debakel mit den defekten und herunterfallenden Klimaanlagen verantwortlich gemacht wird: Es ist eine Verschwörungstheorie, um den Verkauf von Ventilatoren voranzutreiben. Im Laden des Elektrikers Mino (David Caracol) verliert Fradiques Film schließlich jeden Bezug zur Realität. Spätestens dann, wenn Matacedo und Zézinha mit Mino in einem Autowrack mit Lichterkette sitzen und defekte Klimaanlagen zur Videothek verlorener Erinnerungen mutieren.

Ar Condicionado“ ist ein Märchen, Gesellschaftporträt und kollektive Vergangenheitsbewältigung zugleich. Wer den Film krampfhaft zu verstehen versucht, beraubt ihn seiner Magie. Es ist ein humoristischer, absurder Film, der überrascht und irritiert. Dafür, dass „Ar Condicionado“ Fradiques erster Langspielfilm ist, wagt er viel.

Im Gespräch mit dem Portal „Screen Daily“ verriert er im Januar 2020, dass er selbst in einer vergleichbaren Wohneinheit lebt und aufgewachsen ist. Er wollte diesen Mikrokosmos einfangen. Der Cast zählt nur zwei ausgebildete Schauspieler*innen: Filomena Manuel und David Caracol. Hauptdarsteller José Kiteculo ist selber Produzent und dreht Filme in Nigeria. Die restlichen Protagonist*innen sind Menschen, die Fradique und sein Team in der Wohneinheit, in der sie den Film drehten, kennenlernten. Ihre Leistungen sind mittelmäßig bis gut. Fradique schrieb Szenen für sie und gab ihnen Schauspielunterricht. Vielleicht auch, weil in Angola keine öffentlichen Gelder für Filmproduktionen ausgezahlt werden, wie Fradique dem „Screen Daily“ sagte: „There’s no public funding for film in Angola or any kind of programmes. We understand that the country has a lot of social issues and economic problems (…). But we are not going to wait for them. If we have to do low budget we do low budget. We make stories with the means that we have.” Fradique, der übrigens auch Mitbegründer der unabhängigen Produktionsfirma „Geração 80“ ist, weiß sich dieser Mittel eindeutig zu bedienen.

Ar Condicionado“ läuft morgen, dem 9. März, um 19 Uhr in der Cinémathèque und ist noch bis zum 14. März auf der Online-Plattform des LuxFilmFests streambar. Auf portugiesisch mit französischen Untertiteln.

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