Schon gestreamt? Streetphilosophy

Philosophie ist nur was für intellektuelle Leseratten? Schwachsinn. Das beweist die arte-Serie „Streetphilosophy“.

In der Folge „Pessimismus: Wird doch eh nix!“ spricht Ronja von Rönne (links) bei Nudeln aus der Aluschale unter anderem mit dem Fotografen Mehran Djojan (rechts). © weltrecorder

Das Konzept der Serie „Streetphilosophy“ ist einfach: Ein junger Mensch schlendert durch Berlin und sucht nach dem, was unsere Gesellschaft ausmacht, was das eigentlich ist, dieses Leben. Jede Sendung beginnt mit der Infragestellung unterschiedlicher Themen, wie beispielsweise die der Angst, des Glück, der Freiheit oder des Verlusts. Es folgen weder Schnickschnack noch ein verkrustetes Sendeformat bei dem Expert*innen über dem Philosophieren einschlafen.

Die Serienmacher*innen scheuen sich nicht davor, auf der Straße nach den Antworten auf die großen Fragen der Philosophie zu suchen. Warum nicht mit dem Trommler vom Hardcore-Block des lokalen Eishockeyvereins über Eskapismus sprechen? Oder mit der Chefautorin von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ über das Böse in der Welt? Die Moderator*innen Jonas Bosslet, Fernsehschauspieler, Ronja von Rönne, Bloggerin und Autorin, und Noah Sari, Journalist, philosophieren abwechselnd in Möbelhäusern, in Swimming-Pools, in Underground-Nachtclubs in Berlin oder in Schrebergärten mit gehisster Deutschlandfahne mit Menschen aus den verschiedensten Welten. Dabei darf der Plausch mit jungen Philosoph*innen, die einen wissenschaftlichen Einblick ins jeweilige Thema und in die zentralen philosophischen Thesen dazu geben, nicht fehlen. Auch die Gespräche mit den Expert*innen sind locker, leicht verständlich und frönen nicht der Klugscheißerei. In „Streetphilosophy“ gibt es keine Hierarchie: Die Antworten der trans Person, die sich als Vampirin bezeichnet; die des Waffel-Verkäufers mit krimineller Vergangenheit; die der Politiker*innen; die der nach Deutschland geflüchteten Tänzer; die eines kleinwüchsigen Models; die der Philosoph*innen – sie sind alle gleich wichtig und interessant. Der philosophische Ansatz hilft, um Menschen anderer Kulturen und sozialer Schichten näher zu kommen, sie zu verstehen oder es zumindest zu versuchen.

Die Serie ist vor allem eine Klatsche für die, die Philosophie für realitätsfern halten und sie hinter verstaubten Buchdeckeln vermuten. Gleichzeitig ist sie ein absolutes Muss für alle, die sich gerne in tiefgründigen Diskussionen über das Leben verlieren, aber keine Lust darauf haben, philosophische Schmöker durchzuackern. Doch auch für Philosoph*innen und Liebhaber*innen der Disziplin, ist die Sendung äußert bereichernd: Sie können nicht nur ihre Philosophiekenntnisse auffrischen, sondern erhalten durch die interessanten Interviewpartner*innen eine neue Perspektive auf philosophische Fragen.

Alle Folgen von „Streetphilosophy“ sind auf deutsch, teilweise mit französischer Übersetzung, in der arte-Mediathek verfügbar.


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