Schon gestreamt? Visible: Out on television

von | 10.04.2020

Die Doku-Serie „Visible: Out on television“ porträtiert die Entwicklung der Darstellung von LGBT-Charakteren im amerikanischen Fernsehen. Sie macht Zusammenhänge zwischen Medien, Politik und Gesellschaft sichtbar.

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Das Fernsehen versammelte zu Beginn seiner Kommerzialisierung in den 1950er- und 1960er-Jahren die gesamte Familie vor dem Bildschirm. Fernsehen war eine Institution – und seine Seriencharaktere und Moderator*innen gehörten schon fast zur Familie. Aus dem Grund ist der Blick, den die Doku-Serie „Visible: Out on television“ auf die Darstellung von LGBT-Charakteren und LGBT-Geschichte im amerikanischen TV wirft, relevant. Wie porträtierte das amerikanische Fernsehen die Belange von Menschen, die gesellschaftlich verhasst, belächelt und diskriminiert wurden und immer noch werden?

In fünf Episoden spricht die Serie Meilensteine der queeren, amerikanischen Fernsehgeschichte an, schildert aber auch den diskriminierenden Umgang, den das nationale Fernsehen lange Zeit mit LGBT-Menschen pflegte. In den 1950 und 1960er Jahren erschienen letztere – wenn überhaupt – nur im Kuriositätenkabinett von Talk-Shows, die seltene Erkrankungen oder Behinderungen derespektierlich oder homo- beziehungsweise transfeindlich thematisierten. Doch auch in fiktiven Formaten, wie Serien und Fernsehfilmen, wurden queere Charaktere lange Zeit undifferenziert, vornehmlich zur Belustigung eines queerfeindlichen Publikums oder zur Bestätigung dessen Vorurteile an den Pranger gestellt.

Eine Reihe prominenter Zeitzeug*innen aus der Fernsehbranche schildern in der Doku, wie sie diese Umstände und deren Entwicklung, hin zur Besserung, erlebten. Die Diskussion fiktiver Fernsehformate und deren Weiterentwicklung in Bezug auf die Darstellung queerer und nicht-binärer Charaktere, nimmt einen großen Teil der Serie ein. Sie hebt sich von anderen Dokumentationen ab, indem sie dabei auch einen Blick auf die Darstellung schwarzer LGBT-Menschen wirft, die bis heute eine doppelte Diskriminierung erfahren und sich nach Aussagen von Betroffenen in der Doku lange Zeit nicht repräsentiert fühlten.

Des Weiteren kommt auch die mediale Handhabung historischer Ereignisse queerer Kultur zur Sprache – die Stonewall-Proteste, Hate-Crimes gegen Queere, der rezente Amoklauf in einer queeren Disko in Orlando – und die Homofeindlichkeit im Kontext der Aidsepidemie. Gleichzeitig beleuchtet die Serie, welchen Einfluss Queerness auf die Karriere von Fernsehakteur*innen hatte und wie sie diese heute noch beeinträchtigt. Hierzu spricht unter anderem Ellen DeGeneres. Ihre Sitcom „Ellen“ verlor in den 1990 er Jahren nach ihrem doppelten Outing – sowohl als Privatperson als auch als Serienfigur – massiv an Zuschauer*innen und wurde abgesetzt. Die Schauspielerin und TV-Moderatorin erhielt Morddrohungen und sah sich gezwungen, sich jahrelang aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Caitlyn Jenner – Reality-TV-Star („Keeping Up with the Kardashians“) und Hochleistungssportlerin – spricht hingegen über die Reaktionen auf ihr Outing als trans Frau.

Diese thematische Vielseitigkeit und die zahlreichen, prominenten Interviewpartner*innen aus der Fernsehbranche sind Fluch und Segen zugleich. Zwischendurch verliert man vor lauter Input den Faden. Selbst wenn die einzelnen Episoden unter einem bestimmten Stichwort stehen, wie beispielsweise Aids, vermischen die Produzent*innen mehrere Aspekte queerer Fernsehgeschichte. Es fällt schwer, am Ball zu bleiben und den Gedankensprüngen zu folgen. Manchmal ist weniger eben mehr. Generell leistet die Serie aber einen wichtigen Beitrag zum Verständnis queerer Darstellungen in amerikanischen Fernsehformaten und ist höchst informativ.

„Visible: Out on television“ – zum Streamen auf Apple TV +.

Anm.d.R.: In diesem Beitrag wurde bewusst die Abkürzung LGBT benutzt, da es in der rezensierten Serie exklusiv um lesbische, schwule und trans Menschen geht.

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