LuxFilmFest: Becoming Mona

Die hart anzusehende Charakterstudie zeigt auf nuancierte Weise die Nachwirkungen innerfamiliärer Gewalt auf.

Mona und ihr Bruder sind nicht älter als zehn als ihre Mutter bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Der Vater lernt einige Zeit später die charismatische Marie kennenlernt, sie werden zur glücklichen Patchwork-Familie. Doch irgendetwas stimmt nicht.

Wie schon in der niederländischen Buchvorlage steht auch im Film des Regisseur*innen-Ehepaars Sabine Lubbe Bakker und Niels van Koevorden Monas Perspektive im Zentrum. Mit ihr sind wir Zuschauer*innen anfangs dazu geneigt, Mitleid für Marie zu empfinden. Einmal liegt sie mit tränenüberströmtem Gesicht im Bett, Monas Vater scheint der Grund für ihre Trauer zu sein. Ein anderes Mal vertraut sie Mona betrunken an, dass sie an Depressionen leidet. Mona macht sich Sorgen, versucht ihrer Stiefmutter Beistand zu leisten. Als der Vater sie bittet, Marie „Mama“ zu nennen, findet sie das zwar nicht richtig, aber ihr liegt nichts ferner, als sich dem Willen der Erziehungsberechtigten zu widersetzen. Nach und nach stellt sich aber heraus, dass man es Marie nie recht machen kann: Ihre Wutanfälle treten unvermittelt auf, stets muss man fürchten, dass sich zu ihrem Gebrülle physische Gewalt gesellt.

Anhand von drei Teilen zeigt der Film auf, wie sich Monas Kindheitserfahrungen auf ihr Leben auswirken. Auch als erwachsene Frau fungiert sie immer noch als Sündenbock für Marie. Doch auch in anderen Beziehungen hat es Mona nicht leicht, sei es privat oder beruflich. In „Becoming Mona“ werden keine einfachen Schlussfolgerungen gezogen, Mona wird nicht auf die Rolle eines wehrlosen Opfers reduziert. Stattdessen ist man zeitweise selbst von ihr frustriert: Dass sie immer wieder in missbräuchliche Beziehungen gerät, kann unmöglich ein Zufall sein – Mona scheint diese familiäre Dynamik, ob bewusst oder unbewusst, immer wieder aufzusuchen.

Wie Regisseur*innen Bakker und van Koevorden im Q&A des LuxFilmFest erklärten, fühlten sie sich aufgrund eigener Kindheitserfahrungen zu dem Stoff hingezogen. Obwohl der Inhalt und die Struktur des Films auf einem Buch basiert, ließen sie den Schauspieler*innen viel Freiraum zur Improvisation. Herausgekommen ist ein Film, bei dem man von der ersten bis zur letzten Minute die Luft anhält. Das, obwohl sich keine der Figuren wirklich weiterentwickelt. Dank der hervorragenden Leistungen der beiden Schauspielerinnen, die Mona als Kind und als Erwachsene verkörpern, haben wir jedoch stets Empathie für diese so komplexe wie frustrierende Figur.

Becoming Mona“ läuft am Montag, dem 8. März um 19 Uhr in der Cinémathèque, am Freitag, dem 12. März um 16 Uhr im Ciné Utopia, und kann noch bis zum 14. März auf der Online-Plattform des LuxFilmFests gestreamt werden.


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