Niedergang von Eida: Nach dem Strom das Gas

Der Zusammenbruch der kleinen grünen Stromfirma beschleunigt sich – zu drastisch ist der Preisanstieg an den Energiemärkten.

Der Jahreswechsel ist für viele Menschen eine Zeit, in der sie sich auf positive Perspektiven für das kommende Jahr konzentrieren. Nicht so für die Kund*innen der Firma Eida, die das Jahr 2022 mit gleich zwei Hiobsbotschaften beginnen mussten. Am 13. Dezember hatte die Öko-Energiefirma mitgeteilt, sie müsse ihre Stromlieferungen einstellen, die Erdgasversorgung bleibe aber erhalten (online-woxx: Kein Eida-Strom mehr: die Fakten). Keine zwei Wochen später, ausgerechnet an Heiligabend, informierte Eida dann, auch die Gaslieferungen würden kurzfristig eingestellt. Wie beim Strom seit dem 14. Dezember wird beim Gas ab dem 14. Januar ein „Fournisseur du dernier recours“ (Lieferant der letzten Instanz) die Versorgung übernehmen, damit die Kund*innen nicht ohne Heizung oder im Dunkeln sitzen. Allerdings sind die Tarife für solche Notlieferungen relativ teuer, sodass sich ein schneller Wechsel in einen regulären Vertrag eines neuen Anbieters empfiehlt.

Begründung Eidas ist in beiden Fällen die Situation an den Energiemärkten, durch die die Einkaufspreise für Strom und Gas stark gestiegen sind. Dies betrifft immer mehr Lieferfirmen und Kund*innen, wobei viel von den Lieferverträgen abhängt. Hier kommt es auf Laufzeiten und einzelne Formulierungen an: Wenn bei den Firmen die Verträge auslaufen (oder zu knapp kalkuliert wurde), stehen neue, zu den jetzt höheren Marktpreisen an. Diese Kostensteigerung wird dann an die Endkund*innen weitergereicht, sobald für diese eine Vertragserneuerung ansteht. Bei Verträgen mit variablen Preisen schlägt sich die Kostensteigerung gleich nieder – hält allerdings auch nicht länger an, als die Preise im Großhandel hoch bleiben.

Wie erneuerbare Energien fördern?

Warum das jetzt den „grünsten“ (und einen der kleinsten) unter den Luxemburger Stromanbietern trifft, obwohl es ja die fossilen Energieträger sind, die die Preise nach oben treiben, haben wir bereits in der woxx 1663 erklärt: Niedergang von Eida: Konsi-Macht, Marktmacht. Angesichts der zweifelhaften Logik hinter dem Ökostrom-Marketing ist es durchaus eine Option, einfach den billigsten Strom zu beziehen – der in Luxemburg ja sowieso „grün“ ist – und den Ausbau der erneuerbaren Energien durch politisches statt konsumtives Engagement zu fördern.

Allerdings bieten die meisten Lieferanten neben „einfachem grünen“ auch „besonders grünen“ Strom an. Was man für diese Option mehr zahlt, dient im Prinzip dazu, den Bau neuer Anlagen zu fördern. Für Kund*innen, denen diese bescheidene Ausübung der Macht der Konsument*innen zusagt und die ihrer Stromfirma vertrauen, ist auch dies eine Option. Die Untersuchung der Angebote durch Luxemburger Umwelt-NGOs ist leider schon einige Jahre alt und kann deshalb bestenfalls Anhaltspunkte bei der Entscheidung für eine „Stromsorte“ bieten.

Kein grünes Gas

Was Erdgas angeht, so beschränken sich „grüne“ Angebote darauf, mittels eines Preisaufschlags den CO2-Ausstoß zu kompensieren. Die Nutzung von „grünem“ Gas ist derzeit ein Randphänomen, ihr Ausbau ist nicht unumstritten (woxx 1664: Biogas und Wasserstoff: Ausgebrannt). Klassisches Erdgas seinerseits ist weniger CO2-intensiv als andere fossile Energieträger, doch seine Nutzung wird grundsätzlich in Frage gestellt – es handelt sich immer noch um fossile Energie. Außerdem werden, als erster Schritt in den Gasausstieg, in Luxemburg keine neuen Gasanschlüsse mehr verlegt. Die Abhängigkeit von Lieferungen aus Russland macht diese Energieform auch nicht attraktiver. Das sind, zusätzlich zum Preisanstieg, Gründe genug für Gaskund*innen, eine Umrüstung der Heizungsinstallation ins Auge zu fassen. Staatliche Unterstützung gibt es derzeit für Wärmepumpen, Holzheizungen und Anschlüsse an Nahwärmenetze (unter myenergy, auf Französisch, Maßnahmen 2022-2025).

 


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