Tourismus: Greenwashing in Weiswampach

Ein „100 Prozent ökologisches“ Tourismusprojekt soll in Weiswampach entstehen. Nur, was nachhaltig an dem Feriendorf sein soll, weiß niemand so genau.

„Wir wollen eine strukturiertere und gezieltere Strategie, um Betriebe nach Luxemburg zu bringen. Gerade im Tourismus ist es uns wichtig, nachhaltige Unternehmen anzuziehen. Das Projekt in Weiswampach schreibt sich ein in die Tourismusstrategie, die ich Anfang des Jahres vorgestellt habe.“ Mit diesen Worten eröffnete Staatssekretärin Francine Closener die Pressekonferenz, bei der das zukünftige Feriendorf „Suneo Park Luxembourg“ vorgestellt wurde.

Foto: Lamy Groupe

50 Millionen Euro wird das Projekt kosten, das auf insgesamt 20 Hektar um die beiden künstlichen Seen in Weiswampach, in der Nähe des Dreiländerecks Luxemburg-Deutschland-Belgien an der Nordspitze des Landes, entstehen soll. Es wird das erste Feriendorf in Luxemburg sein, das die belgische Firma Lamy, die bisher vor allem in Südfrankreich aktiv war, bauen will. Übrigens mit Unterstützung des Staates: Die Subvention macht zehn Prozent der investierten Summe aus, fünf Millionen Euro also.

Wakeboard statt Fischerei?

Ein Hotel, 100 Ferienhäuser und ein Park mit Freizeitaktivitäten sollen in Weiswampach entstehen, der bisher bestehende Campingplatz muss dafür weichen. „Lediglich ein Stellplatz für Campingcars wird bestehen bleiben. Für Camper mit Wohnwagen oder Zelten gibt es in der Umgebung genügend andere Campingplätze. Die können dann auch von dem neuen Freizeitangebot auf den Seen profitieren“, erklärte der Weiswampacher Bürgermeister Henri Rinnen.

Tatsächlich sollen alle Attraktionen, wie der Kletterpark im Wald, der Cable-Parc für Wasserski und Wakeboard (wie Snowboarding, nur mit Wasser statt Schnee), die Wasserrutschen und andere Sportanlagen für alle offen sein, nicht nur für die Gäste des Feriendorfs. Auch der Zugang zu den Seen soll frei zugänglich bleiben. Das Grundstück bleibt übrigens im Besitz der Gemeinde und wird für 25.000 Euro im Jahr verpachtet (mittels eines „bail emphytéotique“).

Foto: Lamy Groupe

„Optimal in die Landschaft integriert“ sei das Feriendorf, lobte Closener das Projekt der Lamy-Gruppe. Den ökologischen Aspekt sucht man allerdings vergebens. Der niedrige Energieverbrauch und die Dreifachverglasung, die Geschäftsführer Jordan Lamy bei der Präsentation hervorhob, sind in Luxemburg immerhin Standard bei Wohnhaus-Neubauten. „Wir prüfen, ob wir den Cable-Parc mit einer Fotovoltaikanlage betreiben können, außerdem evaluieren wir, ob wir Energie aus den Seen gewinnen können.“, lautete Lamys knappe Antwort auf die Frage, was das Projekt denn zum Ökotourismus mache.

Alles, nur kein Ökotourismus

Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist es auf jeden Fall nicht: „Nach Weiswampach kommen Sie am besten mit dem Auto. Mit Zug und Bus funktioniert es auch, aber dann sind Sie lange unterwegs.“, erklärte Bürgermeister Rinnen auf Nachfrage.

Ökotourismus soll eigentlich dazu beitragen, die Umwelt zu schützen und die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Das eingenommene Geld soll zumindest zum Teil für Naturschutzprojekte zu Verfügung stehen und der eigene Impakt auf die Umwelt so gering wie möglich sein. Das Konzept hat Schwächen und steht oft unter Kritik – gerade weil Ökotourismus in Südamerika oder Asien oft mit langen, CO2-schweren Flugreisen verbunden ist. „Suneo Park Luxembourg“ erfüllt auch bei wohlwollender Betrachtung kein Kriterium, das man auf nachhaltigen Tourismus anwenden könnte. Immerhin: Lamy gab bei der Vorstellung des Projektes an, dass alle Gespräche mit dem Umweltministerium gut verlaufen seien. Nicht gegen Umweltauflagen zu verstoßen scheint für die Lamy-Gruppe also zu reichen, um „100 Prozent ökologisch“ auf die Pressemitteilung zu schreiben.

Eine kleine Hoffnung gibt es dennoch, dass zumindest ein paar Mutige sich für eine nachhaltige Art der Anreise nach Weiswampach entscheiden, wie Francine Closener erläuterte: „Wir überarbeiten gerade die nationalen und regionalen Wanderwege im Ösling.“


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